HDR-Performance: Sony 65XE9305 im Test

Zwar hat Sony mit seinem ersten OLED-Fernseher einen neuen Star. Aber auch die LED-Modelle lässt Sony noch lange nicht links liegen. Muss Sony auch nicht.

von Simon Gröflin 22.03.2017

Ganz im Vordergrund steht im Moment zwar bei Sony der brandneue Bravia A1 mit seinem klingenden OLED-Bildschirm. Aber auch die HDR-Premium-Modelle auf LED-Basis erhalten mit der «XE»-Reihe ihre Nachfolgeserien. So hat uns Sony schon vor der Markteinführung ein 65-Zoll-Modell des XE93, den Nachfolger des XD93, zum Testen gegeben. Es gibt durchaus Gründe, warum die TV-Hersteller abseits von OLED ihre LED-Modelle weiterhin pflegen: LED ist günstiger und kann je nach Ansteuerung deutlich helleres Licht von sich geben als selbstleuchtende OLEDs. Dazu bahnt sich ein neuer Trend an. Während zu Beginn des letzten Jahres Inhalte mit High Dynamic Range (HDR) noch vergleichsweise wenig vertreten waren, gewinnt das Kontrast- und Farbverbesserungsformat zusehends an Bedeutung. Zuwachs gibt es hier in letzter Zeit inbesondere bei Streaming-Angeboten wie Netflix, YouTube und letzten Endes auch bei optimierten Konsolenspielen der Xbox One S und PS4 Pro, wobei Letzteres nichts mit dem 10-Bit-HDR-Modus der 4K-Blu-ray zu tun hat. Die Silberscheibe mit dem hochauflösenden Format bleibt auch weiterhin eher den High-End-Cineasten vorbehalten, denn dort merkt man die HDR-Unterschiede erst dann am deutlichsten, wenn der Fernseher mit einer Leuchtkraft von mehr als 1000 Nits brilliert.

Die HDR-Effekte mit der PS4 Pro sind eine Wucht auf dem XE93 Die HDR-Effekte mit der PS4 Pro sind eine Wucht auf dem XE93 © sgr / NMGZ

Die Bravia-XE-Serie gleicht dem Vorgänger bis auf die rückseitige Modularabdeckung wie ein Ei dem anderen. Hauptunterschied: Der 65-Zöller (65XE9305), mit dem wir es im Test zu tun hatten, ist um einiges heller und unterstützt auch das Konkurrenzformat Dolby Vision. Anders als das lizenzfreie HDR 10 (der gegenwärtige Standard) überträgt Dolby Vision vor allem mehr Farbvolumen pro Szene und dabei jedes Frame bzw. jede Momentaufnahme. Allerdings gibt es für das Luxusformat – mit Ausnahme von 4K-Blu-rays – noch wenig Videomaterial. 

Der Sony Bravia XE93 von der Seite Der Sony Bravia XE93 von der Seite © sgr / nmgz

Mehr LED-Zonen

Wie beim ZD9-Top-Modell setzt Sony nun auch beim XE93 auf den stärkeren «X1 Extreme»-Prozessor. Bei der Hintergrundbeleuchtung handelt es sich um eine weiterentwickelte Version des Vorgänger-Panels «Slim Backlight Drive». Das «Slim Backlight Drive Plus» im neuen XE93 erlaubt im Vergleich zu vorher ein präziseres Abdunkeln (Local Dimming). Möglich wird das durch mehr LED-Zonen. Im Vorgängermodell war nur unterseitig ein LED-Streifen verbaut. Durch die Präzisierung der LED-Zonen mit einer zweiten LED-Leiste im oberen Bereich des TVs und einer technisch verbesserten Lichtleiterplatte konnte Sony sogar die geringe Bautiefe konventioneller LED-Fernseher beibehalten.

Die rückseitige Abdeckung des XE-Modells von Sony erinnert an jene des ZD9 Die rückseitige Abdeckung des XE-Modells von Sony erinnert an jene des ZD9 © Sony

Möbel-Feeling an der Rückseite

Wie beim ZD9 ist beim XE93 an der Rückseite eine modulare Abdeckung vorhanden, unter der sich sämtliche Anschlusskabel verbergen lassen. Die Kunststoffplatten sind schnell entfernt und wieder angedrückt. Die Kabel hängen dann nur noch aus dem Standfuss. Eine aufgeräumte Sache. Ein weiterer Vorteil der dünnen Bauweise: Bei Wandmontage sieht man praktisch nichts. Geschmacklich streiten kann man sich ein wenig über den beigen Farbanstrich der Abdeckplatten. Sony hebt hier den funktionalen Aspekt als «Raumtrenner» hervor.

Die modulare Abdeckung des Sony XE93 kaschiert alle Anschlusskabel Die modulare Abdeckung des Sony XE93 kaschiert alle Anschlusskabel © sgr / nmgz

Vier Hände braucht es schon bei der Einrichtung: Der 65-Zoll-Fernseher von Sony bringt zusammen mit dem Standfuss ein ordentliches Gewicht von 50 kg auf das Stubenmöbel. Am besten überprüft man bei dieser Bilddiagonalen (165 cm) vorher, ob das Möbel dem Gewicht standhält und der Fernseher genug Platz hat. In der Regel vermögen auch günstige Ikea-Möbel ein wenig mehr Gewicht zu stemmen, als im Möbelkaufhaus angegeben, aber gehen Sie besser auf Nummer sicher.

Zum Sitzabstand: Bei einer grossen Stube mit einem Sofaabstand von mehr als fünf Metern kann sich die Überlegung eines 65-Zöllers durchaus lohnen. Bei hochauflösenden 4K-Inhalten sollten Sie auf jeden Fall näher rücken, um alle Feinheiten des Bildes geniessen zu können. Allgemein gilt bei Fernsehern die Faustregel: Bildschirmdiagonale mal 2,5 gleich ungefährer Sitzabstand. (Ein Zoll entspricht 2,5 cm.)

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So gut wie alle Anschlüsse vorhanden

Ausstattungsseitig hat der XE93 nebst vier HDMI-Eingängen, je einem Composite- und Komponenten-Anschluss und drei USB-Anschlüssen sehr viel zu bieten. Auch an einem vielseitigen Tuner (Twin DVB-S, Twin DVB-C) fehlt es nicht. Einen Scart-Anschluss gibt es hier nicht mehr, aber das überrascht nicht. Sony war bis jetzt einer der wenigen Anbieter, der bei den meisten TVs noch alle möglichen Anschlüsse weiterhin zur Verfügung gestellt hat.

Die nach vorn gerichteten Drei-Wege-Lautsprecher liefern ein räumlicheres Klangbild als konventionelle High-End-Fernseher. Eine Surround-Anlage oder eine gut abgestimmte Soundbar ersetzen sie jedoch nicht. 

Die Drei-Wege-Lautsprecher des neuen XE-Modells von Sony strahlen besser nach vorne ab Die Drei-Wege-Lautsprecher des neuen XE-Modells von Sony strahlen besser nach vorne ab © Sony

Android-Apps zur flexiblen Nutzung

Android TV ist in weniger als sechs Sekunden gestartet. Viel schneller läuft das Google-Betriebssystem auch mit dem neusten Prozessor nicht, was aber nicht Sonys Schuld ist. Google muss hier noch ein wenig am Systemkern schrauben. Die neuste Version (Android TV Nougat) war im Test noch nicht verfügbar. Vereinzelt zieren ein paar neue Streaming-Apps wie Amazon Prime nun die Startoberfläche. Praktisch: Nicht genutzte Anschlüsse, die man nicht mehr im Menü sehen möchte, lassen sich beispielsweise jederzeit ausblenden. Ein Hauptvorteil mit Android TV ist die direkte Integration von Google Cast: Befindet man sich bereits im selben WLAN des Fernsehers, lassen sich Videoclips direkt über das Cast-Symbol zum TV übertragen, ohne dass man dafür einen weiteren HDMI-Anschluss beansprucht. Der Stream lässt sich dann auch über die Tasten der Fernbedienung steuern. Die Auswahl an Apps vom Play Store überzeugt. So kann man beispielsweise auch Apps wie XBMC/Kodi installieren, wenn man weitere Inhalte von einem NAS streamen möchte. 

Mehr HDR-Inhalte auf Netflix

Sucht man auf Netflix nach «HDR», findet man mit einem Premium-Abo mittlerweile schon eine ganze Auswahl von mehr als zwölf Serien. Besonders zur Geltung kommen HDR-Effekte auf dem stark ausgeleuchteten Fernseher in der japanischen Drama-Reihe «Hibana Spark» oder den Animefolgen «Knights of Sidonia». Strandaufnahmen mit farbigen Lampions oder Comic-Raumschiffgefechte sprechen für die Demo-Effekte der 4K-Testclips von Sony.

Mehr HDR-Angebote auf Netflix Mehr HDR-Angebote auf Netflix © Screenshot / PCtipp

Bei der Bildqualität kann man dem XE93 nicht viel ankreiden. Wir haben den XE93 auch schon im Direktvergleich zum XD93-Vorgänger gesehen. Local Dimming ist auf dem neuen Modell auf jeden Fall stärker präsent. Bildstreifen bei extremen Farb-Weiss-Übergängen sieht man praktisch keine mehr. Tatsächlich ist HDR längst nicht nur in 4K-Blu-rays ein hervorstechendes Merkmal.

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Verbesserte Bedienoptionen

Bei längerem Spiel mit der PS4 Pro waren wir überrascht von den grösseren Licht- und Farbspektren. Hat man zuvor länger auf einem HDR-Fernseher mit nur knapp 1000 Nits gespielt, wird man von der grösseren Farbdynamik zunächst fast ein wenig geblendet. Explosionen und Blitze in Tempelanlagen in «Rise of The Tomb Raider» erstrahlen in noch hellerem Licht und satten Farben. Eine besondere Wucht ist das neue Spiel «Horizon Zero Dawn». Gleissende Sonnenuntergänge und saftig grüne Wiesen zeigen an keiner Stelle verschwommene oder zittrige Konturen. Sony offeriert zahlreiche Bildmodi (Sport, Spiel, Cinema, Brilliant), die allesamt gut kalibriert sind. Diesmal erreicht man über die Fernbedienung des ZD9 die Schnelleinstellung zu Bildanpassungen über einen zentralen Menüknopf. Praktisch daran: Man kann jederzeit per Knopfdruck HDR/Sättigung und Kontrast anpassen. Der Stromverbrauch ist etwas hoch, überschreitet aber die Herstellerangaben nicht. Im 4K- und HDR-Betrieb, zum Beispiel mit der PS4 Pro, kann der Stromverbrauch schnell einmal 200 Watt übersteigen. 220 Watt werden aber nie überschritten. Bei normalem HD-Betrieb aus der Kabeldose liegt der Verbrauch bei 90 bis 160 Watt, im Standby bei 0,5 Watt.

Fazit

Sonys 65XE9305 überzeugt bei Ausstattung, Verarbeitung, Helligkeit, jedoch nicht ganz beim Preis. Obwohl weniger hell als der fast 5000 Franken teure 65-Zöller der ZD9-Top-Serie kommt der 3800-Franken-Neuanwärter durchaus an eine sehr hohe Leuchtkraft heran, die den Vorgänger nochmals um gefühlt einen Drittel überbietet. Das Local Dimming sorgt jedoch für sehr scharfe Konturen bei Farbübergängen. Wer sich noch nicht entscheiden kann, wartet besser auf Sonys A1-OLED-Fernseher, der im Sommer auf dem Markt kommt. Das bisherige LED-Top-Modell (ZD9) dürfte bis dann unter Umständen auch noch einmal im Preis sinken. 

Sony 65XE9305

Positiv:
Bildqualität, Design, Bedienung, Ausstattung
Negativ:
Preis
Details:
65" (164 cm), 4K-LED-TV (3840 x 2160), Slim Backlight Drive+, X1-Extreme-Prozessor, 4 x HDMI 2.0, 3 x USB 2.0, HDR, LAN/WLAN, Bluetooth, Android TV, 2 Jahre Bring In
Strassenpreis:
Fr. 3799.–
Info:
sony.ch
PCtipp-Bewertung:
4.5 Sterne

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