Nokia 6 im Test: pures Android zum Spartarif

Viel Display und viel Alu: Für nur 249 Franken gibt es das schicke 5,5-Zoll-Nokia von HMD Global. Doch was taugt das neue Günstig-Smartphone überhaupt?

von Simon Gröflin 24.08.2017

Dank Lizenznehmer HMD Global ist Nokia inzwischen schon mit drei Einstiegs-Smartphones mit Preisen von unter 300 Franken wieder auf dem Markt vertreten. Um genau zu sein, sind es mittlerweile schon vier Telefone mit nativem Android 7.1. Denn mit dem Nokia 8 steht auch ein erstes Premium-Smartphone in den Startlöchern. Es kommt noch besser. Dank einer engen Partnerschaft mit Google will das Start-up vor allem eines: schnelle Android-Updates in Aussicht stellen. Damit dürfte auch Android 8.0 alias «Oreo» sehr bald auf den neuen Nokias aufschlagen. Wir waren schon zum Testzeitpunkt erstaunt, dass unmittelbar nach dem Aufsetzen des Nokia 6 und 5 schon das Update auf Android 7.1.1 bereitstand. Nachdem wir mit den Neulingen bereits am Mobile World Congress und am Launch-Tag auf Tuchfühlung gegangen sind, ist es nun definitiv an der Zeit, die drei Android-Puristen auch auf Herz und Nieren zu testen.

Drei auf einen Streich: HMD Global hat schon drei Günstig-Smartphones lanciert Drei auf einen Streich: HMD Global hat schon drei Günstig-Smartphones lanciert © HMD Global / sgr

Schönes Alu

Beim Nokia 6 handelt es sich um ein 5,5 Zoll grosses Full-HD-Telefon für schlappe 250 Franken. Was sich auch nach dem zweiten und dritten Eindruck bewahrheitet: Die Verarbeitung beim Nokia 6 ist absolut makellos. Das metallene Unibody-Gehäuse ist wie aus einem Block gefräst. Genauso edel und robust fühlt es sich auch an. Mögen oder nicht mögen kann man den doppelspurigen Aluminiumrahmen, mit dem sich das Smartphone ein wenig kantiger anfühlt als seine beiden Geschwister. Das sieht beim Nokia 5 (5,2 Zoll) etwas anders aus. Bei jenem Mittelklassesprössling ist alles wie beim iPhone 7 grosszügig abgerundet.

Das mattschwarze Modell des Nokia 6 Das mattschwarze Modell des Nokia 6 © sgr / nmgz

Das kupferne Modell des Nokia 6 Das kupferne Modell des Nokia 6 © lpd / nmgz

Mittelmässige Performance

Was sich weniger gut anfühlt, ist die etwas ruckelige Bedienung. Den Balanceakt aus Leistung und Verarbeitung zum Spartarif schafft man mit dem reinen Android 7 jedenfalls nicht ganz. Schuld daran ist der etwas lahme Prozessor. So dauerte es beispielsweise mehrere Minuten, bis ein paar für mich wichtige Apps wie WhatsApp und SBB Mobile installiert waren. Da nützt auch eine flinke WLAN-AC-Router-Verbindung nichts, wenn man beim Zurückspulen eines grösseren Google-Backups einfach nur Stunden wartet. Randnotiz: Das Nokia 6 ist zwar WLAN-AC-fähig, funkt aber im LTE-Betrieb nur mit maximal 150 Mbit/s (statt mit standardmässigen 300 Mbit/s). Ins Gewicht fällt das insbesondere im Hotspot-Betrieb mit einem Notebook, wenn man gerade sehr viele Seiten lädt. Im Alltag störte uns das nicht merklich. Ähnliches können wir aber bei der Bedienung und Performance nicht schönreden.

Auch hier keine Ecken, dafür ein scharfes Aluminiumrähmen (oben und unten) Auch hier keine Ecken, dafür ein scharfes Aluminiumrähmen (oben und unten) © sgr / nmgz

Nichts für Multitasker

App-Jonglierer mit Multi-Tasking-Drang könnten durchaus mal dem Phänomen begegnen, dass sich eine bestimmte Anwendung mal gerade nicht öffnen möchte. Da nützt auch Schütteln nichts. Wir wollen aber auch nicht übertreiben: Mit Alltags-Apps wie Spotify, Facebook etc. hat das Entry-Telefon keine Mühe. Hardcore-Anwender, die viele Multimediainhalte teilen oder gar Videos schneiden möchten, werden hier mental «entschleunigt». Deutlich wird das auch in den Leistungstests, auf die wir gar nicht gross eingehen müssen. Ein Galaxy S8 ist da schon in einem Drittel der Zeit mit dem Geekbench-4-Benchmark fertig. Beim Antutu-4-Lauftest schafft das Nokia 6 gerademal 37'500 gegenüber 175'000 Punkten eines iPhone 7. Kommen wir aber zurück zu den schönen Seiten: Die Akkulaufzeit ist dank des sportlichen 3000-mAh-Akkus nicht schlecht. Gegen Abend bleiben auch nach einem strengen 18-Stunden-Arbeitstag noch gegen 30 Prozent Akkulaufzeit übrig. 

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Genügsames Full HD

Der Full-HD-Bildschirm des 5,5-Zoll-Smartphones ist für ein 250-Franken-Gerät sehr gut ausgeleuchtet. Das ist immerhin ein hervorstechendes Merkmal, dem man in dieser Preisregion selten begegnet. Obwohl die maximale Helligkeit ein wenig niedrig ausfällt, kann man sogar bei Sonnenlicht noch etwas erkennen. Darüber hinaus verzückt das 16:9-Format der Premium-Klasse. HMD will offenbar wie Samsung mit seiner A-2017-Serie beim grossen Bildschirm auf die jungen Millennials abzielen, die stets multimedial und vernetzt sein wollen. Wobei – eben: Für Multimedia reichts gerade noch so ein bisschen. Die beiden Lautsprecher mit etwas dumpfer Monoqualität und wenig Bass darf man hierbei für normale Handy-Verhältnisse nicht gross ankreiden.

Auch bei hellem Sonnenlicht ist der Bildschirm noch gut leserlich Auch bei hellem Sonnenlicht ist der Bildschirm noch gut leserlich © sgr / nmgz

Viele Extras

Die Ausstattung lässt ansonsten nicht viele Wünsche offen. Zwar ist nur ein langsam ladender Micro-USB-2.0-Port vorhanden, dafür aber nebst eines 64-GB-Fixspeichers (es gibt auch eine 32-GB-Variante) sogar ein zusätzlicher Micro-SD-Kartenslot. Ja, sogar NFC und ein Fingerabdruck-Scanner sind an Bord. Letzteren findet man unter dem Home Button. Ein wenig unhandlich ist die 3,5-mm-Buchse an der Oberseite. Die hätte sicher auch gut noch in der unteren Region Platz gefunden.

Nichts für leistungshungrige Anwender mit Multimediadrang: das Nokia 6 Nichts für leistungshungrige Anwender mit Multimediadrang: das Nokia 6 © sgr / nmgz

Einstiegskamera

Die Kamera ist eher Mittelmass. Die Fotoqualität der 16-Mpx-Kamera ist aber bei hellem Tageslicht trotzdem recht gut, und das bei wenig Wacklern. Natürlich gibt es hier auch keinen optischen Bildstabilisator; genau deswegen sind wir erstaunt über die präzisen Schnappschüsse. Bei Morgen- und Abenddämmerung wirken die Farben aber ein wenig unecht und blaustichig, wie man das von anderen Günstig-Smartphones kennt. Es reicht knapp für die Mittelklasse.

Je nach Witterung werden Fotos mit dem Nokia 6 einen Tick zu körnig Je nach Witterung werden Fotos mit dem Nokia 6 einen Tick zu körnig © sgr / nmgz

Die Kamera des Nokia 6 reiht sich knapp in der Mittelklasse ein Die Kamera des Nokia 6 reiht sich knapp in der Mittelklasse ein © sgr / nmgz

Fazit

Für seine Preisklasse ist das Nokia 6 ein gelungenes Budget-Smartphone mit ausserorderlich guter Akkulaufzeit und einem alltagstauglichen Full-HD-Bildschirm. Angesprochen sind aus unserer Sicht hier vor allem Kunden mit beschränktem Budget und/oder ohne grosse Ansprüche bei der Kamera. Denn ohne eine grosse Kamera muss man auch nicht viele Videos und Fotos bearbeiten wollen, was beim Nokia 6 leistungsmässig ins Konzept passt. Alternativen? Es gibt nicht mal so viele.

Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von Autronic AG zur Verfügung gestellt.

Nokia 6

Positiv:
Bildschirm, Verarbeitung, Akkulaufzeit
Negativ:
Performance, Kamera
Details:
5,5"-Full-HD-Display, Auflösung: 1920 x 1080, Snapdragon 430 (Achtkern, 1,4 GHz), 4 GB RAM, ab 32 GB Speicher, 16-Mpx-Kamera, 3000-mAh-Akku, NFC, LTE, Bluetooth, Android 7.1, 15,4 x 7,6 x 0,79 cm, 169 g
Strassenpreis:
Fr. 249.–
Info:
nokia.com
PCtipp-Bewertung:
4 Sterne

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