Der grosse Onlineshopping-Guide: Alles, was Sie wissen müssen

Mindestbestellmenge? Vier Wochen Lieferfrist? Zollgebühren? Wir erklären alles, was man beim vorweihnachtlichen Onlineshopping wissen muss.

von Beat Rüdt 06.09.2018

Heute gibt es eigentlich fast nichts mehr, was man nicht im Internet bestellen und sich bequem nach Hause liefern lassen kann: Vom Konzert-Ticket über das Sofa bis hin zu Lebensmitteln, vom Desktop-Computer über das Gartenhaus bis hin zum SBB-Billett findet man im World Wide Web für alles einen Onlineshop.

Viele Vorteile

Deshalb erstaunt es nicht, dass die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer jährlich zunimmt, die Waren online bestellen. Das liegt aber auch an den weiteren Vorteilen, die der Webeinkauf bietet:

  • Onlineshops sind immer geöffnet.
  • Preis und Funktionsumfang von Artikeln lassen sich im Web einfach vergleichen.
  • Es gibt kein Anstehen an der Kasse.
  • Die Waren werden an die Haustür geliefert.

Die Nachteile

Alle diese Vorteile gilt es, gegen die Nachteile abzuwägen, die der Onlinekauf mit sich bringt:

  • Die Waren können im Internet weder ausprobiert noch angefasst werden.
  • Die Wartezeit für die Lieferung beträgt je nach Bestellort mehrere Tage oder Wochen.
  • Teils fallen zusätzliche Versandgebühren an oder es gilt ein Mindestbestellwert.

Je nachdem, wie die Vor- und Nachteile gewichtet werden, ergeben sich verschiedene Shoppingtypen: Schnäppchenjäger suchen den günstigsten Preis, Bequeme lassen sich vor allem schwere und sperrige Sachen liefern, Sammler besorgen sich Trouvaillen im Ausland und Leute mit Zeitmangel profitieren von regelmässigen Lebensmittellieferungen frei Haus.

So einfach ist das Bestellen

Was und wo immer Sie online einkaufen möchten, der Vorgang ist im Prinzip immer der gleiche. Es hat sich ein Ablauf etabliert, der exakt dem Vorgehen beim Ladeneinkauf entspricht. Weil aber alles direkt am Computer oder Handy gemacht werden kann, geht es viel schneller.

Waren auswählen

Das gewünschte Produkt finden Sie am schnellsten mit dem passenden Suchbegriff (zum Beispiel Tischtennis-Set) – entweder direkt auf der Website des Shopanbieters Ihres Vertrauens oder über eine Suchmaschine wie google.ch.

In den Warenkorb

Das gewünschte Produkt wird per Klick in den Warenkorb gelegt und die Bestellmenge überprüft Das gewünschte Produkt wird per Klick in den Warenkorb gelegt und die Bestellmenge überprüft © PCtipp

Mit einem simplen Klick auf In den Warenkorb (auf englischsprachigen Seiten heisst die Option Add to cart) legen Sie die Waren in einen virtuellen Einkaufswagen.

Überprüfen

Wenn Sie alle Produkte, die Sie kaufen möchten, in den Warenkorb verfrachtet haben, sollten Sie unbedingt einen Blick hineinwerfen. Prüfen Sie, ob Sie alle Artikel in der richtigen Menge zusammengetragen haben. Danach bringt Sie ein Klick auf den Link Zur Kasse (auf Englisch oft Check out) weiter zu den Bezahlangaben.

Lieferadresse

Die Liefer- und Rechnungsadresse lassen sich für zukünftige Einkäufe meist speichern Die Liefer- und Rechnungsadresse lassen sich für zukünftige Einkäufe meist speichern © PCtipp
Im nächsten Schritt müssen Sie in der Regel die Rechnungs- und Lieferadresse angeben. Diese können Sie in vielen Shops speichern, damit sie nicht jedes Mal eingetippt werden müssen.

Bezahlen

Wählen Sie das gewünschte Zahlungsmittel Wählen Sie das gewünschte Zahlungsmittel © PCtipp

Erst im letzten Schritt wählen Sie aus, wie Sie gerne bezahlen möchten. Häufig müssen Sie auf derselben Shoppingseite auch bestätigen, dass Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) akzeptieren, indem Sie bei der entsprechenden Frage das Häkchen in der Checkbox aktivieren. Werfen Sie vor dem Abnicken einen Blick in die AGB. Erst nach Abschluss des Bezahlvorgangs ist die Bestellung definitiv getätigt.

Bestätigung

Nach Abschluss des Bestellvorgangs erhalten Sie in der Regel eine E-Mail mit einer Zusammenfassung der Bestellung und dem Einkaufspreis.

Wichtige Bestellinfos

Es gibt keine verbindlichen Standards, welche Informationen ein Onlineshop bei der Bestellung angeben muss. Überprüfen Sie die folgenden Punkte. So erleben Sie keine unangenehmen Überraschungen bezüglich Preis und Auslieferung.

Achten Sie auf die Lieferkosten, die können je nach Lieferdienst sehr hoch ausfallen Achten Sie auf die Lieferkosten, die können je nach Lieferdienst sehr hoch ausfallen © PCtipp

Transportkosten

Bei Lieferungen in eine Filiale des Anbieters (oder in eine sogenannte Pick-up-Stelle) fallen meist keine Lieferkosten an. Es kann sich deshalb lohnen, Waren aus Onlineshops in die Filiale eines Grossverteilers (Migros, Coop etc.) liefern zu lassen. Bei vielen Shops entfallen die Lieferkosten zudem ab einem gewissen Einkaufsbetrag. Deshalb ist es beim Einkaufen im Internet meistens von Vorteil, mehrere Produkte zu bestellen. Je schwerer und grösser ein Produkt ist, desto höher sind die Transportkosten. Denn sperrige Güter werden oft durch eine Speditionsfirma ausgeliefert. Das kann den Preis erheblich erhöhen.

Lieferfristen

Oft werden Waren per Post zugestellt. Einige Händler liefern deshalb Bestellungen, die bis zum Ende des Nachmittags aufgegeben werden, bereits am nächsten Tag aus. Innerhalb der Schweiz kann es aber auch passieren, dass die Waren zwei bis drei Tage unterwegs sind, bevor sie eintreffen. Bei grossen Lebensmittelhändlern ist es üblich, dass der Kunde eine exakte Lieferzeit angeben muss, sodass jemand zu Hause ist, um allfällige gekühlte oder tiefgefrorene Lebensmittel persönlich entgegenzunehmen. Wer nicht lange warten will, kann immer öfter Waren via Internet bestellen und noch am selben Tag in einer Filiale des Anbieters abholen. Bei Waren, die im Ausland bestellt werden, dauert die Lieferfrist teils 8 bis 14 Tage oder noch länger. Dasselbe gilt für sperrige Waren (zum Beispiel Möbel), die innerhalb der Schweiz von einer Speditionsfirma ausgeliefert werden.

Verpackung

Einige Shops weisen die Kosten für die Verpackung eines Artikels separat aus. Das kann insbesondere unerwartet teuer werden, wenn mehrere Produkte bestellt und separat ausgeliefert werden. In der Regel wird aber die Verpackung mit den Versandkosten verrechnet.

Mehrwertsteuer

In Shops, die primär an Firmenkunden verkaufen, ist es möglich, dass die Preise ohne Mehrwertsteuer angegeben werden. Überprüfen Sie deshalb immer das Total des Warenkorbs, bevor Sie eine Bestellung definitiv absenden.

Bezahlgebühren

Je nach Zahlungsmittel werden zusätzliche Gebühren erhoben Je nach Zahlungsmittel werden zusätzliche Gebühren erhoben © PCtipp

Einige Onlineshops verrechnen Zusatzgebühren, je nachdem, welches Zahlungsmittel gewählt wird. Damit wollen diese die Gebühren, die sie den Anbietern der Zahlungsservices überweisen müssen, auf die Kunden abwälzen. Die Kreditkartenfirmen (respektive deren Vermittler) untersagen es ihren Kunden (also dem Onlineshop) jedoch, diese Gebühr auf die Kunden zu übertragen. Wenn sie trotzdem verlangt wurde, darf sie der Endkunde zurückverlangen. Dazu muss er ein Formular beim Kreditkartenvermittler ausfüllen. Nachfolgend die Links zu den Formularen: 

Rückgabemöglichkeiten

Das Rückgaberecht von im Internet bestellten Waren ist nicht geregelt. Das heisst, dass jeder Anbieter macht, was er will. Beim Kleiderversandhändler Zalando zum Beispiel kann man bestellte Waren portofrei ohne Angabe von weiteren Gründen zurücksenden. Bei anderen Anbietern ist das weniger gern gesehen: Elektronische Geräte zum Beispiel lassen sich nicht mehr als neuwertig verkaufen, wenn sie einmal ausgepackt wurden. Deshalb sind für solche Artikel in der Regel nur Retouren vorgesehen, wenn das Gerät von Anfang an nicht funktioniert. Lesen Sie in den AGB des Shops nach, was für den jeweiligen Anbieter gilt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Onlineshopping im Ausland und dem Betrug vorbeugen

Onlineshopping im Ausland

Auch in ausländischen Shops kann problemlos Ware in die Schweiz bestellt werden. Viele Onlinehändler zeigen Schweizer Käufern die Preise in Schweizer Franken an und oft sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es sich um einen ausländischen Shop handelt. Nicht selten sind die Versandkosten inbegriffen und manchmal gibt es nicht einmal eine Mindestbestellmenge. Und trotzdem kann es passieren, dass der Postbote beim Abliefern noch eine Gebühr verlangt. Was die ausländischen Anbieter nämlich gerne verschweigen, sind die Zollgebühren und die Mehrwertsteuer, die beim Import fällig werden. Anders als beim Warentransport gibt es keine Zollfreigrenze.

Allerdings werden die Abgaben nicht erhoben, wenn Zoll- und Mehrwertsteuer zusammengerechnet unter 5 Franken liegen. Die Grundgebühr für die Verzollung liegt bei Waren aus direkten Nachbarländern bei Fr. 11.50, für die übrigen Länder bei 16 Franken. Dazu kommen als weitere Gebühr noch 8 Prozent des Warenwerts in Form von Mehrwertsteuer und 3 Prozent in Form der Aufwandsentschädigung für die Post. Diese Gebühren kassieren die Angestellten der Post ein, bevor sie das Paket an der Tür übergeben.

Grösse und Masse

Wer Waren im Ausland bestellt, muss aber auch beachten, dass die gewohnten Angaben für Grösse, Gewichte etc. jeweils nach den im Herkunftsland üblichen Standards angegeben werden. Bei bekannten Anbietern finden Sie eine Grössenumrechnungstabelle direkt im Shop, falls nicht, gibt es diese Informationen zum Beispiel auf der Wikipedia-Website unter go.pctipp.ch/1352.

Bezahlen im Ausland

Meist können Sie Zahlungen im Internet mit der Kreditkarte erledigen. Achten Sie aber darauf, dass die Abwicklung nicht über ein einfaches Formular, sondern über eine Zahlschnittstelle des Kreditkartenanbieters abläuft. Sie erkennen das in der Regel daran, dass die für die Zahlung notwendigen Angaben in einem separaten Fenster erfasst werden, nachdem alle anderen Angaben (Waren, Lieferadresse etc.) eingegeben wurden. Der Bezahlvorgang muss zudem per https verschlüsselt sein. Das https-Kürzel sehen Sie am Anfang des Weblinks in der Adresszeile des Browsers. Zudem zeigen Browser wie Chrome, Firefox & Co. an, ob eine Verbindung verschlüsselt und sicher ist. Wenn Sie bei einem Zahlungsvermittler wie PayPal ein Konto besitzen, lohnt es sich, die Überweisung über diesen Anbieter abzuwickeln. Sie kennen den genauen Ablauf bereits und geniessen im Bedarfsfall einen Käuferschutz.

Sich gegen Betrug wappnen

Vielleicht ist auch die Verbindung unsicher Vielleicht ist auch die Verbindung unsicher © PCtipp

Beim Onlineshopping lauern Gefahren: Im Internet gibt es Shops, deren einziger Zweck es ist, gutgläubigen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Oft sind sie kaum von einem seriösen Angebot zu unterscheiden. Wenn Sie sich an die folgenden Regeln halten, sind Sie auf der sicheren Seite.

Den Anbieter kennen

Am sichersten sind Sie, wenn Sie den Anbieter bereits kennen – sei es, weil es eine bekannte Marke ist oder weil Ihnen der Anbieter empfohlen wurde. Das gilt nur für Onlineshops von Produzenten und Wiederverkäufern, nicht aber für Verkaufsplattformen wie tutti.ch, ebay.de oder ricardo.ch: Diese Plattformen treten nur als Vermittler zwischen Verkäufern und Käufern auf. Hier sollten Sie also den Anbieter des Produkts jedes Mal prüfen.

Wenn Sie den Anbieter nicht kennen, lohnt es sich zu schauen, ob er in der realen Welt existiert. Gibt es Adressangaben auf der Shoppingseite? Finde ich diese Adresse in einem Telefonverzeichnis? Nimmt jemand das Telefon ab, wenn Sie anrufen? Schliesslich können Sie auch nach dem Anbieter «googeln», um herauszufinden, ob andere Kunden Erfahrungsberichte geschrieben haben. Auf Auktionsplattformen wie ricardo.ch sehen Sie direkt, was andere Käufer über den Anbieter schreiben. Lesen Sie diese Kommentare durch. Wenn Sie noch unsicher sind, können Sie auch nach «schwarzen Listen» suchen, die betrügerische Webseiten aufführen, so wie es die Konsumentenzeitschrift Ktipp macht: go.pctipp.ch/1353.

Auf den Bauch hören

Hören Sie auch auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Markenkleider im Ausland für einen Spottpreis zu haben sind, ist das Risiko gross, dass es sich um gefälschte Waren handelt. Dasselbe gilt für Elektroartikel, Software und sogar Bücher. Lassen Sie im Zweifelsfall die Finger davon.