Windows 10: von MBR zu GPT konvertieren

Mit UEFI, Secure Boot und den neuen grossen Festplatten hat nach MBR der neue Partitionsstil GPT die Bühne betreten. Hier die wichtigsten Infos und Tipps.

von Gaby Salvisberg 05.10.2017

Heute gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Partitionsstile. Die unterscheiden sich darin, wo und wie die Platte die Partitionsinformationen verwaltet. Der ältere Stil heisst MBR (Master Boot Record), der neuere heisst GPT (GUID Partition Table, wobei GUID für «Global Unique Identifier» steht).

Was sind die Partitionsstile?

MBR: Dieser unterstützt nur Partitionen und Festplatten bis maximal 2 Terabyte. Eine Festplatte wird üblicherweise in diesem Stil eingerichtet, wenn das Installationsmedium den PC im herkömmlichen BIOS-Modus aufstartet. Secure Boot wird nicht unterstützt. Nicht zuletzt ist die Anzahl der Partitionen beschränkt: Es sind maximal vier «primäre» Partitionen möglich. Wer seine Platte in mehr als vier Partitionen unterteilen will, kann drei primäre einrichten und eine so genannte erweiterte Partition. In letzterer liessen sich eine Reihe logischer Laufwerke erstellen, siehe Bild. Da heute immer mehr PCs und Notebooks mit Platten von mehr als 2 Terabyte ausgeliefert werden, befindet sich der MBR-Partitionsstil auf dem Rückzug. Wenn Sie ein 32bit-Windows haben und nicht zu einem 64bit-Windows wechseln wollen, bleibt Ihnen allerdings nur der MBR-Stil; auf einen GPT-Datenträger wird sich ein «32bittiges» Windows nicht installieren.

Von den primären Partitionen (violett) werden im MBR-Partitionsstil maximal vier unterstützt. Sollen es mehr logische Laufwerke auf derselben Platte sein, müssen Sie diese in einer erweiterten Partition einrichten Von den primären Partitionen (violett) werden im MBR-Partitionsstil maximal vier unterstützt. Sollen es mehr logische Laufwerke auf derselben Platte sein, müssen Sie diese in einer erweiterten Partition einrichten © pctipp.ch

GPT: Wer sein Windows ab einer mehr als 2 TB grossen Festplatte booten will, kommt um den GPT-Partitionsstil nicht herum. Auch für Systeme, die mit UEFI booten und den Bootbereichsschutz «Secure Boot» verwenden, müssen Sie zu GPT greifen. Secure Boot ist ein Sicherheitsfeature, das ein Einnisten von Schädlingen in den Boot-Bereich verhindert. Zudem dürfen bei GPT die Platten und Partitionen richtig gross sein: Es sollen theoretisch Platten im Exa-, ja sogar Zettabyte-Bereich unterstützt werden, also eine Million bzw. Milliarde mal grösser als ein Terabyte. Grenzen werden allerdings noch durchs verwendete Betriebssystem und durchs Dateisystem gesetzt. Derzeit sind unter Windows Partitionen von bis zu etwa 256 Terabytes praktikabel. Unter dem GPT-Partitionsstil sind Sie auch mit der Anzahl Partitionen flexibler. Sie können bis zu 128 primäre Partitionen einrichten, ohne den Umweg via erweiterte Partition. Die sind mit GPT obsolet, Bild X.

Unter GPT können Sie auf einer Festplatte maximal 128 Partitionen einrichten. Die dürfen auch Dutzende Terabytes gross sein Unter GPT können Sie auf einer Festplatte maximal 128 Partitionen einrichten. Die dürfen auch Dutzende Terabytes gross sein © pctipp.ch

Die Stilfrage: Welchen hat meine Disk?

Machen Sie besonders vor einer Neuinstallation oder einem Diskwechsel den verwendeten Partitionsstil ausfindig. Starten Sie die Datenträgerverwaltung. Drücken Sie hierfür Windowstaste+R, tippen Sie diskmgmt.msc ein und drücken Sie Enter. Schalten Sie im neuen Fenster unter Ansicht die Anzeige oben auf Datenträgerliste um. Dies zeigt eine Spalte mit dem Partitionsstil an, der für jedes physische Laufwerk entweder MBR oder GPT heisst.

Auf derselben Platte können Sie die Stile nicht mischen. Aber es ist kein Problem, z.B. ein MBR-Gerät zu booten und auf eine separate Disk mit GPT-Stil zuzugreifen – oder umgekehrt.

Ein Umwandeln von MBR in GPT war bislang meist mit einer Neuinstallation oder mindestens mit dem Booten in die Reparaturkonsole verbunden. Seit dem Creators Update geht das in Windows 10 verlustfrei – und ohne in die Reparaturkonsole booten zu müssen. Einsteiger sollten eher die Finger davon lassen. Fortgeschrittenen empfehlen wir, die Konvertierung nur durchzuführen, wenn sie einen triftigen Grund haben.

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Aber was sind gute Gründe, den Stil auf GPT zu ändern? Wenn Sie Secure Boot verwenden wollen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig. Wenn Sie vorhaben, Ihr System auf eine über 2 TB grosse Disk umzuziehen, ist ein vorgängiges Konvertieren (noch auf der alten Disk) von Vorteil. Soll Windows ab über 2 TB grossen Platten booten, muss GPT her.

Wichtige Vorbereitungen

Falls Sie sich entschieden haben, Ihre Festplatte von MBR auf GPT umzustellen, erzeugen Sie am besten zuerst ein System-Image. Wie das unter Windows 10 geht, wird in diesem Artikel erklärt. Führen Sie allenfalls auch ein BIOS- bzw. UEFI-Update durch, denn das könnte bessere Einstellungsmöglichkeiten und bessere Kompatibilität bringen. Hierzu konsultieren Sie am besten die Support-Webseite des Computer- oder Mainboardherstellers. Achten Sie peinlich genau darauf, dass Sie die exakt passende neue UEFI-Version für Ihr System herunterladen. Befolgen Sie die Update-Anleitung des Herstellers sehr genau.

Am besten erstellen Sie auch einen Installations-USB-Stick für Ihre Windows-Version. Der hat praktischerweise auch gleich Reparaturwerkzeuge an Bord. Sollte eine Neuinstallation nötig werden (und es kann immer etwas schiefgehen), haben Sie diesen wenigstens schon parat. Greifen Sie zu einem mindestens 6 GB grossen, leeren USB-Stick und erstellen Sie den bootfähigen Installationsdatenträger mithilfe des Media Creation Tools von Microsoft.

Nach diesen Vorbereitungen besuchen Sie Ihre BIOS- bzw. UEFI-Einstellungen. Die erreichen Sie meist, indem Sie sofort nach dem Einschalten des PCs eine bestimmte Taste drücken (z.B. Esc, Delete oder F10). Dokumentieren Sie am besten alle UEFI- und Secure-Boot-relevanten Einstellungen per Handyfoto. Ändern Sie zunächst noch nichts! Schauen Sie nur, ob Sie diese Optionen finden: Secure Boot aktivieren, UEFI aktivieren und die Boot-Priorität auf «UEFI first» setzen. Die geknipsten UEFI-Optionen können später helfen, diese Einstellungen zurückzusetzen, falls etwas schiefgeht. Schauen Sie sich alle Menüs Ihres UEFI an. Es kann auch sein, dass Ihr UEFI etwas wie «Load OS optimized Defaults» («lade Betriebssystem-optimierte Einstellungen») bietet. Wenn das Gerät mit Windows 8, 8.1 oder Windows 10 ausgeliefert worden ist, dürfte dies die meisten erforderlichen Einstellungen schon richtig setzen.

So wird von MBR zu GPT konvertiert

Nun gehts los: Starten Sie Windows. Öffnen Sie ein Administrator-Konsolenfenster, indem Sie die Windowstaste drücken, cmd eintippen, mit rechts auf die Eingabeaufforderung klicken und Als Administrator ausführen wählen. Standardmässig landen Sie bereits im Ordner C:\Windows\System32\. Tippen Sie diesen Befehl ein und drücken Sie Enter; das prüft die Konvertierung:
mbr2gpt /validate /allowFullOS

Wenn die Validierung geklappt hat, führen Sie die Konvertierung mit diesem Befehl durch:
mbr2gpt /convert /allowFullOS

Bei Systemen mit geringer Festplattenbelegung geht das ein paar Sekunden. Bei jenen mit eher voller Platte kann der Vorgang ein paar Minuten dauern. Geben Sie dem Prozess Zeit! Er muss der Windows-Partition rund 100 Megabytes abknipsen, um darauf die EFI-Partition zu erstellen. Unser Testsystem hing rund 20 Minuten direkt nach «Trying to shrink the OS partition». Danach setzte der Vorgang fort und schloss ordnungsgemäss ab, siehe Bild.

Fertig! Jetzt müssen wir ohne Umwege ins BIOS bzw. ins UEFI booten, um dort die Einstellungen anzupassen Fertig! Jetzt müssen wir ohne Umwege ins BIOS bzw. ins UEFI booten, um dort die Einstellungen anzupassen © pctipp.ch

Verlassen Sie das Konsolenfenster mit exit, schliessen Sie alle Programme und fahren Sie den Computer herunter. Schalten Sie ihn wieder ein und suchen Sie umgehend – noch vor dem Windows-Start - die UEFI-Einstellungen auf. Stellen Sie nun alles auf die UEFI- und Secure-Boot-Optionen um, die Sie eingangs ausfindig gemacht haben: UEFI aktivieren, «UEFI first»-Bootreihenfolge, Secure Boot auf «Ein». Speichern Sie die Einstellungen beim Verlassen des UEFI. Der erste Boot kann noch etwas länger dauern. Prüfen Sie danach, ob es geklappt hat: Drücken Sie Windowstaste+R, tippen Sie msinfo32 ein und schauen Sie die Systemübersicht an. Der BIOS-Modus dürfte nun UEFI heissen und hinter «Sicherer Startzustand» steht nun «Ein».

Ein Blick in die Datenträgerverwaltung zeigt ebenfalls, dass es sich nun um ein GPT-Laufwerk handelt.

Die Platte mit der Systempartition ist hier bereits ein GPT-Datenträger Die Platte mit der Systempartition ist hier bereits ein GPT-Datenträger © pctipp.ch

Und von GPT zu MBR? Das geht mit Windows-Bordmitteln nur, wenn Sie vorher sämtliche Volumes (Partitionen) auf der Disk gelöscht haben. Falls es sich um das Laufwerk mit der Systempartition handelt, müssen Sie den Rechner hierfür ab einem Installations-USB-Stick aufstarten und eine Neuinstallation lancieren. Dabei erhalten Sie Gelegenheit, die Partitionen zu löschen und neu einzurichten.

Tipp: Im PCtipp 11/2017 werden Sie einen ausführlichen Artikel übers Partitionieren finden.