Honor 6X im Test: Doppellinse zum Einstiegspreis

5,5-Zoll-Display und Doppelkamera: Für 250 Franken steckt in dem Honor 6X sehr viel Smartphone. Reicht das auch, um in der Mittelklasse zu punkten?

von Simon Gröflin 16.02.2017

Mit der Günstig-Marke Honor hat es Huaweis Tochter auf die jüngere Zielgruppe abgesehen. Genug Leistung soll da sein, das Selfie nicht zu verwaschen ausfallen und an ein bisschen Premium darf es auch nicht mangeln. Ähnliche Schlagworte haben wir jüngst auch von Samsung bei der Lancierung Galaxy-A5-2017er-Serie gehört.

Das Honor 6X gibt es in verschiedenen Farben ab Fr. 249.– Das Honor 6X gibt es in verschiedenen Farben ab Fr. 249.– © pd

Akzente vom iPhone 7 Plus

«5,5 Zoll ist zu gross für mich», hört man immer wieder von Smartphone-Usern, die ein neues Gerät ausprobieren. Zu Recht auch. Die Gehäusebreite und die leicht abgerundeten Kanten sind etwas wuchtiger als bei einem anschmiegsamen iPhone 7 Plus. Das Honor 6X könnte hierbei glatt als Huawei-Mate-9-Klon durchgehen. Akzente setzen die Chinesen beim metallenen Gehäuse, das sich aber sehr gut anfühlt. Anwender, die sich schon mit 6-Zoll-Phablets anfreunden können, gewöhnen sich schnell daran.

Edel: Das Honor 6X fühlt sich fast wie ein iPhone 7 Plus an Edel: Das Honor 6X fühlt sich fast wie ein iPhone 7 Plus an © sgr / PCtipp

Top-Bild, mittelmässiger Sound

Der Bildschirm mit der 5,5-Zoll-Diagonalen hinterlässt bei uns einen prima Eindruck. Die Helligkeit der Full-HD-Anzeige lässt sich sehr grosszügig nach oben schrauben. Bildschirmlesen bei grellem Sonnenlicht ist knapp möglich. Bei der Farbgenauigkeit und Ausleuchtung hat das um 200 Franken teurere Galaxy A5 ganz klar die Nase vorn. Letzteres spiegelt ein bisschen weniger. Die Relexionen halten sich beim Honor 6X aber in Grenzen.

Multimediale Höhenflüge bleiben der High-End-Klasse vorbehalten. Der Mono-Sound kommt aus zwei unterseitigen Gitteröffnungen. Für ein Einsteiger-Smartphone kann man nicht viel sagen: Die Lautstärke lässt sich sehr laut aufdrehen. Ein wenig schepperts dann doch. Einziges Manko: Um mehr herauszuhören, muss die Hand manchmal von der unteren Gehäuseseite wegrücken. Beim Telefonieren war die Sprachqualität makellos.

Das Honor 6X besticht mit einem schicken Metallgehäuse Das Honor 6X besticht mit einem schicken Metallgehäuse © sgr / PCtipp

Und sonst? Die Ausstattung ist grosszügig: Intern kann man auf 32 GB Speicher zurückgreifen, der sich per MicroSD-Karte erweitern lässt. Auch der rückseitige Fingerprint-Reader reagiert schnell. Verzichten muss man auf schnelleres WLAN-AC. Ein NFC-Chip war bei unserem europäischen Modell integriert.  

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Ausstattung und Performance

Beim Prozessor hat Honor auf die eigene Fabrik der HiSilicon-Tochter von Huawei zurückgegriffen und eine übertaktete Version des Kirin 650 eingebaut. Die Leistung ist für ein Einstiegsgerät ordentlich und liegt in etwa auf dem Niveau der neuen Samsung-Galaxy-A5-Reihe. Es hätte wohl auch keinen Grund gegeben, auf eine schnellere und teurere Qualcomm-CPU umzusteigen. Daran nagt die iOS-angehauchte Nutzeroberfläche (EMUI 4.1) kaum. Im Betrieb mit Android Marshmallow lief alles sehr flüssig. Bei den allgemeinen Apps (Spiele nicht berücksichtigt) kam es im Alltag nie zu Rucklern. Mit der Zugabe von 3 GB Arbeitsspeicher schafft es das metallene Grosstelefon auf 56'223 Punkte im AnTuTu-Benchmark. Damit liegt es für 250 Franken in der gehobenen Mittelklasse.

Das Honor 6X ist flink im Alltag und hat einen langen Atem Das Honor 6X ist flink im Alltag und hat einen langen Atem © sgr / PCtipp

Bei der Temperaturentwicklung konnten wir keine Negativeffekte beobachten. Selbst nach längerem Hotspot-Betrieb blieb das Smartphone an der Rückseite schön kühl. Was uns aber besonders überrascht hat, war die sagenhafte Akkulaufzeit. Mit dem 3340-mAh-Akku hatten wir auch nach intensiven Surftagen mit gelegentlichem Hotspot-Betrieb gegen Abend noch 20 Prozent Restladung übrig. Geladen wird noch über eine Micro-USB-Buchse. Mit dem Originalnetzteil des Herstellers war die Batterie nach knapp zwei Stunden wieder mit 100 Prozent Energie versorgt.

Kamera: Licht und Schatten

Ein Unikum für die Preisklasse ist die Dual-Kamera des Honor 6X, wobei die zweite Linse die Tiefeninformationen des Bildes einfängt. Der Hauptsensor knipst mit 12 Megapixeln, der untere bloss mit 2 Megapixeln. Man kennt das schon von anderen Smartphones. Das HTC One (M8) war damals als eines der ersten High-End-Geräte mit einem Zweitsensor ausgerüstet. Beim Honor 6X nützt dieser allerdings nicht sehr viel. Die Hintergrundebenen bei Objekten werden durch den verschiebbaren Fokus einen Tick aufpoliert, verlieren aber je nach Licht schnell an Schärfe. Doch insgesamt schiesst die Hauptkamera ordentliche Bilder bei Tageslicht. Wie bei vielen Smartphones der Mittelklasse wird es bei Dunkelheit schnell ein wenig matschig.

Im Alltag schiesst das Honor 6X bei gutem Tageslicht sehr akzeptable Aufnahmen:

Honor_02

Honor_01

Dem Digital Native Approach wird Honor ansonsten gerecht: Die 8-Mpx-Frontkamera eignet sich gut für gelegentliche Selfie-Schnappschüsse. Optional kann bei sehr dunklen Umgebungen wie beim iPhone 6S ein grell aufleuchtendes Display-Licht zu Hilfe genommen werden.

Fazit

Für 250 Franken bietet das Honor 6X ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Andere Hersteller haben es erneut schwer, auf diesem Niveau mitzuhalten. Den Rotstift ansetzen musste der Hersteller jedoch bei der Kamera und dem Sound. Wer viel im Dunkeln knipst, muss sich im höherpreisigen Segment umschauen.

Honor 6X

Positiv:
Ausstattung, Verarbeitung, Display, Akkulaufzeit
Negativ:
Kamera, Lautsprecher
Details:
5,5"-Display, Auflösung: 1920 x 1080, Achtkernprozessor (2,1 + 1,7 GHz), 3 GB RAM, 32 GB Speicher, microSD-Slot, 12-/2-Mpx und 8-Mpx-Kamera, NFC, LTE, Nano-SIM, 4100-mAh-Akku, Abmessungen: 7,6 (B) x 15,9 (H) x 0,82 (T) cm, 162 g
Strassenpreis:
Fr. 249.–
Info:
hihonor.com/de
PCtipp-Bewertung:
4.5 Sterne

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