Was passiert mit dem MP3-Format?

Zahlreiche Portale haben in den letzten Tagen das Ende des MP3-Formats verkündet. Das könnte falscher nicht sein. PCtipp erklärt.

von Florian Bodoky 17.05.2017

Auf verschiedenen Portalen war in jüngster Vergangenheit vom Ende des beliebten Audioformats MP3 zu lesen. Teilweise sogar untermauert mit Behauptungen darüber, dass Hersteller von MP3-Playern das Format bald nicht mehr unterstützen würden. Grund für diese Meldung war ein Missverständnis. Dabei geht es um das Auslaufen des Lizenzprogrammes von Technicolor und dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS). Am 23. April lief die letzte Patentfrist in den USA aus.

Eine Kooperation dieser beiden Unternehmen hatte in den späten 1980er-Jahren in der Erfindung des MP3-Formats resultiert. Das Prinzip des Formats bestand darin, jene Teile der Musik, die für den Menschen gut hörbar sind, genau wiederzugeben und schlecht oder gar nicht hörbare Teile herauszufiltern. So erhält man trotz niedriger Bitrate eine gute Audioqualität – bei geringer Dateigrösse. 

Dass das Format nun tot sein soll, dagegen wehrt sich der MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg im Gespräch mit dem Portal Futurezone. Derzeit befänden sich weltweit rund 8 Milliarden Geräte im Einsatz, die MP3 abspielen können. Diese Zahl werde sich wohl noch erhöhen, da laufend weitere Datenträger auf den Markt kommen. Zudem entfallen nach Ablauf des Patents ja die Lizenzgebühren für MP3 – da wäre ein Verzicht auf MP3 geradezu widersinnig. Gerade kürzlich haben die Entwickler von Linux-Fedora ein Encoding/Decoding-Feature für ihr Betriebssystem angekündigt. 

Während der MP3-Standard selbst kostenfrei wird, entfällt für die Nutzung der MP3-Software von Fraunhofer weiterhin eine Gebühr. Dies liege gemäss dem Institut daran, dass MP3 zwar ein offener Standard, das Fraunhofer-Programm aber keine Open-Source-Software sei.