So oft passen Internethändler die Preise an

Webshop-Betreiber wie Brack, Microspot und Digitec passen die Preise für Produkte oft an – teilweise täglich. Was bedeutet das für Sie als Konsument und was können Sie dagegen tun?

von Claudia Maag, dpa 10.08.2018

Preise in Onlineshops unterliegen starken Schwankungen. Die meisten Internethändler ändern regelmässig die Preise für Teile ihres Sortiments, abhängig von der Tageszeit. Doch den Käuferinnen und Käufern ist das teilweise gar nicht bewusst.

Bei einem Smartphone von Media Markt lagen im selben Shop rund 250 Franken (220 Euro) zwischen dem niedrigsten und dem höchsten angebotenen Preis. Aufgefallen ist das Preis-Jo-Jo bei Onlineartikeln von Handys über Autobatterien bis zu Sneakern dem Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg, das im Frühjahr die Preisgestaltung bei 16 Internethändlern von A wie ATU bis Z wie Zalando unter die Lupe nahm.

Das Ergebnis der Studie: Im Extrem wurde der Preis für ein und dasselbe Produkt in dieser Zeit bis zu 32-mal geändert. Mehr als jedes dritte untersuchte Produkt war innerhalb der beobachteten 34 Tage Preisschwankungen ausgesetzt und knapp zwei Drittel der variierten Preise änderten sich bis zu 3-mal, 36 Prozent sogar 4- bis 15-mal. Besonders viele Änderungen registrierten die Verbraucherschützer bei Elektronik- und Medizinprodukten.

Auch Schweizer Onlinehändler ändern kurzfristig die Preise

Dass die ständigen Preisänderungen auch in der Schweiz gang und gäbe sind, bestätigt ein Stichprobentest der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) vom letzten Sommer. Im Rahmen einer Stichprobe untersuchte die SKS zu unterschiedlichen Tageszeiten die Preise von zehn Elektronikprodukten bei den Internethändlern Brack, Media Markt, Microspot und Digitec. Die Preise wurden während 15 Tagen jeweils um 10:00, 16:00 und 21:00 Uhr erhoben. 

Die SKS-Stichprobe hat gezeigt, dass Konsumentinnen und Konsumenten bei Microspot und Digitec mit sehr kurzfristigen Preisänderungen rechnen müssen, die teilweise gross sein können. Bei Digitec gab es insgesamt 15 Preisänderungen. Diese fanden sowohl am Tag als auch nachts statt. Am meisten Preisänderungen – insgesamt 35 – gab es bei Microspot. Besonders aufgefallen sei das Videospiel «FIFA 17 (PS4)». Bei diesem Game wurden insgesamt 11 Anpassungen festgestellt. 

Insgesamt wurden beim Videospiel «FIFA 17» ganze elf Preisanpassungen festgestellt Insgesamt wurden beim Videospiel «FIFA 17» ganze elf Preisanpassungen festgestellt © Stiftung für Konsumentenschutz

Die Preise bei Brack und Media Markt hingegen sind konstanter. Bei Brack konnten bei den 10 Produkten 2, bei Media Markt 5 Preisveränderungen festgestellt werden. Diese fanden in der Regel über Nacht statt; danach blieben die Preise wieder über mehrere Tage konstant. 

Der Zeitpunkt macht den Unterschied

Eine Regel, zu welcher Tageszeit das Produkt am günstigsten ist, konnte die Stiftung für Konsumentenschutz nicht erkennen. Anders sieht das die Verbraucherzentrale Brandenburg. Entscheidend für den angezeigten Preis sei auch der Zeitpunkt. «Beim Onlinehändler ATU waren im Untersuchungszeitraum Autobatterien oder Reifen jeweils am Vormittag teils bis zu 30 Prozent teurer als am Nachmittag zuvor. Bei den Versandapotheken DocMorris und Sanicare gingen an einzelnen Tagen Preissenkungen mit Preiserhöhungen anderer Artikel einher.»

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Was heisst das für die Konsumenten?

Laut SKS haben die raschen Preisänderungen für die Kunden von Digitec und Microspot Vor- und Nachteile. «Einerseits kann man sich als Kunde nicht darauf verlassen, dass der Preis eines bestimmten Produkts ein paar Stunden später immer noch der gleiche ist, andererseits kann eine Preisänderung natürlich auch zugunsten des Kunden ausfallen», wird André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der SKS, im Ergebnis der Studie zitiert. 

Etwas weniger positiv sieht es Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Auf Nachfrage, was sie von dieser Praxis hält, sagt sie: «Die Verwendung von personalisierten und/oder dynamischen Preisen ist eine äusserst kundenunfreundliche, intransparente Praxis, die teilweise auch der Preisbekanntgabeverordnung PBV widersprechen kann.» Wenn die SKS solches feststelle, würde sie es dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) melden. 

Tipps, um das Dynamic Pricing zu verringern

Welcher Preis Ihnen online angezeigt wird, kann über das Dynamic Pricing hinaus auch von Faktoren wie Ihrem individuellen Surfverhalten, dem verwendeten Endgerät oder Ihrem Wohnort abhängen. Das rät die Verbraucherzentrale Brandenburg:

  • Es empfiehlt sich generell, Preise online aufmerksam zu beobachten. Besonders auch zu unterschiedlichen Tageszeiten.
  • Wenn Sie sich einen Artikel mehrfach anschauen, signalisiert das dem Händler ein Kaufinteresse. Das kann dazu führen, dass Ihnen ein höherer Preis angezeigt wird. Sehen Sie sich deshalb das Produkt mit unterschiedlichen Browsern an. Wichtig ist dabei, dass bei den Browsern keine Cookies gespeichert sind, die ebenfalls zu unterschiedlichen Preisen führen können. Wie Sie Cookies löschen, haben wir hier beschrieben. 
  • Wenn Sie mit dem Smartphone oder Tablet einkaufen, vergleichen Sie den Preis noch einmal am PC oder Laptop. Preisunterschiede hängen oft vom verwendeten Endgerät ab.
  • Stöbern Sie in Onlineshops nicht im eingeloggten Zustand. Als angemeldeter Nutzer kann der Internethändler Ihre Kaufvorlieben problemlos analysieren und die Preise dementsprechend anpassen.
  • Über die IP-Adresse bekommt der Webshop-Betreiber unter anderem Hinweise über Ihre Herkunft. Algorithmen können hieraus Rückschlüsse auf Ihre Finanzkraft ableiten. Kommen Sie aus einer wohlhabenden Gegend, ist es möglich, dass Sie mehr bezahlen müssen als Käufer aus finanzschwachen Regionen. Mit einem VPN-Dienst (Virtual Private Network) können Sie diese Art des Dynamic Pricing umgehen und Ihre IP-Adresse verbergen bzw. ändern. So verwenden Sie VPN.