Bund erhebt neu Mehrwertsteuern auf Kleinstbestellungen aus dem Ausland

Wer bei ausländischen Anbietern wie AliExpress eine tragbare Festplatte oder bei Amazon ein (Hör-)Buch kauft, muss damit rechnen, dass die Mehrwertsteuer fällig wird.

von Claudia Maag 11.01.2019

Seit Beginn des noch jungen Jahres verteuert die Mehrwertsteuer kleine Bestellungen aus dem Ausland, wie der Tages-Anzeiger berichtet (Abo+). Bisher mussten Schweizer Konsumenten auf kleine Bestellungen (Kleinsendungen) keine Mehrwertsteuern entrichten, wenn der Steuerbetrag bis zu 5 Franken betrug.

Der Bundesrat hatte im Oktober 2018 beschlossen, dass ausländische Versandhändler ab 2019 ab einem bestimmten Umsatz in der Schweiz die Mehrwertsteuer bezahlen müssen (PCtipp berichtete). Durch diesen Schritt sollen Schweizer Internethändler geschützt werden.

Was wird teurer?

Auf kleine Bestellungen gibt es neu einen Mehrwertsteuerzuschlag von bis zu 5 Franken. Ein Steuerbetrag von 5 Franken entspricht einem Warenwert (inkl. Versandkosten) bis 65 Franken beim Normalsatz von 7,7 Prozent. Oder bis 200 Franken beim reduzierten Satz von 2,5 Prozent – zum Beispiel für Bücher, Zeitschriften, Lebensmittel und Medikamente. 

Wer also bei Amazon.de Bücher im Wert von bis zu 200 Franken kauft, muss neu 5 Franken Mehrwertsteuern bezahlen (Satz: 2,5 Prozent). Für ein Ladekabel oder eine Festplatte bei Alibaba gilt der Normalsatz von 7,7 Prozent, der nun auch bei einem Warenwert von bis zu 65 Franken fällig wird.

Amazon.com hat keine Lust mehr

Für die Anbieter bedeutet die Mehrwertsteuerabrechnung zusätzlichen Aufwand. Amazon.com hat bereits die Konsequenzen gezogen, um diesem zu entgehen und liefert nicht mehr in die Schweiz. Die Plattform empfiehlt, künftig auf amazon.de oder amazon.fr auszuweichen. Ob der zusätzliche Aufwand die Artikelpreise verteuern wird, ist noch unklar.

Wenn der Umsatz eines Lieferanten in die Schweiz unter 100'000 Franken liegt, verrechnen Lieferdienstleister wie DHL und UPS die Mehrwertsteuer dem Kunden.

Auch wenn ein Aufpreis von 5 Franken verschmerzbar klingt, sind die Mehreinnahmen nicht zu unterschätzen. Wie SRF im Oktober 2018 berichtete, rechnet der Bund dadurch mit Mehreinnahmen von 20 Millionen Franken pro Jahr.