Im Test: Huawei Mate 30 Pro

Ohne Google, mit starker Hardware. Was wir daraus machen, lesen Sie hier.

von Daniel Bader 13.11.2019

Huawei Mate 30 Pro Huawei Mate 30 Pro © PCtipp

Die schlechte Nachricht vorweg: Huawei muss sein Spitzenmodell, das Mate 30 Pro, ohne Google-Maps ausliefern. Aufgrund der Sanktionen, welche die US-Regierung über den Konzern verhängt hat, ist es dem Unternehmen eben nicht erlaubt, die entsprechenden Android-Dienste auf dem Handy zu installieren.
Nichts destotrotz hat das Smartphone-Flaggschiff den Weg ins PCtipp-Testcenter gefunden.

Gehts denn wirklich nicht?

Da Google den Play Store für das Mate 30 Pro sperrt, lassen sich keine Apps über diesen auf das Handy installieren. Natürlich können aber Apps auch aus anderen Quellen (Drittanbieter) auf das Smartphone gespeichert werden. Ob diese dann allerdings auch korrekt arbeiten, ist nicht sichergestellt. Selbst wenn die jeweilige App funktioniert, gibt dies immer noch keine Gewähr dafür, dass sie auch zukünftig weiterhin reibungslos läuft, wenn etwa der Anbieter seine App mit einer neuen Version updatet. Unter Strich bleibt dies mehr oder weniger ein Glücksspiel.

Um folglich dennoch Apps anzubieten, und das Gerät so auch überhaupt nutzen zu können, lassen sich entsprechende Huawei-Minitools, also vom Huawei Store, namentlich der «App Galerie», ab Start vorinstallieren. Dennoch dürften diese Apps nur wenig benutzt werden, da die meisten Anwender eben den Umgang mit Google-Apps bevorzugen. PCtipp hat sich dennoch zu einem Test entschlossen, um einen genaueren Blick auf die Komponenten wie die Akkulaufzeit, Kamera-Qualität oder auch Bedienung zu werfen. Und nur um es noch zu erwähnen: Für den Fall, dass die Sanktionen aufgehoben werden, lassen sich die Google-Apps dann mit Hilfe des Play-Stores von Google selbstverständlich nachinstallieren.

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Ein Power-Bolide

Die Rückseite unseres Testgeräts glänzt in zarten Rosé-Tönen Die Rückseite unseres Testgeräts glänzt in zarten Rosé-Tönen © PCtipp

Das Gerät, auf dem Android 10 inklusive der Huawei-Software EMUI (ebenfalls in Version 10.0.0) installiert war, wiegt 197 Gramm, das 6,53 Zoll grosse OLED-Display löst mit 2400×1176 Bildpunkten auf. Die Speicherkapazität unseres Testmodells beträgt 128 GB. Als Taktgeber arbeitet der Kirin 990. Dem Achtkern-Prozessor stehen dabei insgesamt 8 Gigabyte an Arbeitsspeicher zur Seite. Das Handy ist nach der IP68-Norm staub- und wasserresistent. Huawei setzt dabei zum ersten Mal das sogenannte «Waterfall»-Display ein, das zusätzlich zu den abgerundeten und gewölbten Ecken auch den Bildschirminhalt wirklich bis über die Wölbung hinaus an den physischen Displayrand ausdehnt. Dadurch erscheint das gesamte Gerät nochmal ein Stück grösser. Neben dem gekrümmten Display ist das rückseitig verbaute Kamerasystem das zweite Highlight. Geknipst wird mit insgesamt vier verschiedenen Kameras: Je eine Linse ist dabei für Makros (40 Mpx), Fotos mit Tiefenschärfe-Effekt (Bokeh-Effekt), Weitwinkel (40 Mpx) und Zoom (8 Mpx) zuständig. Dabei bietet der Telebereich einen 3fachen optischen respektive 5fachen Hybrid-Zoom. Die Anordnung des Kamerasystems ist kreisförmig. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Mate 20 Pro, war das Linsensystem noch quadratisch wie eine Kochplatte angeordnet.

Und auch vorne gibt's Neues: Beim deutlich breiteren Notch auf der Vorderseite handelt es sich um ein erweitertes, dreifaches Linsensystem. Die entsprechende Sensorauflösung beträgt 32 Megapixel und ermöglicht erstmals Ultra-Weitwinkelaufnahmen. Zudem ist eine der drei Linsen für die Gesichtserkennung vorgesehen.

EMUI 10 und Mate 30 Pro Kamera


Als Stromspender verbaut der Hersteller einen 4500 mAh starken Akku. In der Praxis hielt der Akku rund 2 Tage durch, erst danach musste er wieder aufgeladen werden. Gut gefallen kann auch der Schnelllade-Modus: Ist der Akku verbraucht, lässt sich das Smartphone per mitgeliefertem Netzgerät in knapp 30 Minuten bis auf 50 Prozent aufladen. Nach weiteren rund 45 Minuten war das Mate 30 Pro komplett geladen.

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Der König ohne Krone

Das Waterfall-Display ist ziemlich Steil Das Waterfall-Display ist ziemlich Steil © PCtipp

Das dritte Highlight, auf das sich dieser Test konzentrierte, ist die Videofunktion. Auch hier hat der Hersteller das Handling, aber auch die Qualität der Aufnahmen deutlich verbessert. Die Aufnahmen sind nun nicht nur messerscharf, sondern dank einer verbauten optischen Bildstabilisierung auch wackelfrei. Zudem lassen sich Videos nun neu in 4K mit 60 Bilder pro Sekunde aufzeichnen. Beeindruckt waren wir im Test von der neu integrierten Slow-Motion-Funktion, die bis zu 7'680 Bilder in einer Sekunde schiesst, und so bei 60-fps-Aufnahmen für eine 128-fache Verzögerung sorgt.

Fazit

Hardwareseitig ist Huaweis Mate 30 Pro ein absolutes Spitzen-Smartphone. Fällt der US-Bann, ist das Smartphone eine echte Weiterentwicklung im Handy-Markt. Bleiben die Google-Apps dagegen auch weiterhin fern, ist das Mate 30 Pro ein König ohne Krone.

Wichtig

Sobald der US-Bann aufgehoben wird, und sich damit die Google-Dienste und Apps via Play Store wieder wie gewöhnlich installieren lassen, werden wir die Wertung dieses Testes für das Mate 30 Pro selbstverständlich anpassen.