Handy-Generation 2020+: Das brauchts

Samsungs neues Galaxy S20 Ultra bietet ein 100-fach-Zoom, Handy-Bildschirme takten mit bis zu 120 Hz und Oppo will mit einem Videomodus das Filmen revolutionieren. Doch was braucht ein Smartphone tatsächlich?

von Daniel Bader 20.03.2020

Mit jeder neuen Smartphone-Generation stellen Hersteller neue, spannende Funktionen vor. Diese schlagen auch auf den Gerätepreis. Doch nicht alle Neuerungen sind wirklich praktisch und werden sich durchsetzen. PCtipp knöpft sich die wichtigsten Merkmale moderner Handys vor. Wir stellen die Technologie sowie auch ihr Potenzial vor, und erklären im Anschluss, inwieweit sich diese Technologie auch im Markt tatsächlich durchsetzen wird – oder eben auch nicht. PCtipp nennt die wichtigen Ausstattungsmerkmale wie Bildschirmtechnologien, Speicher, Kameras, Authentifizierungsmerkmale, eSIM, WiFi 6 und 5G, neue innovative Akkus und Ladetechniken, Stifteingabe sowie Schnittstellen. Zudem verraten wir, ob und wie tief Anwender tatsächlich in die Tasche greifen sollten, um sich ein Handy der neusten Generation zu kaufen.

Tipp: In der Bildergalerie oben rechts stellen wir spannende und neue Handy-Modelle der Hersteller sowie innovative Technologien vor.

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Bildschirme

Huawei Mate X: das Klapp-Handy Huawei Mate X: das Klapp-Handy © Huawei

Bei den Displays experimentieren Smartphone-Hersteller wie noch nie: Die Modelle können klassisch rechteckig sein, müssen aber nicht. Curved-Modelle wie die letzten Galaxy-Varianten und Huaweis P30 Pro oder faltbare Modelle wie Samsungs Galaxy Flip Z zeigen, dass es auch anders geht. Die Hersteller setzen neue faltbare Displays ein, um kleinere Handys zu bauen oder mehr Arbeitsfläche zu bieten. Die zweite Neuerung betrifft die Wiederholrate des Panels. Sie wird bei neuen Geräten von 60 auf bis zu 120 Bilder pro Sekunde erhöht. Die Vorteile: Handy-Inhalte laufen flüssiger, Webseiten scrollen flotter, bei Spielen werden die Bildqualität sowie Reaktionszeiten minimiert.

PCtipp meint: Der Preis faltbarer Handys ist das Zünglein an der Waage. Die Geräte sind aufgrund des hohen Preises einfach noch nicht massentauglich. Das Zeitalter der Curved-Modelle neigt sich hingegen dem Ende zu. Am interessantesten sind die Displays mit höheren Wiederholraten, die eine guten Mehrwert bieten.

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Speicher

Speicherriese für Handys: der eUFS-Speicher von Samsung mit 1 TB Speicherriese für Handys: der eUFS-Speicher von Samsung mit 1 TB © Samsung

An der Frage, wie viel Speicher ein Smartphone wirklich braucht, werden sich auch weiterhin die Geister scheiden. Klar ist: Lokal gespeicherte Apps, Musik, Videos und Bilder, die mit immer grösseren Megapixel-Sensoren geschossen werden, nagen am Speicherplatz. Selbst das nackte Android-Betriebssystem nimmt für sich rund 5 GB in Beschlag. Dabei sind zukünftige Betriebssystemupdates nicht eingerechnet. Günstig-Smartphones mit 16 GB kommen schnell and die Grenze. Besser sind 64 GB. Abhilfe schafft auch ein Speichersteckplatz für eine microSD-Karte. Power-User sollten zu Modellen mit 128 GB oder 256 GB Speicher greifen. Aber auch beim Arbeitsspeicher investieren Hersteller weiter in höhere Kapazitäten: Er ist das Kurzzeitgedächtnis und speichert aktuell benötigte Dateien für die CPU. Von der Kapazität hängt etwa ab, wie schnell und wie viele Programme parallel ausgeführt werden. Waren früher 4 GB RAM den Topmodellen vorbehalten, stattet Hersteller Samsung sein Android-Handy Galaxy S20 Ultra aktuell sogar mit 12 GB an RAM aus.

PCtipp meint: Für gute Mittelklasse Handys genügt derzeit ein Arbeitsspeicher mit 4 GB. Verbaut ein Hersteller 8 GB oder mehr an RAM, zielt er auf zukünftige Szenarien, in denen der Arbeitsspeicher mehr Daten zur Ausführung einer Applikation laden muss. Achtung: Ein unbenutzter Arbeitsspeicher ist auch ein Stromverbraucher, da er verwaltet werden muss.

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Kameras

Huawei P40 Pro: unglaublich aufwendiges Kamerasystem im zukünftigen Spitzenmodell Huawei P40 Pro: unglaublich aufwendiges Kamerasystem im zukünftigen Spitzenmodell © PCtipp

Die Kameraqualität ist für viele Handy-Käufer das entscheidende Kriterium. Hersteller setzen durchwegs auf mehr Megapixel, Zoom, verschiedene Objektive und viele Software-Funktionen. Bildsensoren von 108 Mega­pixeln wie etwa im Xiaomi Mi Note 10 und Samsung Galaxy S20 Ultra verbaut, sind derzeit die Spitze. Zudem setzen Hersteller auf der Rückseite ihrer Spitzenmodelle nebeneinander oft ein Teleobjektiv, Weitwinkel und Zoomobjektiv ein. Ein weiterer Trend beim Knipsen nennt sich «computergestützte Fotografie»: Dabei wird auf die CPU-Leistung zurückgegriffen, um bereits geschossene Fotos neu zu berechnen. Einfaches Beispiel: Beim Nachtmodus belichtet die Kamera lange, um genügend Licht einzufangen. Die Software rechnet danach die entstehende Verwacklung wieder heraus.

PCtipp meint: Trotz Software-Unterstützung machen extrem hohe Megapixelzahlen bei den kleinen Handysensoren ein Foto nicht besser. Einziger Vorteil: Sie erlauben das digitale «Zoomen» in einen Bildausschnitt, lohnen sich also beim Vergrössern. Doch ein 100-fach-Zoom wie beim Galaxy S20 ultra ist nur ein Gimmick, aber qualitativ nicht überzeugend. Gut bedient sind Sie momentan bereits mit 12- oder 16-Megapixelkameras. Empfehelnswert sind mindestens ein zusätzliches Weitwinkelobjektiv auf der Rückseite. Ein Teleobjektiv für Zweifach-Zoom oder mehr kann sich ebenfalls lohnen, genauso ein guter Nachmodus, wie ihn Samsung, Google oder Huawei bieten. Klären Sie Ihre Bedürfnisse vor dem Kauf ab.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: WiFi 6 und mobiles «5G»-Internet, noch nicht zwingend nötig

WiFi 6 und mobiles «5G»-Internet

5G-Internet: mit bis zu 10 Gbit pro Sekunde auf der Überholspur 5G-Internet: mit bis zu 10 Gbit pro Sekunde auf der Überholspur © PCtipp

Momentan ist das schnelle 5G-Netz in aller Munde. Immer mehr Smartphones unterstützen dieses. Zweite kleine Revolution ist der neue Funkstandard Wi-Fi 6. Mit diesem sind maximale Geschwindigkeiten von ungefähr 10 Gbit/s pro Sekunde erreichbar. Ein Film in 4K-Qualität lässt sich damit innert Sekunden herunterladen. Und: Wi-Fi 6 ist stromsparender und dank des neuen WPA3-Sicherheitschlüssels auch sicherer.

PCtipp meint: 5G als mobiles Internet wird zur Standardausstattung bei 2020er-Modellen und auch in der oberen Mittelklasse-Modellen zu finden sein. Da die Abdeckung aber gering ist, kann man mit dem Umstieg warten. Auch Wi-Fi 6 ist noch nicht ein Muss. Viele Router beherrschen diesen Standard noch nicht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Akku und Ladetechniken als Schlüsseltechnologien

Akku und Ladetechniken

Super-Tanker: Samsung verbaut im S 20 Ultra einen 5000-mAh-Stromspender Super-Tanker: Samsung verbaut im S 20 Ultra einen 5000-mAh-Stromspender © Samsung

Mit optimierten Akku-Aufladetechniken lassen sich die Stromspender innert 30 Minuten oder weniger zu rund 50 Prozent aufladen. Was lediglich in Topmodellen verfügbar war, wird 2020 auch auf die Mittelklasse ausgeweitet. Und: Geräte mit 4000 mAh starken Akkus sind nur noch Mittelmass. 2020 werden viele Geräte auf dem Markt erscheinen, die über Kapazitäten von 5000 bis 5500 mAh verfügen, im Gegenzug aber kleiner und leichter sein sollen. Huawei wie auch Samsung sollen ausserdem an Batterietechnologien forschen, mit denen sich rund ein Drittel der Akkugrösse bei gleicher Kapazität einsparen lässt. Dabei dürfte es sich um sogenannte Feststoff-Batterien handeln. Sie lassen sich gegenüber heute aktuellen Lithium-Ionen Akkus deutlich in ihrer Grösse reduzieren, bieten aber im Gegenzug eine höhere Kapazität und lassen sich zudem schneller aufladen.

PCtipp meint: Smartphones brauchen einen möglichst kräftigen Stromspender. Nicht zuletzt wegen neuer Displays mit hohen 120 Hz und Technologien wie 5G. Auch hohe Auflösungen und grosse Displays zerren am Strom. Achten Sie bei der Wahl des Geräts auf einen grossen Akku.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: eSIM, die Plastikkarte verschwindet

eSIM

Plastik ade: Die eSIM ersetzt die bisherigen SIM-Karten Plastik ade: Die eSIM ersetzt die bisherigen SIM-Karten © PCtipp

Die eSIM ist ein im Gerät fest integrierter Chip, wobei das «e» für «embedded», also eingebaut steht. Die neue Technologie ist auf dem besten Weg, die klassische SIM-Karte abzulösen. Der Vorteil: Bedeutete ein Anbieterwechsel immer auch eine neue SIM-Karte, entfällt dies. Sämtliche SIM-Karten-Infos sind auf der eSIM abrufbar. Übrigens können auch weitere Geräteklassen wie etwa Notebooks, Fernseher, Fitnessbänder oder Smartwatches mit einer eSIM ausgestattet werden. Vorreiter ist hier Apple: Ihre iPhone Xs sowie die Apple-Watch in Versionen 3 und 4 haben bereits eine eSIM-Karte im Einsatz.

PCtipp meint: Der eSIM gehört der Zukunft. Wann diese allerdings auch flächendeckend kommt, ist noch längst nicht raus. Hier werden die Provider und Hersteller ein wichtiges Wort mitreden wollen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Authentifizierung, der ultimative Beschleuniger

Authentifizierung

Effizient: Der Fingerabdrucksensor sichert und beschleunigt Abläufe im Tagesablauf Effizient: Der Fingerabdrucksensor sichert und beschleunigt Abläufe im Tagesablauf © PCtipp

Fingerabdrucksensoren erleichtern den Handy-Alltag. Warum? Weil sie das Handy schnell und bequem mit einer einzigen Aktion entsperren. Der Vorteil gegenüber anderen Systemen wie PIN- oder Passwort-Eingabe: Das Entsperren ist einfach und in der Regel sicher, wenn auch etwas weniger (siehe auch PCtipp 4/2020, S. 14, erscheint 27.03.2020), Bild 4. Der Vorteil gegenüber einer Gesichtserkennung: Das Auflegen des Fingers ist ein aktiver Vorgang des Besitzers. Bei der Gesichtserkennung kann unter Umständen ein unbeabsichtigter, flüchtigen Blick auf die Uhrzeit genügen, um das Handy aufgrund des abgespeicherten Gesichts zu entsperren. Die nützlichen Anwendungsgebiete des Fingerabdrucksensors sind weitreichend, etwa wenn es darum geht, sich per Fingerabdruck in die Banking-App bequem einzuloggen – ohne das Passwort oder eine lange Zahlenkombination merken zu müssen.

PCtipp meint: Viele Mittelklasse-Smartphones haben bereits einen gut funktionierenden biometrischen Fingerabdruckscanner. Nutzen Sie ihn, oder achten sie beim Kauf eines neuen Smartphones darauf, dass die Funktion Bestandteil ist.

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USB 4

USB 4: Die Schnittstelle baut auf Thunderbolt 3 auf und schafft bis 40 Gbit/s USB 4: Die Schnittstelle baut auf Thunderbolt 3 auf und schafft bis 40 Gbit/s © PCtipp

Als zukünftiger Standard wird USB 4 das aktuelle USB 3.2 mit Intels Thunderbolt 3 kombinieren. USB 4 soll maximale Datentransferraten von bis zu 40 GBit/s bieten. Zum Vergleich: Bei USB 3.2, wie es Samsungs neue Galaxy-S20-Serie bietet, sind es 20 GBit/s. Geräte können zudem mit bis zu 100 Watt aufgeladen, Videos via HDMI oder Displayport 1.2 übertragen werden. Letzteres beherrscht übrigens auch USB 3.2 schon.

PCtipp meint: USB 4 wird sich vor allem aufgrund des Tempos und Konnektivität durchsetzen. Neue Handys werden aber erst einmal USB 3.2 bieten und auch damit punkten. USB 4 ist erst Zukunftsmusik.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Stifteingabe, (nicht nur) für Business-Profis

Stifteingabe

Samsung Note 10: schneller am Ziel mit Stift Samsung Note 10: schneller am Ziel mit Stift © Samsung

Auch Smartphones haben die Stifteingabe entdeckt, und bei Business-Modellen zunehmend im Einsatz. Die Pen-basierende Eingabe verbessert das Handling vor allem bei Business-Anwendungen. Samsung gilt hier als Pionier und zwar seit dem Galaxy Note 2011. Die Vorteile sind Präzision und Handschrifterkennung. Selbst ungeübte Anwender können auf den Geräten Texte bis hin zu grafischen Elementen flüssig erfassen. Neben den Notizprogrammen gehören Kalender und «To-do»-Listen zu den Business-getriebenen Stift-Anwendungen. Auch Konzeptzeichnungen und Skizzen können Designer, angefangen vom Rohentwurf bis zur abgabereifen Form, kontinuierlich per Stift bearbeiten. Unterm Strich sind hier der zähen Fingerbedienung Grenzen gesetzt. Zudem kann ein Stift auch dazu benutzt werden, um ein Foto fernausgelöst zu schiessen.

PCtipp meint: Zwar wird die Stifteinabe im Consumer-Bereich eher eine untergeordnete Rolle spielen, dafür liegen die Vorteile umso mehr im Business-Sektor. Sie beschleunigen Abläufe und vereinfachen den Umgang mit komplexen Applikationen. Und dennoch: Interessant ist das Feature auch für Endanwender. Erstens weil sich durchaus, aus Sicht des Anwenders, immer mehr Privates und Geschäftliches vermischt. Und zweitens, ganz konkret, weil sich solch ein ein Pen nicht nur zur digitalen Aufzeichnung von Schrift nutzen lässt, sondern sich auch für weitere Aufgaben (Auslösen von Fotos, Memos usw.) empfiehlt.

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Der Preis

Oppo Find X2 Pro: Oppos neues Flaggschiff soll rund 1249 Franken kosten Oppo Find X2 Pro: Oppos neues Flaggschiff soll rund 1249 Franken kosten © Oppo

Keinen Illusionen darf man sich hingeben, wenn es um den Preis, besonders der von den Topmodellen, geht. Dafür müssen Käufer auch 2020 deutlich über 1000 und sogar bis 1600 Franken berappen. Aktuelles Beispiel: Galaxys S20 Ultra in der 512-GB-Speicher-Version wechselt für 1649 Franken den Besitzer. Den besten Preis-Leistungsspagat bieten weiterhin Mittelklassemodelle, denen nicht viel von den Topmodellen abhandenkommt, die dafür aber 50 Prozent weniger kosten.

PCtipp meint: Überlegen Sie sich ganz genau, wie viel Geld Sie für ein Handy ausgeben wollen. Überprüfen Sie auch, ob Sie wirklich jede neue Funktion benötigen oder mit dem aktuellen Gerät zufrieden sind. Eine Kamera mehr oder ein schnelles Display sind zwar nett, aber nicht zwingend. Technologien wie 5G oder Wi-Fi 6 stehen zudem erst am Anfang, ein Umstieg ist also noch nicht nötig.

In der folgenden Bildergalerie stellen wir spannende und neue Handy-Modelle der Hersteller sowie innovative Technologien vor.

Smartphones 2020+: Handys und Technologien