Strahlenmeer: Sony Bravia KD-65ZD9 im Test

In Sonys neusten Top-Fernsehern der ZD9-Serie steckt einiges an Technik drin.

von Simon Gröflin 04.10.2016

Die Top-4K-LED-Fernseher seiner ZD9-Serie hat Sony Ende Juli in London vorgestellt. Nun sind die ersten Modelle bei uns im Handel angelangt. Zum Verkaufsstart bietet Sony im «bezahlbaren Bereich» zwei Modelle an: eines mit einer 65-Zoll-Bilddiagonalen (165 cm) und eines mit einer 75-Zoll-Diagonalen (190 cm). Die beiden Riesenfernseher haben einen stolzen Preis: Rund 5000 Franken kostet der 65-Zöller, das 75-Zoll-Modell gegen 8000 Franken. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sogar einen gigantischen 100-Zöller für 70'000 Franken haben (ja, richtig gelesen). Laut Sony wird aber das Ultra-Top-Modell nur auf Bestellung aus einem Zwischenlager ausgeliefert. Wer so viel Geld in einen nigelnagelneuen Fernseher investiert, muss gute Gründe haben.

HDR kommt auf Sonys ZD9-Fernseher dank der Ausleuchtung sehr gut zur Geltung HDR kommt auf Sonys ZD9-Fernseher dank der Ausleuchtung sehr gut zur Geltung © Screenshot / PCtipp

Tausende statt Hunderte LEDs

Sonys Neuzugänger ist natürlich auch HDR-fähig. Um noch höhere Kontraste in der ultrahohen Auflösung zu erreichen, vertraut der Hersteller bei seiner neuen Serie auf einen 40 Prozent schnelleren X1-Prozessor. Daneben mindert eine Rauschreduzierungsfunktion namens Object Based HDR Remastering unscharfe Konturen bei Objekten wie Bäumen, Bergen oder Stoffen. Dank des schnelleren Prozessors kann ein Algorithmus nach Sonys Angaben auf eine riesige Datenbank von Unschärfemustern zurückgreifen. Das eigentliche Highlight der neuen TV-Serie ist jedoch die modulare Anordnung und Ansteuerung der zahlreichen LEDs. Statt nur einige Hundert LEDs kommen in Sonys «Backlight Master Drive» nun gleich einige Tausend zum Einsatz.

Der Rahmen fällt bei Sonys ZD9-Serie dann doch etwas dicker aus als bei der Konkurrenz Der Rahmen fällt bei Sonys ZD9-Serie dann doch etwas dicker aus als bei der Konkurrenz © sgr / PCtipp

Modularität

Die vielen LEDs spürt man aber auch beim stattlichen Gewicht von über 30 kg. Zu zweit sollte man schon sein, wenn man den riesigen TV aus der Schachtel hebt. Am besten stellt man ihn dann auf den Boden und platziert den Standfuss auf das Fernsehmöbel. Nur so kann man den Fuss mit ein wenig Geduld unten einfädeln. Einen Standardschraubenzieher für die rückseitigen Schrauben sollte man auch zu Hause rumliegen haben. In voller Montur offenbart sich erstmals, auf welche cleveren Details Sony geachtet hat. Der LED-TV ist hinten nur gegen die Mitte etwas gewölbt, wobei sich sämtliche Kabel unter den leichten Kunststoffabdeckungen verbergen lassen. Praktisch: Nachdem alle Konsolen, Settop-Boxen und Blu-ray-Player angeschlossen sind, können die links- und rechtsseitigen Rückwände mit dem mittleren Triangel-Teil ineinander verschachtelt werden.

Die rückseitigen Abdeckungen sind modular und lassen sich entfernen Die rückseitigen Abdeckungen sind modular und lassen sich entfernen © sgr / PCtipp

Ausstattung: alles top – bis auf den Sound

Die Kabel hängen dann nur noch rückseitig aus dem Standfuss. Eine aufgeräumte Sache, wie wir finden. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen: Anschlussseitig gibt es nebst eines Twin-TV-Tuners auch vier aktuelle HDMI-Schnittstellen, drei seitliche USB-Anschlüsse sowie LAN, WLAN und einen digitalen Audioausgang. Selbst den Scart-Anschluss hat Sony bei diesem TV noch nicht verdrängt. Sony hat uns gesagt, man wolle auch bei aktuellen TVs weiterhin sicherstellen, dass diese alle möglichen Anschlüsse noch unterstützen.

Praktisch: Alle Kabel lassen sich unter den rückseitigen Abdeckungen verstecken Praktisch: Alle Kabel lassen sich unter den rückseitigen Abdeckungen verstecken © sgr / PCtipp

Beim Sound hat man jedoch bei den beiden 10-Watt-Boxen nicht ganz aus dem Vollen geschöpft, wenn der TV schon dicker sein soll. Etwas mehr Ausgangsleistung hätte man erwarten dürfen (mindestens 2 x 20 Watt). High-End-Anwender werden nicht umhinkommen, eine Soundbar anzuschliessen.

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Android TV 6.0

Schaltet man den TV ein, dauert es dann nur zwei bis drei Sekunden, bis man auf der Android-TV-Oberfläche landet. Nach einem Update steht die Version 6.0 (Marshmallow) des Betriebssystems startbereit. Von TV zu TV fallen nur einige Unterschiede bei vorinstallierten Standard-Apps auf. Trotz des schnelleren Prozessors lahmen aber einige Apps noch immer ein wenig. In der Vergangenheit störten wir uns daran, dass Apps wie der Kodi XBMC Player mit NAS-Zugriff lange Ladezeiten verbuchte. Das ist demnach eher eine Frage der Kernel-Optimierung, wo Google bei dem noch jungen Betriebssystem Hand anlegen müsste. Versuchen Sie erst gar nicht, fürs heimische Streaming zu grosse Ordner in Ihrem Netzwerkspeicher anzulegen. Das Indexieren und Laden vieler Dateien geht auch hier nicht schneller. Ansonsten bietet Android TV viele Vorteile, die wir schon im ersten Test für gut befunden haben, angefangen beim integrierten Google-Cast-Protokoll bis hin zum vielseitigen App-Angebot aus dem Play Store.

Kennen wir schon: Android TV – nun in der Version 7. Allerdings ruckelts noch immer ein wenig Kennen wir schon: Android TV – nun in der Version 7. Allerdings ruckelts noch immer ein wenig © sgr / PCtipp

Remote-App für Android und iOS

Bei der Fernbedienung ist Sony den Vorgängermodellen treu geblieben. Sie erwies sich im Test als gleichermassen handlich. Was den Autor an der Neuauflage ein wenig gestört hat, ist die eingummierte und plan verschmolzene Vierwegetaste: eigentlich das wichtigste Bedienelement zur Navigation in den kachelartig angeordneten Apps der TV-Oberfläche. In anderen Modellen war das Steuerkreuz besser greifbar. Wenn man zu viele Apps installiert hat und sich schwer mit der Netflix-Buchstabensuche tut: Es gibt von Sony seit Längerem für iOS und Android eine sehr praktische Fernbedienungs-App namens «Video & TV SideView», die seit ein paar Updates wirklich gelungen ist. Die App beinhaltet sogar das Fernsehprogramm mit anklickbaren Programmen, sofern man ohne TV-Box direkt über die Kabeldose angebunden ist. Will man in Streaming-Apps wie Netflix etwas suchen, geht das tatsächlich flinker übers Android- oder iOS-Handy, weil man von hier den ganzen Smart-Home-Bildschirm über die Touch-Bedienung steuern kann.

Gut und griffig, dafür mit einem unhandlichen Steuerkreuz: die Fernbedienung des Bravia-TVs Gut und griffig, dafür mit einem unhandlichen Steuerkreuz: die Fernbedienung des Bravia-TVs © sgr / PCtipp

Genaue Farbjustierung

Der ZD9 ist schon werkseitig sehr gut kalibriert. Will man einzelne Quellen wie eine Xbox One S mit Ultra-HD-Blu-rays über ein Highspeed-HDMI-Kabel zuschalten, sollte man daran denken, den HDMI-Kanal in den Einstellungen des TVs auf Optimiertes Format umzuschalten. Eventuell muss man dazu den TV kurz neu starten, wenn bei Ersterkennung ein verflimmertes Bild in die Augen sticht. Was gleich auffällt: Der ZD9 verfügt dank des neuen Backlight-Systems mit Einzel-LED-Ansteuerung nun über so viele lokale Dimm-Zonen, dass schwarz wirklich schwarz bleibt und weiss in weiss erstrahlt, und das auch bei schnellen Szenenwechseln. Da man HDR bei dem neuen Modell auf Wunsch auch deaktivieren kann, waren die Unterschiede durchaus nachvollziehbar.

4K mit und ohne HDR-Kontrast beim ZD9-Fernseher von Sony 4K mit und ohne HDR-Kontrast beim ZD9-Fernseher von Sony © sgr / PCtipp

Sony definiert «High End» selber

Obwohl Sony seinen neuen Vorzeigefernseher (noch) nicht von der UHD Alliance mit dem UHD Premium Label hat absegnen lassen, sind alle Grundanforderungen bei Spezifikationen wie HDMI, HDCP 2.2 sowie Farbtiefe mit 10 Bit bzw. 14 Bit mehr als erfüllt. Sony wollte zur genauen Helligkeit auch nach nochmaliger Befragung keine Angaben machen, weil jeder Hersteller diese Zahl ein wenig anders auslege. 1000 Nits wären eine Mindestanforderung für HDR bei 4K-Blu-ray-Inhalten. Bei der Ausleuchtung haben wir im Vergleich zu anderen Top-Fernsehern nicht nur Nuancen festgestellt: In sehr dunklen Szenen werden auf einmal mehr Details erkennbar, beispielsweise bei Gitterlinien einer dunklen Brückenaufnahme. Objekte wie Sand, Himmel und Gras werden viel heller dargestellt, dass sich das Auge schon fast an die neuen Farbbereiche umgewöhnen muss. Ausserdem machen sich weniger Halo-Effekte bei Objekten wie dem Mond bei pechschwarzem Himmel bemerkbar. Ein Hochgenuss sind auch PS4-Spiele seit der neuen Firmware mit dem HDR-Modus. Alleine das hochskalierte HD-Remake des Spiels «Journey» brilliert mit unglaublichen Farbbereichen bei Sonnenuntergängen und Szenen mit vielen Lichtquellen. Die Upscaling-Qualität überrascht bei identischen Full-HD- und 4K-Videos. Das bedingt aber auch Ausgangsmaterial in hoher Bitrate. Bei stationären TV-Sendern fiel uns dieser Unterschied weniger auf.

Hohe Schwarzwerte bei Sonys Bravia-ZD9-Fernseher Hohe Schwarzwerte bei Sonys Bravia-ZD9-Fernseher © sgr / PCtipp

Beim Stromverbrauch ist der neuste Bravia-TV mit seinem A-Label etwas weniger sparsam als andere Top-Geräte der Gegenwart. Bei 4K und HDR, auch im Action-Menü, messen wir bis zu 280 Watt; bei Standard-SD-Material zieht der grosse Fernseher ca. 130 bis 180 Watt aus der Dose. Im Standby sind es gegen 20 Watt. Allerdings liegt der 4K-Fernseher damit immer noch im Bereich tolerabler Stromklassifizierungen.

Fazit

Sonys neues Top-Modell der Bravia-ZD9-Serie ist der neue Stern am Firmament der 4K-TV-Zukunft, weil Top-Ausleuchtung und eine genaue Farbkalibrierung für HDR eine wesentliche Rolle spielen, das aber derzeit noch zu einem stolzen Preis.

Sony KD-65ZD9

Positiv:
Bildqualität, Bedienung, Ausstattung
Negativ:
Preis
Details:
65" (164 cm), 4K-TV (3840 x 2160), Backlight Master Drive, Triluminos-Display, 4 x HDMI 2.0, 3 x USB 2.0, HDR, LAN/WLAN, Bluetooth, Android TV, 3D (Shutter), 2 Jahre Bring In
Strassenpreis:
Fr. 4999.–
Info:
sony.ch/de
PCtipp-Bewertung:
5 Sterne

Leserwertung

Gut: 81.8%
Mittel: 9.1%
Schlecht: 9.1%