Kommentar zum Gesichtserkennungs-Login bei PostFinance: Das Kästchen ist nicht das Gelbe vom Ei

Es gibt an der heiligen Kuh gelbes Kästen einiges, was die Kunden nervt. Ausserdem sollte auch eine Bank mit der Zeit gehen.

von Claudia Maag 11.01.2019

Im kommenden Frühling stellt die PostFinance auf ein Software-basiertes Anmeldeverfahren um (PCtipp berichtete). PostFinance-Chef Hansruedi Köng sagte in einem Chat-Interview mit «20min» auch gleich, was auf die Kunden zukommt: «Der neue Login funktioniert dann je nach Handy oder Computer über Gesichtserkennung und Fingerprint.» 

Kunden, die keine Mobile-ID verwenden, benötigen aktuell nach wie das gelbe Kartenlesegerät, wenn sie sich am PC bei der Online-Banking-Plattform einloggen wollen. Die Vorteile davon sind rasch aufgezählt: Das System mit dem Doppel-Check ist nach wie vor sehr sicher. Des Weiteren funktioniert das PostFinance-E-Banking in diversen (aktuellen) Browsern. Das bedeutet, dass das System zum Beispiel auch für Linux-Anwender benutzbar ist. 

An der bisherigen Hardware gibt es allerdings einiges zu bemängeln. Wenn man unterwegs ist und schnell etwas im Bankkonto nachsehen möchte, muss man dieses Gerät dabeihaben. Die gummigen Tasten überzeugen nicht ganz und man muss fast bei jeder Ziffer prüfen (Blick ins Display), ob das Drücken wirklich angenommen wurde. Es gibt keinen Ein- oder Ausschalter; das Kästchen schaltet sich ein, wenn man die Postkarte reinsteckt. Kurz: Das zwar sichere System ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

Wer gegen Fingerprint und Gesichtserkennung ist, der kann beruhigt sein: Es ist (momentan) niemand verpflichtet, sie fürs E-Banking-Login zu nutzen. Die PostFinance hat uns versichert, dass die Mobile-ID weiterhin funktionieren wird. Allerdings hiess es auf unsere Frage, wie das künftige Verfahren genau funktionieren wird, nur: «Bezüglich der genauen Architektur machen wir derzeit keine Angaben.» 

Noch ist es zu früh, sich aufzuregen. Abwarten und Tee trinken und wir werden sehen, wie die PostFinance das neue Anmeldeverfahren umsetzt und welche Sicherheitsvorkehrungen sie treffen wird.