Apple: Das war die Keynote

Der Auftakt zur WWDC in San Diego hatte für jeden etwas dabei – wirklich für jeden!

von Klaus Zellweger 04.06.2019

Die WWDC (World Wide Developer Conference) ist für viele Fans die wichtigste Apple-Veranstaltung des Jahres. Denn frische Hardware in Ehren – aber diese Messe zeigt, welche Neuerungen in den nächsten Monaten den Weg auf die bestehenden Geräte finden. Und Apple enttäuschte nicht.

iOS 13

Die wichtigste Vorstellung war natürlich jene von iOS 13 – schliesslich wird das System hunderte Millionen Nutzer betreffen. Die gute Nachricht zuerst: Entgegen einigen Befürchtungen wird es auch für das iPhone SE und für das iPhone 6s oder neuer verfügbar sein.

Das Tempo wird dabei eine grosse Rolle spielen, vor allem auf älteren Geräten. Während die Face ID um 30 Prozent beschleunigt wurde, soll sich die Dauer für den App-Start in einigen Fällen nahezu halbieren. Der Download von Apps soll sich ebenfalls um 50 Prozent reduzieren, die Updates sogar um bis zu 60 Prozent. So viel zur gerne verbreiteten Meinung, dass Updates die iOS-Geräte langsamer machen.

Der Hingucker ist der neue Dunkelmodus, der nicht nur das System, sondern auch die mitgelieferten Programme umfasst. Es ist anzunehmen, dass auch die meisten namhaften Apps diesen Modus unterstützten werden, wenn die fertige Version von iOS 13 im Herbst auf den Markt kommt.

Schön dunkel – systemweit Schön dunkel – systemweit © Screenshot / Apple, Inc.

Die Tastatur versteht sich nun endlich (!) mit Wischgesten, was auf vielen Geräten das Aus für Googles Gboard bedeuten wird, das sich trotz seiner Vorzüge oft wie ein Fremdkörper anfühlt. Die Karten-App wurde von Grund auf erneuert, aber das spielt zurzeit keine Rolle, da bis Ende Jahr nur die USA zum Handkuss kommen. Weitere Länder sollen 2020 folgen, aber nur der Himmel weiss, wann auch die Schweiz abgedeckt wird. In der Zwischenzeit behelfen wir uns mit Google Maps.

Die Datensicherheit war immer wieder ein Thema, aber besonders interessant ist die Funktion «Sign-In with Apple», die an die Anmelde-Tasten von Google und Facebook erinnern. Sie erlaubt die einfache Anmeldung, verschleiert aber auf Wunsch die wahre Identität. So wird für jeden Dienst eine zufällige E-Mail-Adresse generiert, die jederzeit einfach gelöscht wird, wenn der Kontakt ein wenig zu intensiv wird.

Mehr Sicherheit gibt es auch bei den Überwachungskameras. So lassen sich Videos bis zu 10 Tage in der iCloud ablegen, wobei die Streifen bereits vor der Übermittlung verschlüsselt werden und so auch von Apple nicht eingesehen werden können. Das funktioniert ab einem Speicherkontingent ab 200 GB, wobei es von den Videos unbelastet bleibt – es handelt sich also um eine kostenlose Bonus-Funktion. Zum Start bieten diese Funktion ausgewählte Kameras von Netatmo, Logitech und Eufy.

Und natürlich wurde auch die App «Nachrichten» aufgebohrt. Die neuen Memojis erlauben mehr Frisuren, Make-up und Piercings.

Make-Up und Piercings Make-Up und Piercings © Screenshot / Apple, Inc.

Die Gesichter werden ausserdem als Sticker an die klassischen Emojis angeglichen, sodass der Kontakt noch einmal deutlich persönlicher wird.

Aus Memojis werden automatisch Sticker generiert, die bestens bekannt vorkommen – nur eben mit dem eigenen Gesicht Aus Memojis werden automatisch Sticker generiert, die bestens bekannt vorkommen – nur eben mit dem eigenen Gesicht © Screenshot / Apple, Inc.

Nächste Seite: iPadOS und watchOS 6

iPadOS

Jede Gerätekategorie kam zum Zug, aber ganz besonders profitiert das iPad. iOS 11 machte bei den iPad-Funktionen einen grossen Sprung nach vorn, aber iOS 12 bedeutete leider nahezu Stillstand. Doch im Herbst bekommen die Apple-Tablets nicht nur neue Funktionen, sondern gleich das eigene Betriebssystem «iPadOS», mit dem sie sich ein wenig stärker an Notebooks anlehnen möchten, ohne dabei ihre Identität aufzugeben.

Auch das gehört zum professionellen Arbeiten: die Integration von neuen Schriften Auch das gehört zum professionellen Arbeiten: die Integration von neuen Schriften © Screenshot / Apple, Inc.

Neu ist es möglich, eine SD-Karte oder einen USB-Stick als externes Speichermedium anzuschliessen. Dazu wurde auch die App «Dateien» grundlegend überarbeitet.

Am iPad lassen sich SD-Karten und USB-Sticks direkt durchsuchen Am iPad lassen sich SD-Karten und USB-Sticks direkt durchsuchen © Screenshot / Apple, Inc.

Apps können nun zwei Fenster gleichzeitig geöffnet halten, damit einfacher Vergleiche gezogen und Daten kopiert werden. Solche und andere Funktionen verlangen nach neuen Gesten, die zum Teil grundlegend überarbeitet wurden, etwa um Texte zu markieren oder die App-Übersicht aufzurufen.

Zwei Fenster in derselben App sind kein Problem mehr Zwei Fenster in derselben App sind kein Problem mehr © Screenshot / Apple, Inc.

Auch der Pencil erfährt eine Aufrüstung, indem die Latenz von 20 Millisekunden auf 9 Millisekunden reduziert werden konnte und die Werkzeuge zum Zeichnen einem Feinschliff unterzogen wurden.

Safari wird zu einem vollwertigen Desktop-Browser, inklusive Touch-Unterstützung. Er bekommt ausserdem einen Download-Manager, der den Umgang mit dem Internet für viele Anwender deutlich vereinfachen dürfte.

watchOS 6

Die Apple Watch bekommt wie üblich neue Zifferblätter, und von denen kann man bekanntlich nie genug haben. Die Smartwatch löst sich ausserdem weiter aus der Abhängigkeit vom iPhone. Dazu zählen neue Apps wie ein Taschenrechner oder Sprachmemos. Vor allem aber bekommt die Apple Watch ihren eigenen App Store; das wird für deutlich mehr Übersicht bei den Trägern sorgen, denn bis anhin war es nicht einfach, nur jene Apps zu finden, die auch von der Apple Watch unterstützt werden.

Zifferblätter kann man nie genug haben Zifferblätter kann man nie genug haben © Screenshot / Apple, Inc.

Der Lautstärke-Messer warnt, wenn der Lärmpegel ein ungesundes Mass erreicht. Frauen können nun ihren Zyklus verfolgen und sehen auch, wann die fruchtbaren Tage sind. Und für die Sportler zeigt die Activitiy-App, wie man sich über die letzten 90 Tage hinweg gesteigert hat (oder eben auch nicht).

Nächste Seite: macOS und tvOS

macOS

Nach macOS «Mojave» folgt «Catalina». Das neuste System trennt den Software-Klumpen iTunes in vernünftige Bissen auf. Drei eigenständige Apps werden sich in Zukunft um die Musik, Podcasts und Apple TV kümmern. Die lokalen Backups der iOS-Geräte werden hingegen direkt im Finder angelegt, indem das Gerät angeschlossen und in der Seitenleiste ausgewählt wird. Für Windows soll iTunes weiterhin angeboten und mit Updates versorgt werden.

Catalina kann komplett über die Stimme gesteuert werden, was in einem Video eindrucksvoll gut funktionierte, indem die Bedienelemente einfach nummeriert werden.

Ein Bedienelement wird über eine Nummer aufgerufen Ein Bedienelement wird über eine Nummer aufgerufen © Screenshot / Apple, Inc.

Die Funktion «SideCar» macht ausserdem aus dem iPad ein weiteres Display, das zu einer nahtlosen Ergänzung wird. SideCar funktioniert mit und ohne Kabel, wobei sich ein Kabel vorteilhaft auf die Latenz auswirken dürfte.

Durch SideCar wird das iPad zum zweiten Display am Mac Durch SideCar wird das iPad zum zweiten Display am Mac © Screenshot / Apple, Inc.

Der iCloud-Drive ist jetzt ausserdem in der Lage, ganze Ordner mit anderen Personen zu teilen – eine Eigenschaft, die Dropbox seit jeher bietet, aber unter iOS bis jetzt schmerzlich vermisst wurde.

Endlich wie bei Dropbox: Jetzt lassen sich ganze Ordner teilen Endlich wie bei Dropbox: Jetzt lassen sich ganze Ordner teilen © Screenshot / Apple, Inc.

Und zu guter Letzt bieten Apple-Geräte mit dem Security-Chip T2 nun einen «Activation Lock», wie er seit Jahren bei den iOS-Geräten Standard ist. Kommt das Gerät abhanden, bleibt der Inhalt natürlich verschlüsselt. Das Gerät lässt sich aber auch nicht auf den Werkszustand zurücksetzen oder anderweitig nutzen. Das macht ein neues MacBook als Beute uninteressant.

tvOS

Apple TV wird fit für die neuen Dienste gemacht. Das betrifft einerseits den neuen Streaming-Dienst. Die Oberfläche zeigt sich deutlich aufgeräumter und erlaubt nun Profile für die ganze Familie. Diese speichern nicht nur, wer welche Sendungen bevorzugt und welche Folgen schon gesehen wurden, sondern umfassen auch die Wiedergabelisten von Apple Music und die persönlichen Empfehlungen.

Sehr gute Neuigkeiten gibt es auch für alle, die auf das Spiele-Abo «Apple Arcade» warten, das über 100 neue iOS-Spiele auf Apple TV bringt. Denn beim Erscheinen werden neu auch der Controller der Xbox One der Dual-Shock-Controller der PS4 unterstützt.

Die Apple Arcade läuft auf allen Apple-Geräten, inklusive Apple TV Die Apple Arcade läuft auf allen Apple-Geräten, inklusive Apple TV © Screenshot / Apple, Inc.

Verfügbarkeit

Die Systeme sind ab sofort für Entwickler zugänglich. Öffentliche Betas für die breite Masse werden voraussichtlich im Juli folgen. Mit der endgültigen Version ist wie üblich kurz vor der Veröffentlichung der neuen iPhones im Herbst zu rechnen, also im September. Alle Updates sind kostenlos.