Im Test: Bowers & Wilkins PX7

Bowers & Wilkins haben eine neue Kopfhörer-Serie lanciert. Das Glanzstück, den PX7, haben wir genauer unter die Lupe genommen.

von Florian Bodoky 25.11.2019

Bowers & Wilkins PX7 Bowers & Wilkins PX7 © Bowers&Wilkins

Diesen Herbst haben die britischen Audiophilisten von Bowers & Wilkins wieder von sich hören lassen und die PX-Serie erweitert (PCtipp berichtete).

Der PX7 ist der Nachfolger des PX (PCtipp testete) und kommt ebenfalls in der Bauform Over-Ear daher. Damit ist er der Einzige in der Serien-Erweiterung: Der PX5 ist ein On-, die beiden PI3 und 4 sind In-Ears.

Gleich beim Auspacken fällt auf: Bowers & Wilkins betreiben mit dem PX7 keine Kinkerlitzchen-Produktpflege. Hier wurde grundrenoviert. Der zwar hübsch anzusehende, allerdings relativ schwere Metallbügel musste weichen. An seiner Statt wurde ein Carbon-Fiber-Bügel eingesetzt, der das Gewicht merklich reduziert hat und nun 310 Gramm auf die Waage bringt.

Verarbeitungs-Skeptiker müssen sich jedoch keine Sorgen um allfällige Fragilität machen: Unseren Biege-Versuchen vermochte der Hörer locker zu trotzen. Die Optik hat sich dadurch aber natürlich verändert. Allerdings gefällt uns, was wir sehen, denn das Carbon-Gemisch ist mit eng anliegendem gehärtetem Stoff ummantelt. Zusammen mit den in Feinleder gekleideten Ohrmuscheln lässt sich der PX7 absolut herzeigen. 

Weiter legt B&W ein USB- sowie ein Miniklinkenkabel in das mittels Reissverschluss schliessbare Transport- und Aufbewahrungs-Hardcase. Hier gleich eine gute und eine nicht so gute Erkenntnis. Bowers & Wilkins bringt es tatsächlich fertig, einen Bügel zu entwerfen, der – in voll ausgezogenem Zustand – den Kopfhörer um meinen Hals zu legen vermag, ohne dass es mich würgt. Bei meinem Stiernacken kein einfaches Unterfangen. Cool. Nicht so schön ist die fehlende Faltbarkeit des PX7. Zum unterwegs Verstauen reicht also keine handelsübliche Manteltasche mehr. Schade.

Can't touch this (düüüü düdüdü)

Die Briten sind nicht nur beim Design klassisch und dezent: Auch in Sachen Bedienung setzen sie auf Buttons. Auf der Rückseite findet sich ein Arsenal an Knöpfen – 3 Stück – sowie ein Schieberegler, dem verschiedene Aufgaben zugewiesen wurden, nämlich On, Off und Aktivieren des Kopplungsmodus. Leider habe ich im Test die Kartonschablone, welche die Funktionen der Tasten beschreibt, etwas gar schnell entfernt. Die Tasten selber sind – mit Ausnahme des Schiebereglers – nämlich nicht beschriftet. Darum merke: Die Mittlere der drei aneinandergereihten Tasten hat, wie der Schieberegler weiter oben, mehrere Aufgaben: Play/Pause und Rufannahme (erstes Drücken), Skip (zweimal drücken) und Search, also ein Lied zurück (dreimal drücken). Die oberhalb, respektive unterhalb befindlichen Knöpfchen dienen der Lautstärkeregelung. Dickes Lob für den angenehmen und gut fühlbaren Druckpunkt. Lottertasten wären in diesem Moment fatal.

Dem Schieberegler kommen zwei Zuständigkeitsbereiche zu. Zum einen wird der Kopfhörer an und abgeschaltet. Zum andern werden damit die verschiedenen Noise-Cancelling-Modi gesteuert. Und damit willkommen im nächsten Kapitel.

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Noice Cancelling und andere Alltags-Challenges

Bowers & Wilkins wären nicht Bowers & Wilkins, hätten sie einfach die ANC-Funktion verbaut, die Lärmfrequenzen blockiert – zu primitiv! Stattdessen passt sich die Geräuschunterdrückung laufend verschiedenen Umständen an, wie der Form des Ohrs oder des Kopfes, was sich auf den Sitz des Hörers auswirkt. Die Adaption des Noise Cancelling erfolgt dabei in Echtzeit, damit der Sound qualitativ unverändert wiedergegeben werden kann. Zudem sei diese adaptive Funktion energieeffizient – der ohnehin schon starke Akku hält länger.

Der «Casus Knacksus» hierbei ist, dass dabei auch zwischen Geräuschunterdrückung und Dämpfung unterschieden wird. Anhaltende, sich kaum oder nur wenig verändernde Geräusche werden gemuted, andere gedämpft – zum Beispiel die plötzlich einsetzende Durchsage in der S-Bahn. Man kriegt mit, dass da ein aussergewöhnliches Geräusch einsetzt und kann bei Bedarf den Hörer entfernen und mithören. Wenn nicht, ist es aber so gedämpft, dass es den Musikgenuss in keinster Art und Weise stört. Wenn das allerdings ein Problem ist, gibts ebenfalls eine Lösung: Die ANC-Modi ganz abschalten kann man mit dem einsamen Button am linken Hörer, der nur dafür da ist. Vorsicht: Wenn man ordentlich laute Schrammelmucke hört, ist die Stimme, die Informationen über den aktiven Modus gibt, fast etwas leise.

Stark: Nomen es omen. Da wirds drum rum sehr leise. Die Geräusche müssen nah und laut sein, damit man sie dennoch vernimmt.

Automatisch: Der Live-Mode. Passt die Intensität des ANC laufend an – allerdings manchmal auch so, dass man es merkt. Die Musik wird dadurch nicht unterbrochen, aber der Flow geht durch die hörbare Veränderung manchmal etwas verloren.

Schwach: Der klassische Velofahrer-Modus. Man kann Musik hören und bekommt dennoch mit, wenn sich Motorengeräusche bedrohlich nähern.

Handling

Zunächst ein Kompliment: Abgesehen von den FreeBuds 3, die ja aus dem selben Haus stammen wie mein Resident Phone und die schon connecten, wenn man nur die Ladeschale öffnet, waren keine BlueTooth-Kopfhörer je so schnell gefunden und verbunden wie der PX7.

Danach stellte sich bei mir eine kurze Eingewöhnungsphase ein, denn Kopfhörer ohne Touch war sich unsereiner kaum mehr gewohnt. Aber dank der wirklich angenehmen und gut fühlbaren Druckpunkte war das schnell erledigt. Top auch, dass die Mitteltaste leicht erhöht ist, sodass es nicht zu Fehleingaben gekommen ist.

Ebenfalls hat B&W die bekannte Auto-Detection verbaut – nimmt man den Hörer ab, wird die Musik unterbrochen. Dabei muss der User zwar eine kurze Verzögerung von 1 bis 2 Sekunden in Kauf nehmen – hat aber den Vorteil, dass die Musik nicht jedesmal gleich unterbricht, wenn man mal eine Hörmuschel justiert. 

Neben der bereits erwähnten langen Bügel und der schmerzlich vermissten Faltbarkeit, glänzt der PX7 mit sehr angenehmem Tragekomfort. Die Hörer sind eng anliegend, aber nicht mit zuviel Druck auf den Schädel. Zudem ist das Leder zwar weich, aber kühl – so konnten selbst nach mehrstündigem Hören keine der sonst üblichen Schweissringe rund ums Ohr ausgemacht werden. Zudem kommt das reduzierte Gewicht – das gefällt. Ein hässlicher Schnitzer ist aber die Unbenutzbarkeit bei leerem Akku, trotz mitgeliefertem Klinkenkabel. So nutzt die vermeintliche Backup-Lösung natürlich wenig. Aber okay: Immerhin lassen sich parallel zwei Geräte mit dem Hörer Koppeln, ohne, dass diese jedesmal «von Hand» gewechselt werden müssen. Unterwegs wird mit dem Smartphone connected – und wenn ich zuhause bin, schalte ich die BT-Funktion auf dem Handy ab und – schwupps – schon ist er mit dem Notebook verbunden.

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Besser als Ovomaltine

Der PX7 kanns nicht nur länger – er kanns oftmals auch besser. Aber länger ist schon auch cool. Nebst dem adaptiven Noise Cancelling sorgt auch der Stand-By-Modus für längeres Durchhaltevermögen. Zieht man den Kopfhörer nämlich aus, setzt nicht nur die Unterbrechung ein – nach 15 Minuten befördert sich der Hörer selbständig in den Stand-By-Modus, um Energie zu sparen.

Das lohnt sich: Wir kamen im Test auf eine Wiedergabedauer von 23 Stunden (stets mit ANC!), bevor er nach einem Kraft-Nachschub verlangte. Und da reicht auch eine kurze Aufladezeit, um wieder für mehrere Stunden Energie zu haben. Ein Headphone-Power-Nap sozusagen. Nach 10 Minuten (an der Steckdose, nicht bloss am USB-Ausgang) holt man sich Strom für rund zwei Stunden weiteren Musikplausch.

Klang

Die App bietet einige Funktionen Die App bietet einige Funktionen © PCtipp

Das Kernfeature eines jeden Kopfhörers soll natürlich eine qualitativ hochwertige Musikwiedergabe sein. Auch wenn Bowers & Wilkins viel Arbeit ins Drumherum investiert haben, kommt der Klang nicht zu kurz. Vielleicht möchte der Hersteller ja irgendwann verraten, wie es sein kann, das der Sound auf den Punkt detailliert und klar wiedergegeben wird und trotzdem die warme Klangsignatur zu vernehmen ist, die die Hörer der Briten schon seit langem auszeichnen. Vielleicht aber auch nicht – denn es ist definitiv ein Kaufargument. Auch beim Telefonieren hat der Hörer seinen Job unaufgeregt erledigt – obwohl Aussengeräusche offenbar dann und wann ans Mic gedrungen sind, was aber eher das Problem des Gegenübers war.

Die App

Kurz und knapp zum Schluss: Die App beherbergt einige Features, die durchaus nützlich sind: die Auto-Detection-Sensibilität einstellen, Stand-by-Time verändern oder – logischerweise – Firmware-Updates einspielen. Ansonsten ist die App unaufgeregt und, zumindest für mich, kein «Must have». Da sie aber ohnehin kostenlos ist: warum nicht.

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Fazit

Ja, okay: die Akku-Abhängigkeit des Klinkenkabel-Betriebs ist schon ein Schnitzer. Und die fehlende Faltbarkeit wird hier mit den langen Ohrhörern, die sich selbst um meinen Hals schmiegen ohne zu würgen, aufgefangen. Einen Abzug von der Bestnote ist mir das trotzdem nicht wert – zu gut der Sound, zu stabil die Verarbeitung, zu bequem der Hörer.

Bowers&Wilkins PX7

Positiv:
Sound, Akku, ANC, Verarbeitung
Negativ:
Nicht faltbar, Klinken-Betrieb von Akku abhängig
Details:
Over-Ear-Kopfhörer, Adaptive ANC, AptX HD low latency, 30 Std. Akku, 20000 Ohm Impedanz, 10-30000 Hz Frequenzspektrum
Strassenpreis:
Fr. 429.–
Info:
www.bowerswilkins.com/de-de/headphones/px7
PCtipp-Bewertung:
5 Sterne

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