So umgehen Sie Netzsperren

Gewisse Anbieter von Webdiensten oder andere Institutionen erschweren Schweizer Usern mit Geoblocking oder Netzsperren den Zugang zu gewissen Webinhalten. Wir zeigen, wir man diese trotzdem nutzen kann.

von Simon Gröflin ,Florian Bodoky 11.06.2018

Es ist nicht per se verwerflich, wenn Internetanbieter z.B. kinderpornografische Seiten oder grössere Spam-Sites sperren. Allerdings können auch jüngere politische Ereignisse zu Sperrungen grundsätzlich legitimer Websites führen. Netzaktivisten stören sich stark an dieser Entwicklung und fürchten weitere Eingriffe verschiedener Instanzen in den freien Netzzugang. Welches Ausmass die ganze DNS-Sperrkultur in den letzten Jahren angenommen hat und wie es sich entwickeln könnte, machte auch ein junger Schweizer Informatiker mit seiner eigenen Zensurdatenbank DNSzensur.ch publik. Prinzipiell haben die Internetanbieter zwei Möglichkeiten, um angeordnete Sperren zu vollziehen: Sie können entweder die Domain-Name-Server (DNS) löschen bzw. umbiegen oder die IP-Adressen direkt sperren. Wie sehen diese Massnahmen im Detail aus und welche Lösung bietet sich für Privatnutzer an?

DNS-Sperre: Was ist das?

Rein technisch gesehen ist der DNS-Server so etwas wie das «Telefonbuch» des Providers und dient der Namensauflösung der einkommenden Adressanfragen. Er sagt, welche Telefonnummer (IP-Adresse) zu welcher Adresse (URL) gehört. Die Adressen bestehen aus verschiedenen Zahlenkombinationen nach dem Schema 192.168.180.70. Das Domain-Name-System sorgt eigentlich dafür, dass Internetnutzer nicht ständig komplizierteste Ziffernkombinationen in die Adressleiste eintippen müssen, sondern leicht zu merkende URLs eingeben können. Daher kommt bei den meisten Providern ein DNS-Server zum Einsatz, der eine Liste bereitstellt, um die Verknüpfung von IP-Adressen mit URLs herzustellen.

Lösung: Server wechseln

Tatsächlich kann es helfen, für einmal den DNS-Server gegen einen anderen auszutauschen. Als Alternative bieten sich etwa OpenDNS oder Google Public DNS an. Wem Google nicht so geheuer ist, weicht besser auf OpenDNS aus.

OpenDNS hält folgende DNS-Server bereit (auch für macOS):

208.67.222.222

208.67.220.220

Google Public DNS offeriert diese Einträge:

8.8.8.8

8.8.4.4

Hier eine DNS-Umstellung bei UPC mit OpenDNS (1) und Google DNS (2) Hier eine DNS-Umstellung bei UPC mit OpenDNS (1) und Google DNS (2) © Screenshot / PCtipp

So stellen Sie die DNS-Einträge um

Normalerweise bezieht der Router (oder der PC) den DNS-Eintrag vom eigenen Zugangsprovider. Um die DNS-Einträge umzustellen, müssen Sie diese von Hand dem Router Ihres Providers umstellen. Wer keine Möglichkeit hat, Einstellungen über die Routeroberfläche vorzunehmen, kann alternativ über die Windows-Systemsteuerung des Netzwerk- und Freigabecenters in der Option Adaptereinstellungen ändern die entsprechenden Umstellungen vornehmen. Bei anderen Windows-Betriebssystemen, macOS und Linux funktioniert die Umstellung ähnlich. Bei mobilen Geräten wie Android kann eine App wie DNSet helfen. Halten Sie auf der Oberfläche des Routers Ausschau nach einem Eintrag wie «Lokaler DNS Server» und geben Sie den neuen DNS-Server Ihrer Wahl ein (z.B. 208.67.222.222 für OpenDNS). Den Eintrag Lokaler DNS Server 2 (beim Beispiel der Horizon-Box) belassen wir mal bei den Google-DNS-Einstellungen 8.8.8.8 als Ausfall-Server (Fallback). Klicken Sie auf Speichern – Problem gelöst.

IP-Sperren

Komplizierter wird es, wenn Provider nicht nur DNS-Einträge sperren, sondern auch gleich den direkten Zugriff auf bestimmte IP-Adressen verhindern. Um diesem Katz-und-Maus-Spiel zu entkommen, kommen Sie auch über Umwege noch auf die betroffenen Seiten. Das geht beispielsweise über einen VPN-Zugang. Grundsätzlich gibt es kostenfreie und kostenpflichtige VPN-Anbieter. Kostenfreie Anbieter haben oftmals den Nachteil, dass Werbung eingeblendet wird, ein Datenlimit herrscht oder die Surfperformance erheblich abnimmt. Zudem leiden einige kostenfreie VPN-Dienste unter mangelhafter Verschlüsselung. Das Geoblocking von Netflix wird damit kaum zu umgehen sein. Vertrauenswürdige Anbieter sind hier zum Beispiel Windscribe, Hide.Me oder ExpressVPN. Zu Letzterem sei gesagt, dass er nur für 30 Tage kostenlosen Service bietet, dafür aber uneingeschränkt. Bei den kostenpflichtigen Services sind ProtonVPN oder abermals ExpressVPN nach dem Ablauf der 30-tägigen Testphase zu nennen. Darüber hinaus gibt es die Anonymisierungs-Software Tor, die man sich unter torproject.org herunterladen kann. Für den einfachen Einstieg empfiehlt sich das Tor-Browser-Bundle. Mehr Tipps zum Thema finden Sie auch in unserer Zusammenstellung «So bleiben Sie (ein bisschen) anonym».