Im Test: Huawei Watch GT

Die Huawei-Smartwatch glänzt mit langer Akkulaufzeit, guten Sportfunktionen und kommt flach und sportlich daher. Doch sie hat ein paar unschöne Eigenschaften. Ob sie uns im Praxis-Test trotzdem überzeugt?

von Claudia Maag 13.12.2018

Statt der Watch 3 stellte Huawei im Oktober in London die Watch GT vor (PCtipp berichtete). Das Wearable kommt in Schwarz und einem schwarzen Silikonband; das Gehäuse ist aus Keramik gefertigt. Im Lieferumfang enthalten sind eine schnucklig kleine, Teller-förmige Ladestation mit USB-Kabel und ein Quick-Start-Guide. Farblich kann man zwischen Schwarz, Grün (Fluorescent Green), Braun (Saddle Brown) und Grau (Glacier Grey) auswählen.

Was optisch gleich ins Auge sticht: Die Smartwatch sieht nicht nur einer analogen Uhr ziemlich ähnlich, sie ist zudem sehr flach – so wie wir uns das eigentlich bei einer Smartwatch vorstellen (Höhe: 1,06 cm). Aber für unseren Geschmack und unser schmales Handgelenk ist sie einfach zu riesig (4,6 Zentimeter). Der Bildschirm misst 1,39 Zoll (3,53 cm). Wegen der Grösse mussten wir uns erst daran gewöhnen, diese Uhr nachts anzulassen. Dafür ist sie ein Leichtgewicht mit nur 46 Gramm (Herstellerangabe ohne Armband). 

Das Armband will nicht so recht passen; entweder ist es zu lose und verrutscht, oder wir haben unschöne Abdrücke auf unserem eingeschnürten Handgelenk. Für Männer hat sie vermutlich eine gute Dimension und sie sieht sportlich aus. Die Huawei Watch GT, die uns Huawei zur Verfügung stellt, hat ein AMOLED-Display mit 454 x 454 Pixeln. Verglichen mit dem Samsung Galaxy Watch (Test) scheint uns die Bildschirmqualität etwas schlechter (Super AMOLED-Display). Auf der rechten Seite finden sich zwei Knöpfe: Power- und Funktions-Taste.

Was uns ein Lächeln entlockt hat: Die Mein-Telefon-Suchen-Funktion. Nicht, weil es sie gibt, sondern, weil das Smartphone nicht bloss klingelt, sondern uns laut «Right here!» zuruft. 

Huawei Watch GT

Kein WLAN, dafür eigenes Betriebssystem

Unsere Freude getrübt hat der Umstand, dass die Smartwatch zwar Bluetooth-, nicht aber WLAN-kompatibel ist. Leider verliert die Watch GT in unserem Praxistest mit erstaunlicher Regelmässigkeit die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone.

Wer die Uhr erstmals mit der Huawei-Health-App verbindet, braucht etwas Geduld. Wir haben es mit mehreren Android-Handys getestet. Beispielsweise mit einem Android-9-Sony-Gerät klappte es sehr gut. Mit einem älteren Gerät von Sony dauerte es allerdings eine satte Stunde (!), bis das Update runtergeladen und die Uhr danach erkannt wurde. Mit unserem Samsung-Gerät (Android 8) gab es keine Probleme. Auch mit einem iPhone (iOS 12.1) konnten wir es relativ rasch verbinden.

Dafür setzt Huawei auf ein eigenes Betriebssystem und verspricht eine Laufzeit von bis zu zwei Wochen (je nach Nutzung). Voraussetzungen sind mindestens Android 4.4 oder mindestens iOS 9.0. Zum Akku: Im Inneren arbeiten ein ARM-Cortex-M4-Prozessor und ein 420-mAh-Akku. Die Laufzeit ist top: Bei konstant eingeschalteter Bluetooth-Verbindung, regelässigem Tracking, maximaler Helligkeit und täglicher 2 Stunden intensiver Nutzung hielt die Uhr tatsächlich 14 Tage durch. Das ist in der Smartwatch-Welt momentan Rekord. Bei der Galaxy Watch machte dieser je nach Nutzung nach 2 oder 3 Tagen schlapp.

Minimale Benachrichtigung, keine Musikplayer-Steuerung, kein Kalender

Bei den Benachrichtigungen wird eine Schwäche offensichtlich: Die Watch GT ist nicht sehr clever. Sie zeigt lediglich den Feed des Smartphones an. Sie kann also Nachrichten anzeigen, man kann aber darauf nicht reagieren. Wir hätten eine Münze werfen können: Wird ein Eintrag angezeigt oder nicht? Kann ich Text lesen oder nicht? Ausserdem findet sich kein Kalender, die Wetter-App ist Naja (rudimentär) und Musikplayer-Steuerung ist nicht möglich. 

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Fitness, Fitness, Fitness

Benutzer müssen die App Huawei Health herunterladen und sich registrieren. Generell kann man auf der Watch GT nur wenige Informationen ablesen, sondern wird auf die App verwiesen. Sportler oder Sportambitionierte können aus folgenden Workouts wählen: Laufkurs, Laufen (In- und Outdoor), Gehen, Wandern, Cross-Country-Lauf, Radfahren (In- und Outdoor), Schwimmen (In- und Outdoor). Für jedes dieser Workouts kann man Zielsetzungen eingeben (Distanz, Zeit, Kalorien). Beim Gehen zum Beispiel kann man unter Intelligentes Laufen ein Zieltempo definieren. Auch Huawei nutzt die Herzfrequenzmessung. Wir haben soweit gute Erfahrungen damit gemacht. Sicher nützlich, wenn man seinen Puls regelmässig überwachen möchte.

Sportfunktionen der Huawei Watch GT Sportfunktionen der Huawei Watch GT © Huawei/Screenshot

Von der Schlafaufzeichnung sind wir enttäuscht. Wir haben über eine Woche die Erfassung der Schlafdauer und kontrolliert, soweit das geht. Die Schlafdauer wurde stets zu hoch angegeben. Bei der Detailinformation Wach hat es praktisch nie gestimmt.

Die App bietet allerdings recht umfangreiche Informationen. Laut Huawei wurde sie mit dem Center for Dynamical Biomarkers am Beth Israel Deaconess Medical Center entwickelt. Die App bietet viele Informationen rund um einen gesunden Schlaf, was man jedoch bei der Samsung Health-App auch erhält.

Weiter gibt es eine Übersicht mit Schlafdauer insgesamt, Tiefschlaf, leichtem Schlaf, REM-Schlaf, Tiefschlafdauer und wie oft man erwacht ist – inkl. Empfehlung in Prozent und einer Einschätzung, ob die Dauer Niedrig, Normal oder Hoch ist. Das fanden wir interessant. Wie zu erwarten, findet sich eine Wochen-, Monats- und Jahresübersicht mit Balkendiagramm. Man wird darauf aufmerksam gemacht, wenn man plötzlich unregelmässig ins Bett geht, was hilfreich sein kann.

Die Schrittzählung gefiel. Sie erinnert stark an jene von Samsung, allerdings ist der Trend hier noch genauer aufgesplittet (in der App). Auch dieser Begleiter beobachtet auf Wunsch, wie lange wir sitzen und erinnert daran, sich zu bewegen. Huawei nutzt nach eigenen Angaben drei Satellitenpositionssysteme – GPS, GLONASS und Galileo.

Fazit

Huawei zielt mit der Watch GT klar auf Sportler ab, die ein relativ schlichtes, sportliches, flaches Modell zu einem fairen Preis suchen (Fr. 199.- mit Silikonarmband). Allerdings kann man via Smartwatch nur beschränkte Informationen erhalten und steuern, ansonsten muss man das Smartphone mitschleppen. Im Vergleich zur Galaxy Watch und auch zu einem aktuellen Fitbit-Tracker sind wir von der Genauigkeit des Resultats nicht ganz überzeugt. 

Ausserdem kann die Smartwatch zwar die Benachrichtigungen anzeigen, aber man kann darauf nicht reagieren. Wir finden, heutzutage sollte auch ein Kalender zur Verfügung stehen und Musikplayer-Steuerung möglich sein.

Huawei Watch GT

Positiv:
Lange Akkulaufzeit, leicht und flach, fairer Preis, solide Verarbeitung, detaillierte Trainingsinformationen (App)
Negativ:
Verlor häufig Bluetooth-Verbindung, kein WLAN, keine Musiksteuerung, keine Kalenderapp, Nicht auf Benachrichtigung Antworten, ohne Smartphone nur begrenzt nutz- und einstellbar,
Details:
AMOLED-Display, Touchscreen, Auflösung: 454 x 454 Pixel, 16 MB RAM, Bluetooth, NFC, 420-mAh-Akku, GPS, GLONASS, GALILEO, Wasserdichte: 5 ATM, Ladeschale (Pins)
Strassenpreis:
Fr. 199.-
Info:
consumer.huawei.com/ch/wearables/watch-gt/
PCtipp-Bewertung:
3.5 Sterne

Leserwertung

Gut: 33.3%
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Schlecht: 33.3%