Das war Apples Keynote

So viele interessante Produkte – aber nicht alle werden es in die Schweiz schaffen.

von Klaus Zellweger 26.03.2019

Letzte Woche stellte Apple einen neuen iMac, ein neues iPad und die neuen AirPods vor. Gestern wurde klar, warum dieser Produktreigen so unspektakulär eingeführt wurde: An der Keynote unter dem Titel «It’s show time» wurden nicht weniger als vier neue Dienste eingeführt, die scheinbar keine Ablenkung durch Hardware-Mätzchen dulden.

Von diesem Quartett werden es vermutlich nur zwei in die Schweiz schaffen, namentlich «Apple TV+» und die «Apple Arcade». Bei der «Apple Card» und «Apple News+» werden wir wohl nur von aussen zusehen dürfen.

Apple TV+

Das war eigentlich der grosse Aufhänger der Veranstaltung und wurde deshalb zuletzt erwähnt, aber wir hieven den Dienst an die Spitze. «Apple TV+» ist ein Streaming-Dienst à la Netflix oder Amazon Video. Dafür nahm Apple bis heute einige Milliarden Dollar in die Hand und verpflichtete Branchengrössen, die sowohl vor als auch hinter der Kamera wüten. Auf der Bühne drückten sich Stars wie Steven Spielberg, Jennifer Aniston, Jason Momoa oder Oprah Winfrey die Klinke in die Hand und referierten über die Vorzüge einer guten Story, als hätten sie soeben das Kino erfunden. Selbst als Apple-Fan war ich mir während dieser Präsentation nicht sicher, ob ich mich jetzt langweilen oder ein wenig fremdschämen soll.

Die Grössen aus Film und Fernsehen sind Legion Die Grössen aus Film und Fernsehen sind Legion © Screenshot / Apple

Es ist das erklärte Ziel von Apple, die Messlatte für Qualität höher zu legen. Dazu werden Serien, Filme und Dokumentationen gleichermassen ins Rennen geschickt. Allerdings ist es wohl dem Zuschauer überlassen, wie er Qualität definiert. Spontan fallen mir dabei die aktuellen Netflix-Serien «The Umbrella Academy» und «Love, Death & Robots» ein: Beide wurden von unserer Familie begeistert aufgenommen – aber dieser «Schund» würde vor den Augen der Apple-Verantwortlichen wohl niemals bestehen.

Das ist Apple wichtig: die Inhalte sollen familienfreundlich sein – und da darf die Sesamstrasse natürlich nich fehlen Das ist Apple wichtig: die Inhalte sollen familienfreundlich sein – und da darf die Sesamstrasse natürlich nich fehlen © Screenshot / Apple

Doch es geht noch weiter. Die neue «Apple TV»-App will alle wichtigen Sender und Streaming-Dienste unter einem Dach versammeln. Diese App wird für das iPhone, das iPad, und die Macs angeboten – aber auch für ausgewählte Smart-TVs von Samsung, LG, Sony und Vizio. Und zu guter Letzt werden sogar Fressfeinde unterstützt, namentlich Amazons Fire-TV-Stick und die Roku-Box. Für Apple zählt ganz offensichtlich die Verbreitung mehr als alles andere, aber das sollte in diesem Fall nicht weiter verwundern.

Je mehr Plattformen, umso besser Je mehr Plattformen, umso besser © Screenshot / Apple

Ausserdem sorgt die neue App «Apple TV Channels» dafür, dass die kleine Apple-TV-Box noch nützlicher wird. Sie bündelt die Angebote der Streaming- und Pay-TV-Anbieter, sodass die Angebote aller Dienste in einer einzigen App aufgefächert werden. Der Zuschauer behält so die Übersicht und kann bei Bedarf auf Knopfdruck einen neuen Dienst abonnieren. Neue Inhalte werden aufgrund der Sehgewohnheiten vorgeschlagen und natürlich merkt sich die App, wo man am Vorabend stehengeblieben ist. Kleines Detail: Auf der Folie wurden Grössen der Branche aufgezeigt, wie etwa HBO, Starz, CBS All Access und viele weitere – doch Netflix war nicht dabei.

Apples neuer Dienst vereint mehrere Anbieter unter einer Oberfläche Apples neuer Dienst vereint mehrere Anbieter unter einer Oberfläche © Screenshot / Apple

Ab hier wird es schwammig. Die neue «Apple TV»-App kommt ab Mai in über 100 Ländern mit einem kostenlosen Softwareupdate auf alle Apple-Geräte. Dabei ist allerdings zu erwähnen, dass es den Vorgänger bereits in Deutschland gibt, aber nicht in der Schweiz. Trotzdem preist Apple den Dienst als eine globale Angelegenheit an – genau wie Apples eigenen Streaming-Dienst, der noch dieses Jahr startet; dessen Preise und die effektive Verfügbarkeit werden aber erst im Herbst kommuniziert.

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Apple Arcade

Die Schweiz wurde zwar nicht explizit erwähnt, aber es ist anzunehmen, dass wir ebenfalls in den Genuss der neuen «Apple Arcade» kommen. Dabei handelt es sich um einen Abo-Dienst, der zum Start über 100 iOS-Spiele umfassen soll. Diese sollen durch eine hohe Qualität überzeugen und sind teilweise noch in der Entwicklung.

Die ganz grossen Fische sind dabei Die ganz grossen Fische sind dabei © Screenshot / Apple

Dabei lassen sich alle Spiele beliebig spielen, und zwar online wie offline. Im Abo sind ausserdem alle Leistungen enthalten: Es wird keine weiteren «Sub-Abos» oder In-App-Käufe geben und auch keine In-App-Werbung. Ausserdem lässt sich das Abo über die Familienfreigabe mit dem Rest des Haufens teilen, ohne dass weitere Kosten entstehen – und das klingt doch äusserst vielversprechend.

Fast unglaublich, aber scheinbar wahr: Im App Store tummeln sich aktuell etwa 300’000 Spiele Fast unglaublich, aber scheinbar wahr: Im App Store tummeln sich aktuell etwa 300’000 Spiele © Screenshot / Apple

Unterstützte Plattformen sind iOS, tvOS und sogar macOS. Dabei wird es interessant sein, zu sehen, wie viele Games tatsächlich unter tvOS laufen, also auf dem Apple TV – denn diese Spiele-Plattform hat Apple bis jetzt sträflich vernachlässigt.

Anonym, persönlich, benutzerfreundlich … diese Folie wurde übrigens bei allen vier Diensten gezeigt Anonym, persönlich, benutzerfreundlich … diese Folie wurde übrigens bei allen vier Diensten gezeigt © Screenshot / Apple

Der Dienst startet im Herbst in den meisten Teilen der Welt, über die Kosten wurde nichts bekanntgegeben. Immerhin: Es gibt eigentlich keinen Grund, die Apple Arcade der Schweiz vorzuenthalten.

Apple Card

Diese Neuheit wird es wohl nicht so schnell in die Schweiz schaffen: Die «Apple Card» ist eine Kreditkarte, die unter dem Apple-Logo herausgegeben wird – gemacht aus Titan und darüber hinaus ein komplettes Understatement: Auf der Karte steht zwar der Name, aber keine Nummer, kein Ablaufdatum und auch sonst nichts, was den edlen Eindruck trüben könnte. Die App dazu liefert ausserdem eine komplette, sehr detaillierte Übersicht über die Einkäufe, den Ort der Transaktion und weitere Informationen, die haarklein ausgewertet werden und ein gutes Gefühl über die Kontrolle der Finanzen vermitteln sollen. Dabei sind die Karte, die Transaktionen und viele Leistungen kostenlos.

Edel sei die Kreditkarte, hilfreich und gut; das trifft zumindest auf die äussere Erscheinung zu Edel sei die Kreditkarte, hilfreich und gut; das trifft zumindest auf die äussere Erscheinung zu © Screenshot / Apple

Die Apple Card wird vorerst nur in den USA angeboten werden. Apple kooperiert dazu mit Mastercard und Goldmann-Sachs. Allerdings werden viele dieser Funktionen bereits heute von Revolut abgedeckt – und deren kostenlose Karte ist bereits heute in der Schweiz nutzbar. (Mehr dazu hier.) Während Revolut jedoch vorerst eine Pre-Paid-Karte ist, kann der Kontostand bei der Apple-Card auch ins Minus schlittern; und dann ist Schluss mit kostenlos.

Zentral, weil so wichtig: die Kontrolle über die Ausgaben Zentral, weil so wichtig: die Kontrolle über die Ausgaben © Screenshot / Apple

Apple News+

Auch bei «Apple News+» sollten wir uns keine Hoffnungen machen, dass der Dienst so schnell in der Schweiz auftaucht, denn bereits die bestehenden Apple News haben es nicht ins Alpenland geschafft. Über den neuen Dienst werden in der News-App über 300 Magazine angeboten, die mit viel Zucker aufbereitet werden – Filme, animierte Grafiken und Animationen inklusive.

Über 300 Magazine sind dabei; das reicht locker, um sogar Analphabeten zufriedenzustellen Über 300 Magazine sind dabei; das reicht locker, um sogar Analphabeten zufriedenzustellen © Screenshot / Apple

Die Auswahl ist dabei breit gestreut und umfasst Zeitschriften aus den Bereichen Mode, Sport, Wirtschaft, Livestyle … das ganze Programm eben. Auch hier will Apple aufgrund der Lesegewohnheiten neue Inhalte vorschlagen. Das geschieht jedoch auf dem Gerät selbst. Apple selbst weiss nichts von den Lesegewohnheiten. Auch die Herausgeber wissen nichts über den Leser: Er kennt weder den Namen, den Wohnort noch die E-Mail-Adresse. Das dürfte den Verlagen nicht schmecken, den Lesern dafür umso mehr.

Die gediegene, animierte Aufmachung ist zentral; sie unterscheidet sich schliesslich von totem Papier Die gediegene, animierte Aufmachung ist zentral; sie unterscheidet sich schliesslich von totem Papier © Screenshot / Apple

Der Dienst ist ab sofort für 9,99 Dollar pro Monat in den USA und Kanada erhältlich und kann ohne Aufpreis über die Familienfreigabe geteilt werden. Später sollen Australien und U.K. folgen, bevor weitere Teile von Europa beackert werden.