Doro 8040: das Senioren-Smartphone im Test

Die Beziehung zwischen Smartphones und Menschen der älteren Generationen ist nicht immer harmonisch.

von Luca Diggelmann 16.02.2018 (Letztes Update: 19.02.2018)

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, dass die Fernwartungsfunktion des Doro 8040 nach einem Probejahr kostenpflichtig ist. Das ist so nicht korrekt: Die Fernwartung per Web ist als «MyDoroManager» weiterhin kostenlos verfügbar. Fernwartung per Mobile und weitere Unterstützungsfunktionen gibt es in der App «Connect&Care», welche kostenpflichtig ist.

Test

Für viele ältere Nutzer ist die Umstellung auf eine komplett neue Denkweise schwierig, die Bedienung zu kompliziert. Doro möchte das ändern und entwickelt dafür Smartphones und Handys, speziell für Senioren.

Grosse Bedienelemente und physische Tasten sollen Senioren bei der Bedienung helfen Grosse Bedienelemente und physische Tasten sollen Senioren bei der Bedienung helfen © Doro

Dabei soll es sich nicht einfach um ein Smartphone mit grösserer Schrift handeln. Doro hat das Projekt von A bis Z durchdacht und bringt Verbesserungen in praktisch allen Bereichen: Von der Haptik über das Interface bis zur Hilfestellung wurde alles berücksichtigt.

Die Rückseite des 8040 ist nicht gerade ein Augenschmaus Die Rückseite des 8040 ist nicht gerade ein Augenschmaus © Doro
Beginnen wir mit dem Äusseren. Das Doro 8040 ist kein Augenschmaus. Verglichen mit modernen High-End-Geräten kann das Senioren-Phone schlicht nicht mithalten. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Statt auf Hochglanzpolitur setzt Doro auf maximalen Grip und handliche Bedienung. So ist die Oberfläche des Geräts in griffigem Plastik gehalten. Das macht das 8040 gleichzeitig rutschfest und leicht. Etwas schöner hätte das Gerät jedoch schon sein können. Mit 5 Zoll hat Doro eine gute, mittlere Grösse gefunden, und auch wenn die Bildschirmauflösung von 1280 × 720 nicht immer überzeugt, reicht sie doch aus. Und sorgt nebenbei noch für eine bessere Akkulaufzeit von rund zwei Tagen im Normalgebrauch.

Anders als bei den meisten modernen Smartphones, die für eine rechtshändige Bedienung ausgelegt sind, funktioniert das 8040 in der linken Hand besser. Das hilft besonders älteren Nutzern, die häufig das Smartphone in eine Hand legen und das Display mit der anderen Hand bedienen. In der Praxis heisst das: Die Lautstärkeregulierung ist auf der linken Seite des 8040 platziert, der Ein/Aus-Knopf auf der Oberseite. In der mitgelieferten Docking-Station (dazu gleich mehr) liegt das 8040 auf der rechten Seite und wird idealerweise mit links gegriffen. Die Tasten sind gross und leicht zu drücken.

Neben den üblichen physischen Tasten wurden auch die drei Bedienungstasten von Android (Home, Zurück und Geöffnete Apps) als physische Tasten am unteren Geräterand platziert. Das verringert das Risiko, dass Tasten aus Versehen gedrückt werden. Zudem bieten die Tasten ein etwas gewohnteres Bedienerlebnis.

Schon fast retro wirkt die abnehmbare Rückseite des Doro 8040. Darunter findet man einen SIM-Karten-Einschub, einen Slot für eine microSD-Karte und einen wechselbaren Akku. Gerade Letzterer ist wichtig für Senioren, die ihre Geräte oftmals länger als nur ein bis zwei Jahre verwenden möchten.

Die Docking-Station lädt das Smartphone und zeigt auf Wunsch Infos an Die Docking-Station lädt das Smartphone und zeigt auf Wunsch Infos an © Doro

Wie bereits erwähnt, wird mit dem Doro 8040 eine Docking-Station mitgeliefert. Diese erfüllt hauptsächlich zwei Zwecke: Sie bietet eine einfache und bequeme Methode, um das Smartphone aufzuladen und macht das Gerät zu einem stationären Helfer zu Hause. Das macht das Smartphone ein wenig mehr wie ein kabelloses Festnetztelefon, das nebenbei nach draussen mitgenommen werden kann.

Hier die Docking-Oberfläche in Deutsch Hier die Docking-Oberfläche in Deutsch © Screenshot / PCtipp

Liegt das 8040 in seiner Ladestation, wechselt es in einen Dock-Modus, bei dem das Display gedreht, und bestimmte Funktionen in den Vordergrund gerückt werden. Beispielsweise der Wecker. Die Ladestation verhindert auch, dass man den USB-microB-Stecker verwenden muss, um das Smartphone zu laden. Für ältere Nutzer wäre ein seitengleicher USB-C-Stecker wohl praktischer gewesen.

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Benutzeroberfläche

Der grösste Unterschied zwischen dem Doro 8040 und anderen Smartphones ist ganz klar die Benutzeroberfläche. Diese wurde komplett überarbeitet, um Senioren ein einfacheres Nutzererlebnis zu bieten. Dabei wurden nicht einfach ein paar Knöpfe vergrössert und alles vereinfacht. Das Doro 8040 ist komplett auf eine analoge Denkweise ausgelegt.

Links das Standard-Layout, rechts die vereinfachte Steuerung Links das Standard-Layout, rechts die vereinfachte Steuerung © Screenshots / PCtipp

Ein Beispiel. Will man einem Bekannten ein Bild schicken, läuft das bei einem regulären Smartphone meistens so ab: Man öffnet die Bildergalerie, sucht das entsprechende Bild und wählt «Teilen», dann die gewünschte App und schlussendlich den Kontakt. Alternativ öffnet man direkt die Kommunikations-App und fügt das Bild dort hinzu. Beides nicht unbedingt logische Aktionsfolgen für digital Ungeübte.

Wählt man auf der Startseite «Senden», erhält man dieses Menü Wählt man auf der Startseite «Senden», erhält man dieses Menü © Screenshot / PCtipp
Doro macht es hier einfacher. Statt eine neue Logik zu lernen, verwendet der Nutzer eine simple Abfolge: Auf dem Home-Screen erhält der Nutzer die drei Verben «Anrufen», «Anzeigen» und «Senden». Das kann der Nutzer also tun. Wählt man eine der Optionen, werden weitere Schritte angeboten. Wählt man beispielsweise Senden, erhält man ein Menü mit diversen Optionen wie Eine Nachricht, Eine E-Mail, Ein Bild oder Video. Man stellt also als erste Frage das «Was?» und dann erst das «Wie?». Letzteres wird vom Smartphone durch die eingeschränkte Auswahl sogar noch auf eine überschaubare Auswahl reduziert.

Noch ein allgemeines Wort zur vereinfachten Oberfläche: Das Interface macht viele Aufgaben einfacher, indem es Unnötiges ausblendet und sich relativ gut selbst erklärt. Allerdings braucht es für diverse Setup-Aufgaben dennoch ein gewisses Grundwissen in Sachen Android. Das heisst: Für Nutzer, die eine Bezugsperson haben, die beim Setup und bei der Verwaltung gelegentlich helfen kann, ist die Doro-Oberfläche ideal. Für komplette Autodidakten nur bedingt.

Für geübtere Nutzer, oder Nutzer, die sich bereits an herkömmliche Android-Startscreens gewöhnt sind, gibt es auch eine Navigation für Fortgeschrittene. Diese verhält sich grösstenteils gleich wie ein reguläres Android-Smartphone.

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Unterstützung

Die Fernwartung und Unterstützung ist praktisch, aber leider nicht kostenlos Die Fernwartung und Unterstützung ist praktisch, aber leider nicht kostenlos © Screenshot / PCtipp
Ebenfalls wichtig für viele ältere Smartphone-Nutzer ist der Support. Wenn mal etwas nicht nach Wunsch läuft, soll das möglichst einfach behoben werden können. Auch hier hat Doro ein System eingebaut, das helfen soll. Mit einem eingebauten Support-System können Verwandte oder andere Vertrauenspersonen das Smartphone aus der Ferne verwalten. Per Fernzugriff können Einstellungen, aber auch Daten wie Kalender oder Kontakte einfach verwaltet werden. Das System ist unterteilt in ein kostenloses Fernwartungssystem per PC (MyDoroManager) und ein kostenpflichtiges, Hilfenetz für Mobile unter dem Namen «Connect & Care». Nach einem kostenlosen Probejahr kostet der «Connect & Care» rund 5 Franken pro Monat.

Ebenfalls dazu gehört die Notruftaste. Mit dieser kann der Smartphone-Besitzer im Notfall per Knopfdruck eine vorgängig eingestellte Kontaktperson informieren.

Weitere Funktionen

Die üblichen Annehmlichkeiten eines Android-Smartphones sind natürlich ebenso vorhanden. Das Doro 8040 läuft auf Android 7 und bietet sämtliche Dienste, die man von anderen Smartphones her kennt. Dazu gehört auch eine Kamera (8 Mpx), die zwar nicht grandiose, aber durchaus brauchbare Bilder schiesst. Für das Ferienalbum ist aber eine separate Kamera empfehlenswert.

Bei dieser Bildqualität packt man besser wieder die separate Kamera ein Bei dieser Bildqualität packt man besser wieder die separate Kamera ein © PCtipp

Ebenfalls vorhanden sind eine Taschenlampe, LTE und Optionen für Hörgeschädigte. Zu Letzteren gehören die üblichen Android-Funktionen, aber auch extralaute Lautsprecher und HAC zur Kompatibilität mit Hörgeräten.

Fazit

Das Doro 8040 ist ein wenig anders als andere Smartphones. Es überzeugt nicht mit einer überragenden Kamera oder blitzschnellen Prozessorfrequenzen. Stattdessen ist das Doro 8040 schlicht ein gut durchdachtes Smartphone für eine bestimmte Zielgruppe. Und in dieser Kategorie überzeugt das Doro 8040 fast durchgehend. Schade ist vor allem die kostenpflichtige «Connect & Care»-App und der Mangel an ästhetischem Gespür beim Design von Hard- und Software.

Doro 8040

Positiv:
Bedienung, Preis
Negativ:
Kostenpflichtige Fernwartung, Ästhetik
Details:
5-Zoll-Display (1280 × 720, 293 ppi), MediaTek MTK6738 (Vierkern, 1,5 GHz), 2 GB RAM, 16 GB Speicher, USB-microB, 8-Mpx-Kamera, 2-Mpx-Frontkamera, Android 7 mit eigener Oberfläche, physische Tasten, inkl. Docking-Station, 165 g
Strassenpreis:
Fr. 249.–
Info:
doro.ch
PCtipp-Bewertung:
4.5 Sterne

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