Test: Xiaomi Roborock S5

Der Xiaomi Roborock S5 kann putzen und feucht wischen und das zu einem fairen Preis. Mehrheitlich überzeugt er, doch er hat noch einiges zu lernen.

von Claudia Maag 14.03.2019

Mit den Staubsaugrobotern ist es wie mit vielem: Ob man am Ende erfreut oder enttäuscht ist, hängt von den Erwartungen ab. Wer zu Hause Novilon-, Platten- oder (versiegelte) Parkettböden und nur Teppiche ohne lange Fasern hat, der ist grundsätzlich ein Kandidat für eine solche Putzhilfe. 

Der Xiaomi Roborock S5, hier in Weiss Der Xiaomi Roborock S5, hier in Weiss © Beijing Roborock Technology Co.

Kabel, Bücher und Duplos werden für die Maschinen zum Hindernis. Der Hersteller Beijing Roborock Technology Co. weist darauf hin, dass man vor der Reinigung alles Herumliegende wegräumen soll. Wie realistisch das ist, dazu später. 

Die manuelle Bedienung ist simpel, denn es gibt gerade mal drei Tasten oben auf dem Gerät: Reinigen An/Aus, Fleckenreinigung (Spot Cleaning) und Aufladen.

Wir haben den Xiaomi Roborock S5 in Weiss (S50), der uns von Digitec zur Verfügung gestellt wurde, durch eine kleine Stadtwohnung mit kunterbunter Bodenauswahl (ausser Teppich) kurven lassen. Die Smart-Home-App «Mi Home» haben wir mit einem Android-One-Smartphone (Android 9.0) verwendet.

Gefallen hat das schlichte, Ufo-förmige Design, die dezente Farbe und die Gerätesensoren (Absturz- und Wandsensor), die zuverlässig Hindernisse erkannten und umfuhren – ausser Kabel, die schleift der Vacuum-Reiniger gemütlich, aber gnadenlos mit. Auch ein gesundes Blatt eines Elefantenbaums musste dran glauben, ehe wir das verhindern konnten. Durch das runde Design und stetiges Rotieren kommt der Xiaomi-Roboter mit einer verwinkelten Wohnung gut zurecht. 

Wenn sich der Roboter in einem anderen Raum befand, fand er die Ladestation nicht. Er irrte kurz herum und bat dann, näher gebracht zu werden. Wenn er sich im selben Raum befand, war das kein Problem.

In unserer Testwohnung gibt es zwischen jedem Raum eine ca. 2 cm hohe, rechtwinklige Schwelle. Darum haben wir nicht erwartet, dass sich der Roboter ohne Hilfe zwischen den Räumen bewegen kann (ausser vielleicht abwärts). Das Tüpfelchen auf dem I wäre gewesen, wenn der Xiaomi Roborock S5 noch grössere und robustere Räder für das Erklimmen von Schwellen gehabt hätte. Grundsätzlich, wenn eine leichte, abgerundete Erhöhung vorhanden ist, kann er sie dank seiner zwei Räder – laut Hersteller – überwinden. 

Inbetriebnahme

Dank WLAN geht das Verbinden über das Heimnetz relativ schnell. Die automatische Suche (erfordert Standortzugriff) klappte jedoch mehrfach nicht. Dank Wi-Fi-Reset ging es nach zweimaligem Wiederholen.

Resultate

Staubsaugen

Der Roboter erfasst erst einmal den Raum und zwar mittels Laser-Entfernungssensor. Danach bewegt er sich in Schlangenlinien mehrheitlich von links nach rechts. Am Anfang scheinen die Bewegungen nicht immer Sinn zu ergeben. Ganz allgemein muss gesagt werden: Zu Anfang braucht man Zeit und Geduld. Wir haben mehrfach gedacht: «In dieser Zeit hätte ich dreimal selbst gesaugt.» Doch wenn ein Raum mal erfasst ist, geht es schneller. Allerdings steckt der Roboter schon mal an der Unterseite des Sofas fest, wenn er nicht darunter gelangen kann.

Die Seitenbürste, die aus drei kleinen, rotierenden Bürstchen besteht, hat uns nur bedingt überzeugt. Die Bürstenhaare sind eher kurz und nicht sehr dicht. Zwar befindet sich unter dem Gerät eine lange Hauptbürste, aber wir haben uns gefragt, warum nicht beidseitig mit einer Seitenbürste gereinigt wird. 

Mit der Staubsaugerqualität waren wir mehrheitlich zufrieden. Auch wenn sich in einer Ecke mehr Staub ansammelt, ist er nach der Reinigung weg. Bei Bedarf tippt man auf die Taste «Spot Cleaning». Dabei fährt das Gerät in einem viereckigen Bereich mehrmals hin und her und intensiviert seine Bemühungen. Das war bei uns selten notwendig.

Feucht wischen

Unser Lieblings-Feature beim Roborock ist seine Wischfunktion. Wir hegen eine gewisse Abneigung gegen manuelles Feuchtwischen. Darum waren wir sehr erfreut, dass der Xiaomi-Roboter uns das abnahm – insbesondere zu einem Preis von rund 500 Franken. Für die Nasswischfunktion klickt man einfach auf der einen Seite des Roboters unten das Nasswischmodul ein. Ein Nasswischtuch kann leicht montiert und mit Klettsystem befestigt werden. Zwei Tücher werden mitgeliefert, müssen aber sonst separat dazugekauft werden. Zwei davon kosten bei Digitec Galaxus Fr. 15.70, was jetzt nicht grad günstig ist («Xiaomi Roborock S50 Mop»). Hier lohnt sich sicher ein (Online-)Preisvergleich.

Mit dem Ergebnis waren wir mehrheitlich zufrieden. Aber auch mit der Spot-Cleaning-Funktion wurde es nicht immer ganz sauber. Manchmal mussten wir entlang der Wände mit einem feuchten Lappen kurz ran – aber immer noch besser, als sämtliche Räume selbst feucht aufzunehmen.

Das Nasswischmodul mit Wassertank ist einfach hinzuzufügen und wieder zu entfernen Das Nasswischmodul mit Wassertank ist einfach hinzuzufügen und wieder zu entfernen © Beijing Roborock Technology Co.

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Smart-Home-App 

Auch bei maximaler Kartenvergrösserung am Smartphone und kleinen Fingern war es nicht so einfach, kleine Rechtecke zu zeichnen Auch bei maximaler Kartenvergrösserung am Smartphone und kleinen Fingern war es nicht so einfach, kleine Rechtecke zu zeichnen © cm/PCtipp

Man kann seine Räumlichkeiten als Karte erfassen und speichern. Diese Funktion befand sich zu Beginn in der Beta-Phase. Das merkte man leider auch. Nach dem Update auf Version 5.4.61 wurde es leicht besser. Damit der Roboter keine Pflanzen killt und Kabel mitreisst, gibt es Sperrzonen und No-Go-Linien. Die virtuellen Absperrbänder sind praktisch; um eine Pflanze kann man ausserdem einen rechteckigen Sperrbereich definieren. 

Auch bei maximaler Kartenvergrösserung am Smartphone und kleinen Fingern war es nicht so einfach, kleine Rechtecke zu zeichnen und diese dann zu verschieben. Nach dem Speichern konnten wir sie zuerst nicht mehr ändern. Seltsamerweise muss der Roborock an der Ladestation sein, damit man Sperrzonen und Absperrbänder verändern kann.

Grundriss: Ein Raum wird halbwegs korrekt erfasst und dargestellt. Will man aber mehrere Räume, sprich die Wohnung, erfassen, überlappten bei uns die Räume und wurden schief und nur mangelhaft dargestellt. 

Mühsam fanden wir, dass wir den Roborock pro Raum neu hinzufügen mussten. Trotz WLAN-, Bluetooth- und Standortzugriff fand die App das Gerät jeweils nicht. Beim manuellen Hinzufügen war erneut ein WLAN-Reset nötig. Die App überzeugte nicht.

Timer

Der Witz an einem Roboterstaubsauger ist doch eigentlich, dass man einen Zeitpunkt für die Reinigung definieren kann. Ich möchte morgens zur Arbeit fahren und wenn ich abends heimkomme, ist die Wohnung sauber. Doch von der Erfüllung dieser Erwartung sind Staubsaugroboter heute noch ein ganzes Stück entfernt.

In der App ist es möglich, einen Timer zu stellen und wahlweise täglich, wöchentlich oder individualisiert zu wiederholen. Man kann dann das Gerät starten oder z.B. einen Zeitpunkt für den Turbo-Modus oder eine Pause definieren. Ausserdem sind die Putzprotokolle dann in der App ersichtlich. Das hat im Test alles einwandfrei funktioniert.

Vertrauen ist gut …

Auch nachdem wir den Roborock über drei Wochen bei uns rumkurven hatten, trauten wir ihm nicht ganz. Das heisst, wir liessen ihn zwar freier seine Arbeit erledigen, waren aber immer daheim, wenn er putzte. Entweder im selben Raum oder zumindest in der Nähe. Sie hören es sofort, wenn der Roboter ein herumliegendes Kabel gefunden hat. Wir mussten ein paarmal eingreifen. Denn nein: Wir finden es nicht sinnvoll, vor der Reinigung durch einen Staubsaugroboter die Wohnung erst zehn Minuten von sämtlichen Kabeln und herumliegenden Gegenständen aufzuräumen. Wozu hat der Roborock Sensoren und gibt es Sperrzonen in einer App?

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Reinigung des Geräts

Die Hauptbürste sollte man wöchentlich reinigen. Sie befindet sich unten am Gerät. Nachdem das Gerät auf den Kopf gestellt ist, lässt sich die Hauptbürste sehr einfach ausbauen, reinigen und wieder einsetzen. Allerdings befindet sich das mitgelieferte Reinigungsbürstchen oben beim Staubbehälter, was wir erst später sahen.

Der Staubbehälter befindet sich oben unterhalb der Anschlussabdeckung. Das Herausnehmen ist simpel, das Öffnen trotz Abbildung in der Anleitung etwas tricky. Um eine Sauerei zu vermeiden, sollte man es beim Filter halten und dann bei den orangen Pfeilen in Pfeilrichtung nach vorn mit Tendenz nach unten ziehen. Nach dem Entleeren spült man den Staubbehälter mit Wasser aus. Erst nach mehrfachem Spülen ist der ziemlich kleine Staubbehälter sauber. In einer grösseren Wohnung muss man diesen bestimmt einmal wöchentlich leeren.

Den Filter kann man ebenfalls entfernen, was am Anfang ein bisschen «nifelig» war. Vor einer erneuten Nutzung muss beides gründlich trocknen – gemäss Hersteller mindestens 24 Stunden. Das finden wir jetzt nicht sehr praktisch!

Sicherheit

Die App erfragt ziemlich viele Berechtigungen. Dass sich der Kartendienst vor dem Update im Beta-Modus befand, hinterliess auch nicht gerade ein gutes Gefühl. Doch wie sicher ist die Nutzung? Um die Sicherheit des Geräts und der App zu beurteilen, stützen wir uns hier auf eine Sicherheitsanalyse vom unabhängigen deutschen Testinstitut AV-Test: go.pctipp.ch/1909

Im Sicherheits-Status-Test für IoT-Geräte stellte AV-Test fest, dass bei der lokalen Kommunikation zwischen Roboter und App hauptsächlich das UDP-Protokoll (User Datagram Protocol) zum Einsatz kommt – nicht TLS (Transport Layer Security) über TCP (Transmission Control Protocol), das eine sichere Verschlüsselung mitbringt und grundsätzlich gegen Man-in-the-Middle-Angriffe abgesichert ist. Zwar sei der eigentliche Payload in der UDP-Kommunikation gegen Mitlesen abgesichert, aber Schwächen des Protokolls blieben bestehen.

Unschön: Den AV-Test-Mitarbeitenden war es möglich, sich als Man-in-the-Middle in einige Verbindungen einzuklinken und so z.B. die Übertragung der vom Roboter erfassten Cleaning-Maps in die Cloud mitzulesen.

Lautstärke

Etwas überrascht waren wir von der relativ hohen Lautstärke. Ein Gespräch nebenher ist da nicht mehr möglich. Ob der Roborock Tiere verschreckt hätte, konnten wir leider nicht testen. Über die App kann man den Roborock übrigens noch in den Reinigungsmodus «leise» versetzen.

Fazit

Die Smart-Home-App von Xiaomi überzeugte nicht und bei der Sicherheit haben wir ein paar Fragezeichen. Dafür gefiel die Wischfunktion und die Staubsaugqualität überzeugte grundsätzlich – gerade auch zum Preis von weniger als 500 Franken. Der Xiaomi Roborock S5 ist etwas für technikaffine Einsteiger, die gerne ausprobieren, keine grossen Sicherheitsbedenken haben und weniger staubsaugen und feuchtwischen möchten. Für alle anderen: Besser auf ausgereiftere Modelle warten.

Xiaomi Roborock S5 (weiss)

Positiv:
Preis, App auf Deutsch, No-Go-Linien und Sperrzonen, Wischfunktion, Design, Tutorial-Videos auf der Herstellerseite
Negativ:
App, Geschwindigkeit, fand Dockstation aus anderem Raum nicht, Sicherheit
Details:
3,5 kg, 35,3 × 35,0 × 9,65 cm, WLAN-Direktverbindung, Spannungsklasse: 14,4 Volt, Nasswischmodul, in Weiss oder Schwarz
Strassenpreis:
Fr. 449.–
Info:
en.roborock.com/pages/roborock-s5
PCtipp-Bewertung:
4 Sterne

Leserwertung

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