Samsung SSD 970 Evo im Test: ein Turbozünder für Enthusiasten

Eine Technik aus dem Enterprise-Sektor wird endlich massentauglich. Ab heute erhältlich sind Samsungs neue NVMe-Steckkarten-SSDs der 970-Evo- und 970-Pro-Reihe.

von Simon Gröflin 08.05.2018

Lange hätte man meinen können, Intel werde mit 3D XPoint und einer neuen Architektur der Flash-Zellen eine wahrliche Speicherrevolution bei der SSD-Geschwindigkeit einläuten. Laut vielen Benchmarks ist Intels Frischzellenkur auf neueren Systemen in dieser Hinsicht auch ein Killer, wenn teilweise gegenüber Profi-PCI-Express-SSDs schon jetzt von einem Geschwindigkeitszuwachs von 200 Prozent und mehr gesprochen wird. Dabei können mittlerweile auch andere Hersteller wie Corsair und Samsung die PCI-Express-Bandbreite (NVMe) immer besser ausreizen. Und das zu deutlich günstigeren Preisen. Ein interessantes Beispiel ist da wieder einmal Samsung mit der neuen Evo-970-SSD-Reihe, die ab heute im Handel zu haben ist. PCtipp hat das 1-TB-Evo-Laufwerk getestet, das zum Launch zu einem Strassenpreis von 400 Franken angeboten wird.

Samsung 970 Evo: NVMe-SSD-Steckkarten werden immer günstiger Samsung 970 Evo: NVMe-SSD-Steckkarten werden immer günstiger © Samsung

Die SSDs sind ausschliesslich als M.2-Kärtchen ausgelegt und nutzen das für PCIe-SSDs optimierte NVMe-Protokoll. Die Flash-Laufwerke gibt es in verschiedenen Speicherausführungen (250 GB, 500 GB, 1 TB und 2 TB) in einem Preisrahmen von 112 bis 760 Franken. Die teurere Pro-Reihe kann während ihrer ganzen Lebenszeit mit bis zu 1200 TB beschrieben werden; die 970 Evo hält nur halb so lange. Daher ist das minim schnellere «Pro»-Laufwerk eher für den Enterprise-Bedarf vorgesehen.

Nachfolgend erklären wir kurz, was NVMe ist und für wen sich ein solches Laufwerk lohnt. Auf der nächsten Seite geht es direkt zum Test.

Begriffserklärungen

NVMe

NVM Express (kurz NVMe) ist eine speziell für SSDs optimierte PCI-Express-Speicherschnittstelle. Fuss gefasst im Enterprise-Segment hat der Standard schon im Jahr 2011. Erste Consumer-Laufwerke sind aber erst seit wenigen Jahren erschwinglich, speicherseitig grösser und immer leistungsfähiger. Was man annehmen kann: PCI-Express soll irgendwann die alte SATA-Schnittstelle komplett ablösen, denn bis zu 4000 MB/s statt 600 MB/s theoretische Maximalleistung sind ein grosser Sprung nach vorn.

M.2. 

Der sogenannte Next Generation Form Factor (NGFF) löst den alten mSATA-Standard ab, der eine Zeit lang bei der ersten Generation der Ultrabooks populär war. Das mag anfangs verwirren, wenn man sich für einen Desktop-PC ein M.2-Laufwerk zulegen will, denn die meisten M.2-Kärtchen sind eigentlich auf Desktop-PCs ausgelegt. M.2 ist aber mehr als ein neuer Form-Faktor. Eigentlich ist es der Ersatz für alle alternden Serial-ATA-Formate. Denn M.2 kann sowohl SATA 3.0 ansteuern als auch PCI Express 3.0 und USB 3.0. Dabei wird ein Viertel der PCI-Express-Lanes belegt, die normalerweise eine Grafikkarte beansprucht. M.2-SSDs, die über den PCI-Bus statt über SATA zum Einsatz kommen, können über 600 Prozent schneller sein, vorausgesetzt, das Motherboard unterstützt PCI Express 3.0. 

Samsung 970 Evo (1 TB) Samsung 970 Evo (1 TB) © Samsung

Alles wird schneller

Doch warum brauchen wir immer schnellere SSD-Laufwerke? Ganz einfach: Prozessor und Arbeitsspeicher wurden mit den Jahren immer schneller. Hohe parallele Schreib- und Lesegeschwindigkeiten jenseits der für SATA-SSD typischen 500 bis 600 MB/s, die bei NVMe mehr als doppelt so hoch ausfallen, machen sich beim Endanwender aber auch bei besserer Ausreizung des NVMe-Protokolls weniger in Alltagsszenarien wie schnelleren Boot-Zeiten bemerkbar, jedoch zum Beispiel beim Verschieben sehr grosser Datenmengen. Interessant wird es hier preislich bei der 970 Evo (1 TB für 400 Franken), weil auch SATA-Laufwerke von Samsungs Einstiegs-SSD-Klasse schon in dieser Preisregion zu haben sind. 

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Samsung setzt einen oben drauf

Zurück zur Samsung 970 Evo, die vor allem beim Schreiben schneller ist als der Vorgänger. Während das leistungsstärkere Top-Modell (970 Pro) wie letztes Jahr auf den flinkeren 2-Bit-MLC-Flash setzt, begnügt sich die SSD 970 Evo abermals mit gewöhnlichen TLC-Chips. Stichwort: V-NAND. Die Speicherzellen sind sowohl vertikal als auch dreidimensional geschichtet, was von Bedeutung ist, zumal die meisten früheren SSDs mit planar angeordneten Speicherzellen auskommen mussten. Sowohl die 970 Evo als auch die 970 Pro nutzen 3D-Flash mit 64 Lagen. 

Installation

Bei den Systemvoraussetzungen gilt: Ihr System muss NVMe unterstützen! Aufschluss darüber gibt die Anleitung des PC-Motherboards oder die Herstellerseite Ihres Notebooks. Es lassen sich übrigens heute schon viele Notebooks via M.2-SSD erweitern. Wenn Ihr PC-Motherboard über keinen M.2-Slot (für NVMe) verfügt, können Sie alternativ auf eine PCI-Express-Host-Adapter-Karte zurückgreifen, die Ihren PC um einen NVMe-M.2-Port erweitert. Enthalten ist daher auch die obligate Schraube im Lieferumfang.

Wenn zu wenig Platz im Gehäuse ist oder die M.2-Steckkarte vertikal eingesteckt werden müsste, hilft eine Host-Adapterkarte Wenn zu wenig Platz im Gehäuse ist oder die M.2-Steckkarte vertikal eingesteckt werden müsste, hilft eine Host-Adapterkarte © Delock

Je nach Motherboard kann es sein, dass das neue Laufwerk wegen eines Konflikts mit einem anderen Laufwerk oder wegen einer SATA-Einstellung nicht gleich erkannt wird. In der Regel erkennt das System automatisch, ob es sich um eine SATA-Express- oder eine PCI-Express-SSD handelt. In den Handbüchern kennzeichnen die Hersteller meist sehr genau, welcher PCI-Express-Sockel sich die Bandbreite mit dem M.2-Port teilt oder, was die einzelnen BIOS-Settings bei der Speicherverwaltung bewirken.

Konsultieren Sie bei mehreren Erweiterungskarten gegebenenfalls das Handbuch, um nachzuschauen, welche Bandbreite mit dem M.2-Port geteilt wird Konsultieren Sie bei mehreren Erweiterungskarten gegebenenfalls das Handbuch, um nachzuschauen, welche Bandbreite mit dem M.2-Port geteilt wird © Screenshot / PCtipp

«GPT-Fehler» bei über 1 TB Kapazität

Wenn das NVMe-Laufwerk von Windows in der Datenträgerverwaltung nicht gefunden wird, kann es helfen, einmal sämtliche (SATA-)Speicherlaufwerke vom Board zu trennen und nur das NVMe-Kärtchen stecken zu lassen, bis das Flash-Drive bei den Boot-Laufwerken im UEFI in der Auswahlreihenfolge auftaucht. Die einzelnen SATA-Festplatten schliessen Sie dann nacheinander wieder an. Nicht auszuschliessen ist, dass auch neuere Boards mit Skylake- oder Haswell-Chipsatz ein BIOS-Update benötigen, damit NVMe richtig angesprochen wird. Falls Sie übrigens ein Windows-10-Boot-Laufwerk einrichten und mit einem über 1 TB grossen SSD ein Fehler im Zusammenhang mit «GPT» auftritt, müssen Sie den Rechner ab einem USB-Installationsmedium aufstarten, eine Neuinstallation lancieren und dann die Partitionen löschen und neu einrichten. 

Samsung Magician Software gibt Aufschluss über den Gesundheitsstatus des Laufwerks Samsung Magician Software gibt Aufschluss über den Gesundheitsstatus des Laufwerks © Screenshot / PCtipp

Hält, was es verspricht

Samsungs 970 Evo kann es in den Benchmarks besser mit Workstations-SSDs aufnehmen als frühere Laufwerke der NVMe-Consumer-Nahrungskette. Nur rein exemplarisch sei auch ein älteres Kingston-NVMe-Laufwerk (HyperX Predator) genannt. Das 970-Evo-Laufwerk geht hier im CrystalDiskMark 6.0 mit einer beachtlich höheren Schreibgeschwindigkeit von bis zu 2475 MB/s zur Sache. Im Vergleich dazu brachte es die besagte Kingston-Steckkarte nur auf 1018 MB/s beim Schreiben. Das zeigt, wie viel leistungsfähiger der Controller des Samsung-Laufwerks ist. Das SSD ermöglicht darüber hinaus Leseraten von bis zu 3560 MB/s. Der Speicher ist dadurch ungefähr 30 Prozent schneller als die 960 Evo vom letzten Jahr. Das ist eine deutliche Weiterentwicklung.

So schnell kann NVMe sein: Samsungs 970 Evo (1 TB) So schnell kann NVMe sein: Samsungs 970 Evo (1 TB) © Screenshot / PCtipp

Normal: höhere Temperaturen als bei SATA

Der Zugriff war in jedem Fall deutlich höher als bei anderen NVMe-SSDs, so zum Beispiel auch beim Schreiben eines sehr grossen Steam-Ordners von 500 GB, der in weniger als 12 Minuten von einem anderen NVMe-SSD auf die Samsung 970 Evo geschrieben war. Die Wämeentwicklung ist bei 64 und 66 Grad Celsius bei grösseren Schreibvorgängen etwas hoch, aber unter Last nicht höher als bei einer gewöhnlichen SATA-1-TB-SSD. Ohne laufende Schreib- und Lesezyklen lag die Temperatur auch nach zehn Minuten intensiver Schreibvorgänge noch bei 48 Grad. Eine Samsung 860 Evo (1 TB) oder eine noch ältere 840 Evo (500 GB), beides SATA-Laufwerke, kühlen da natürlich viel schneller auf moderate 35 bis 38 Grad herunter. Allerdings ist man als Privatanwender auch nicht ständig an sehr hohen parallelen Aktivitäten wie im Serverbereich beteiligt. 

Fazit

Samsung hat mit dem 970 Evo nicht zu viel versprochen. Der neue Phoenix-Controller bietet eine nahezu unübertroffene Leistung im NVMe-SSD-Bereich. Die neue Kupferfolie leitet auch die Wärme schnell ab. Tech-Enthusiasten, Gamer und Profis, die viel mit Videoschnitt oder komplexen Entwicklungsumgebungen hantieren, werden bei dem 970-Evo-Laufwerk zum Terabyte-Preis von rund 400 Franken keinen Fehlkauf riskieren.

Samsung 970 Evo 1 TB

Positiv:
Geschwindigkeit, Controller, Preis-Leistungs-Verhältnis
Negativ:
Details:
NVMe-M.2-SSD, Lesen/Schreiben: 3400/2300 MB/s (sequentielle Lese- und Schreibgeschwindigkeit gemäss Herstellerangaben), Lebenszyklus: 600 TB
Strassenpreis:
Fr. 412.–
Info:
samsung.com/ch/
PCtipp-Bewertung:
5 Sterne

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