Gesetzesrevision: Was tun gegen die Netzsperre?

Der Nationalrat will gegen Online-Casinos aus dem Ausland vorgehen – mit einer Netzsperre. Was heisst das konkret und was kann man tun? PCtipp erklärt.

von Florian Bodoky 07.03.2017

Bereits seit längerem berät das Parlament über eine Revision des Geldspielgesetzes. Eine zentrale Rolle in dieser Debatte spielen die Internet-Casinos, welche keinen Sitz in der Schweiz und demnach auch keine Konzession haben. Dabei sprachen sich erst der Ständerat und danach auch der Nationalrat für eine Sperrung von Seiten aus, die in der Schweiz nicht zugelassene Geldspiele anbieten; die also ausländische Spielanbieter beheimaten. 

Aus einer mehrstündigen Debatte erging der Entscheid, solche Sperren zu errichten. Die neue Gesetzgebung sieht vor, dass Schweizer Internetanbieter zu Sperrungen solcher Seiten verpflichtet werden können. Insgesamt wurden in der parlamentarischen Debatte vier verschiedene Konzepte besprochen, sowohl solche aus Minderheitsanträgen wie auch jene aus der Rechtskommission. Damit beschliessen National- und Ständerat zum ersten Mal eine staatlich kontrollierte Netzsperre.

Was bedeutet das?

Sobald die letzten Details geklärt sind (Debatte wird am 15. März fortgeführt) und das angekündigte Referendum entweder nicht zustande kommt oder an der Urne scheitert, werden die betreffenden Websites gesperrt. Diese sind dann aus der Schweiz nicht mehr ohne Weiteres erreichbar. 

Was kann man da tun?

Je nachdem, ob die Internetprovider IP-Adress-Sperren (Webserver-Sperren), oder DNS-Sperren vornehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu umgehen. Bei DNS-Sperren sind die Hürden nicht mal besonders hoch. 

PCtipp zeigt Ihnen im Folgenden, wie Sie solche Sperren umgehen oder sich einfach grundsätzlich anonym im Netz bewegen können – was auch dem Datenschutz zuträglich ist.

Betreiber von Webseiten, Internetprovider oder Anbieter öffentlicher Hotspots haben nämlich Zugriff auf Ihre Surfdaten, falls Sie die Dienste unverschlüsselt benutzen. Mit den Informationen können Profile über Ihre Surfgewohnheiten und Interessen angelegt werden, die Datensammler auch für zielgerichtete Werbung verwenden. Im schlimmsten Fall werden die Informationen weiterverkauft oder von unseriösen Firmen für Massenmails oder anderes missbraucht. Deshalb ist es sinnvoll, die Surfspuren zu verwischen.

Auf der nächsten Seite: DNS ändern und Surfen ohne Spuren

DNS-Ändern

Wendet ein Provider DNS-Sperren an, um Sie von einer Webseite fernzuhalten, können Sie den Standard-DNS-Server ändern. Das DNS (Domain Name System) sorgt dafür, dass die für Menschen gut merkbaren Domainnamen in die eigentlichen Server-Adressen übersetzt werden: die IP-Adressen. Darum müssen Sie nicht etwas Kryptisches wie «138.201.56.186» eingeben, um pctipp.ch aufzurufen.

Unter Windows 10 können Sie den Standard-DNS-Eintrag so ändern:

 

So können Sie alternative DNS festlegen So können Sie alternative DNS festlegen © PCtipp
  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Startbutton.
  2. Wählen Sie den Punkt Netzwerkverbindungen.
  3. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die aktive WLAN- oder Ethernet-Verbindung und wählen Sie Eigenschaften. 
  4. In den Eigenschaften suchen Sie den Punkt Internetprotokoll, Version 4(TCP/IPv4). Führen Sie einen Doppelklick auf den Punkt aus.
  5. Im unteren Bereich wählen Sie die Option Folgende DNS-Serveradressen verwenden. 
  6. Normalerweise bezieht Ihre Verbindung den DNS-Eintrag von Ihrem Anbieter. Es gibt aber zahlreiche Alternativen. Besonders schnell und zuverlässig sind Google und OpenDNS. Tragen Sie also entweder folgendes ein: 8.8.8.8 (oben) und 8.8.4.4 (unten). Oder alternativ die DNS-Server von OpenDNS, welche lauten: 208.67.222.222 (oben) und 208.67.220.220 (unten).
  7. Bestätigen Sie mit OK.

Surfen ohne Spuren

Der private Modus verhindert, dass Surfspuren auf Ihrem PC abgelegt werden Der private Modus verhindert, dass Surfspuren auf Ihrem PC abgelegt werden

Alle aktuellen Browser haben einen Modus an Bord, der verhindert, dass beim Surfen Spuren auf Ihrer Festplatte landen. Das bringt zwei Vorteile: Andere Nutzer an Ihrem PC können nicht nachschauen, welche Seiten Sie besucht haben. Da im privaten Modus keine Cookies abgelegt werden, ist es ausserdem für Webseitenbetreiber schwieriger, Sie zu identifizieren. Dadurch können diese nicht mehr so einfach ein Profil von Ihnen erstellen. Es lohnt sich, diesen Schutz mit weiteren der folgenden Tipps zu kombinieren.

Im Internet Explorer aktivieren Sie den privaten Modus unter Zahnradsymbol/Sicherheit/InPrivate-Browsen. In Firefox gehen Sie zu Firefox-Menü/Privaten Modus starten. In Chrome klicken Sie auf den Menüknopf und auf Neues Inkognito-Fenster.

IP-Adresse verschleiern

HideMyAss verschleiert Ihre Herkunft, ist aber oft langsam und blendet Werbung ein HideMyAss verschleiert Ihre Herkunft, ist aber oft langsam und blendet Werbung ein

Wer nur gelegentlich eine Webseite anonym aufrufen will, benutzt am besten einen der kostenlosen Anonymizer-Dienste. Dadurch kann die Zielwebseite Ihre IP-Adresse und damit Ihren Standort nicht ermitteln, sondern erkennt stattdessen nur die Position des genutzten Dienstes.

Bekannt sind Anonymouse, Hide my ass und Proxify. Sie funktionieren alle sehr einfach: Öffnen Sie eine der drei Webseiten und geben Sie dort die gewünschte Internetadresse ein – schon werden Sie über einen US-Server auf die Webseite umgeleitet.

Allerdings haben die Anonymisierungsdienste auch Nachteile. Zum einen sind sie oft langsam, zum anderen werden Webseiten nicht immer korrekt dargestellt. Um sich zu finanzieren, blenden die Dienste zudem Werbung ein. Benutzen die Webseitenbetreiber Techniken wie JavaScript, können sie ausserdem verschiedene Informationen über Ihr System auslesen und so ein Nutzerprofil erstellen.

Und: Die Dienste passen zwar weiterführende Links automatisch an, damit diese ebenfalls über die Anonymisierungsfunktion laufen, in einigen Fällen klappt dies aber nicht korrekt, sodass teilweise doch Ihre tatsächliche Herkunft verraten wird.

Auf der nächsten Seite: Der Proxy-Server

Weniger Nachteile: der Proxy-Server

Mit FoxyProxy verstecken Sie per Mausklick Ihre IP-Adresse Mit FoxyProxy verstecken Sie per Mausklick Ihre IP-Adresse

Wer die erwähnten Nachteile umgehen und regelmässig anonym surfen möchte, setzt besser auf einen Proxy-Server. Damit wird der ganze Verkehr Ihres Browsers direkt über einen Drittcomputer umgeleitet. Dieser kann auf Wunsch in einem beliebigen Land stehen. Besonders komfortabel lassen sich Proxy-Dienste mit den Webbrowsern Firefox und Chrome verwenden, da diese entsprechende Erweiterungen anbieten. Empfehlenswert ist zum Beispiel die Erweiterung FoxyProxy Standard.

In Firefox suchen und installieren Sie diese via Firefox-Menü/Add-Ons/Add-Ons. Chrome-Nutzer laden die Erweiterung im Chrome Webstore herunter.

Nach der Installation wird in beiden Browsern eine neue Schaltfläche eingeblendet. Klicken Sie in Chrome auf den FoxyProxy-Knopf. Hier können Sie den Proxy aktivieren oder deaktivieren. Wählen Sie zum Aktivieren die Option «Use proxy "Default" for all URLs» respektive «verwende proxy "Default" für alle URLs».

In Firefox aktivieren Sie den Proxy-Server per Alt+F3 In Firefox aktivieren Sie den Proxy-Server per Alt+F3

In Firefox funktioniert es gleich, aber mit einem Rechtsklick auf den FoxyProxy-Knopf. Besuchen Sie nun die Proxy Liste auf Hide my ass. Diese hilft Ihnen beim Finden eines kostenlosen Proxy-Servers. Wählen Sie auf der Webseite, aus welchem Land der Proxy-Server stammen soll. Klicken Sie auf Update Results. Eine Liste mit verfügbaren Proxy-Servern wird angezeigt.

In Firefox markieren Sie die IP-Adresse und den Port eines beliebigen Suchergebnisses und drücken Alt+F3. Ein neues Fenster öffnet sich. Per Klick auf Neuer Proxy geht es weiter. Anschliessend werden Sie gefragt, ob der Proxy aktiviert werden soll, was Sie bestätigen. Eventuell müssen Sie noch bestätigen, dass der «proxy "Default"» auf die manuelle Konfiguration umgestellt werden muss.

Testen Sie die Einstellung: Können Sie Webseiten aufrufen, funktioniert der Proxy, ansonsten deaktivieren Sie FoxyProxy und testen einen anderen Proxy-Server.

Tragen Sie in Chrome die Daten des Proxy-Servers unter «Manual Proxy Configuration» ein Tragen Sie in Chrome die Daten des Proxy-Servers unter «Manual Proxy Configuration» ein

Mit Chrome ist das Hinzufügen des Proxy-Servers etwas umständlicher: Hier kopieren Sie die IP-Adresse und den Port des gewünschten Proxy-Servers mit Rechtsklick, greifen Sie zum FoxyProxy-Symbol und wählen Sie Optionen. Gehen Sie jetzt zu Add New Proxy, fügen Sie unter «Manual Proxy Configuration» die Daten ein und bestätigen Sie mit Save. Testen Sie, ob der Proxy läuft, und wählen Sie falls nötig einen anderen aus der HideMyAss-Liste aus.

Die Problematik des Proxy-Servers

Die Schwierigkeit besteht darin, einen kostenlosen Proxy-Server zu finden, der funktioniert. In der Regel sind Gratis-Proxy-Server langsam und instabil, weshalb kostenpflichtige Lösungen besser sind. FoxyProxy bietet dazu eine Service-Webseite an. Dort können Sie Proxy-Server aus verschiedensten Ländern gegen eine monatliche Gebühr mieten. Sie erhalten eine exklusive Adresse sowie die nötigen Zugangsdaten.

Im Test funktionierten diese Server problemlos und mit guter Geschwindigkeit, die mit keiner Gratisalternative erreicht wurde. Die Proxy-Server können während dreier Tage kostenlos ausprobiert werden. Falls Sie regelmässig anonym surfen möchten, lohnt sich die Investition auf jeden Fall.

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VPN

Eine weitere, gute Methode sich vor Schnüffeleien zu schützen, ist VPN. Das virtuelle private Netzwerk verschlüsselt alle Daten auf dem Weg zwischen Browser und Webserver. Zusätzlich erhält man eine fremde IP-Adresse, was den Eindruck erweckt, dass man von ganz wo anders herkommt, als dies tatsächlich der Fall ist.

Es gibt verschiedene (kostenpflichtige) Dienste, die einen solchen Dienst anbieten. Einfach den Client herunterladen und einloggen. Ein Schweizer Anbieter wäre Beispielsweise SwissVPN.

Übrigens ist VPN auch ein wirksames Mittel gegen das sogenannte Geoblocking. Wer hat sich bei Youtube noch nicht darüber aufgeregt, wenn es heisst: «Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar». Mit VPN gehört dieses Problem der Vergangenheit an.

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Kein Fingerabdruck

TorProject: Verbindungen werden über verschiedene Stationen umgeleitet TorProject: Verbindungen werden über verschiedene Stationen umgeleitet

Noch sicherer als die erwähnten Anonymisierungsdienste und Proxy-Umleitungen sind Programme, die auf das TorProject setzen. Bei dieser Anonymisierungstechnik läuft die Verbindung nicht nur über einen einzigen Proxy-Server, sondern gleich über mehrere. Es gibt diverse Programme, die dieses Netzwerk nutzen. Zu den komfortabelsten gehört das Tor Browser Bundle.

Die Download-Datei muss nicht installiert werden, sondern lässt sich per Doppelklick direkt ausführen. Dadurch kann sie auch auf einem USB-Stick genutzt werden. Das Tor Browser Bundle umfasst eine modifizierte Firefox-Version, sodass Sie keinen installierten Browser verwenden müssen. Surfspuren werden keine abgelegt.

Sehr gut: Nicht nur die Verbindung über das Tor-Netzwerk hilft bei der Anonymisierung. Der Browser ist so optimiert, dass Webseiten viele Informationen wie installierte Plug-Ins oder Schriftarten gar nicht auslesen können. So lässt sich Ihr PC anhand dieser Daten nicht mehr identifizieren. Die Nutzung des Tor-Browser-Bundles ist komplett kostenlos.

Einziger Wermutstropfen: Die Verbindung ist durch die Umleitungen über mehrere Proxy-Server häufig etwas langsam.

Ähnlich wie Tor funktioniert JonDonym. Der Dienst ist jedoch kostenpflichtig. So stehen zu Beginn 32 Megabytes Datentransfer kostenlos bereit, danach wird die Geschwindigkeit stark gedrosselt. Bezahlt man eine monatliche Gebühr oder kauft ein Datenpaket, surft man anonym mit einer vergleichsweise guten Geschwindigkeit von oft über 1 Mbit/s.

Anonyme E-Mails

Mit Anonymouse verschicken Sie anonyme E-Mails Mit Anonymouse verschicken Sie anonyme E-Mails

Die Dienste HideMyAss und Anonymouse bieten anonyme Mailfunktionen. Mit Letzterem können Sie anonym Nachrichten verschicken.

Rufen Sie diese Webseite auf und geben Sie die gewünschte Empfängeradresse, einen Betreff sowie eine Nachricht ein. Danach klicken Sie auf Anonym Senden. Um die Anonymität weiter zu erhöhen, wird die Nachricht nicht sofort verschickt, sondern irgendwann innerhalb der nächsten 24 Stunden.

HideMyAss ermöglicht den Mailempfang auf eine Fantasieadresse HideMyAss ermöglicht den Mailempfang auf eine Fantasieadresse

Umgekehrt funktioniert HideMyAss. Mit dem Dienst lassen sich E-Mails anonym empfangen. Dies ist praktisch, wenn Sie bei einer Registrierung nicht Ihre echte Adresse angeben wollen, um sich zum Beispiel gegen Werbemails zu schützen.

So gehts: Auf der Webseite können Sie eine beliebige E-Mail-Adresse anlegen. Um eingetroffene Mails zu lesen, loggen Sie sich auf der Seite ein. HideMyAss-Mailadressen werden nach maximal 12 Monaten automatisch gelöscht.

Anonym auf dem Smartphone

OnionBrowser: nicht besonders schön anzusehen, dafür anonym surfen OnionBrowser: nicht besonders schön anzusehen, dafür anonym surfen

Auch auf Smartphones kann mit den richtigen Apps anonym gesurft werden. So stehen sowohl für Android-Handys als auch für iOS-Geräte Apps bereit, die das Surfen über das TorProject ermöglichen. Für Android empfiehlt sich die Gratis-App Orbot, die Sie im Google Play Store finden. Nutzen Sie diese in Kombination mit dem Orweb-Browser, den Sie ebenfalls im Play Store erhalten. Die App spielt mit Orbot zusammen und ermöglicht so das anonyme Surfen.

Praktisch: Öffnen Sie Ihren Standardbrowser auf dem Handy, können Sie wie gewohnt ohne Anonymisierung surfen. Dies ergibt Sinn, wenn die Verbindung übers Tor-Netzwerk zu langsam ist. Für iOS gibts den OnionBrowser für 1 Franken. Auch er nutzt das Tor-Netzwerk. Leider läuft die App derzeit nicht ganz stabil und stürzt von Zeit zu Zeit ab.

Nie vollkommen anonym

Mit den erwähnten Diensten lässt sich zwar verhindern, dass Webseitenbetreiber Sie identifizieren und Statistiken anlegen oder Benutzer am selben Computer wissen, welche Webseiten Sie besucht haben. Eine vollkommene Anonymität bieten die Dienste jedoch nicht. Mit speziellen Mitteln und mithilfe des Internetproviders können einzelne Anwender dennoch zurückverfolgt werden. Dieser grosse Aufwand lohnt sich für Behörden jedoch nur selten.