Schweizer Alternativen zu Dropbox

Seit dem NSA-Skandal sind ausländische Onlinespeicherdienste à la Dropbox ein wenig in Verruf geraten. Unsere Schwesterzeitschrift Computerworld hat sich auf die Suche nach helvetischen Alternativen gemacht.

von Jens Stark 21.08.2013

Um es gleich vorwegzunehmen: Wer seine Dateien auf einem Onlinspeicher ablegen will, der in der Schweiz ansässig ist und im Idealfall auch noch seine Server hierzulande stehen hat, muss einerseits mit weniger Komfort leben und andererseits mit weniger Gratisspeicher vorliebnehmen. Wenn man das akzeptiert, gibt es sie, die Schweizer Dropbox-Alternativen.

1. Mydrive.ch

Bei Mydrive lassen sich die Ordner wie auf dem Desktop verwalten Bei Mydrive lassen sich die Ordner wie auf dem Desktop verwalten

Das für Privatanwender wohl attraktivste Angebot hat derzeit Mydrive.ch. Bei dem Dienst, der von Softronic betrieben und von UPC Cablecom unterstützt wird, erhält man 100 Megabyte Gratisspeicherplatz. Über ein Webinterface lassen sich einzelne Dateien hochladen. Wer ganze Ordner in dem Onlinespeicher ablegen will, kann dies mithilfe eines Flash- und Java-Interfaces tun. Ausser bei PDFs lassen sich die hochgeladenen Dateien aber nicht in einer Vorschau betrachten. Wer Zugang zu seinen Files haben will, muss diese wieder vorgängig auf seine eigene lokale Festplatte herunterladen.

100 Megabyte reichen für die wichtigsten PDF-, Excel- und Word-Dokumente, die man als durchschnittlicher Privatanwender in einem zusätzlichen sicheren Ort abgelegt wissen will. Wer mehr bei Mydrive.ch deponieren will, muss eine Gebühr zahlen. Die Option mit 1 Gigabyte kostet 50 Rappen pro Monat, 100 Gigabyte schlagen mit 25 Franken monatlich zu Buche. Maximal lässt sich 1 Terabyte beziehen.

2. Securesafe

Securesafe lässt sich dank App auch auf Tablets und Smartphones nutzen Securesafe lässt sich dank App auch auf Tablets und Smartphones nutzen

Mit der Sicherheit eines «Schweizer Bankschliessfachs» vergleicht der Betreiber von Securesafe ihren Dienst. Allerdings lassen sich hier nur die allerwichtigsten Dokumente gratis ablegen, denn der Speicher ist auf 10 Megabyte beschränkt. Somit stimmt der Vergleich: In einem Bankfach bewahrt man meistens auch nicht ganze Bundesordner voller Unterlagen auf. Gedacht ist der Service denn auch, um etwa Passwörter zu hinterlegen und vielleicht eine Kopie des eigenen Passes.

Zugänglich sind die Informationen dann via Web oder über eine App für iPhones, iPads und Android-Geräte.

Auch bei Securesafe kann man für eine Gebühr den Speicherplatz erweitern. Für eine Monatsabgabe von Fr. 1.50 erhält man 100 Megabyte, für 4 Franken 20 Gigabyte und für 12 Franken 100 Gigabyte sicheren Onlinespeicher.

3. Filesync

Keine Gratisoption bietet Filesync.ch. Aber für 5 Franken im Monat lassen sich hier zwei heimische Rechner backupen, wobei die Speichermenge für die Backups unbeschränkt ist. Wer einen externen Speicher in der Cloud bevorzugt, kann die Option Drive wählen. Hier zahlt man monatlich 8 Franken und erhält 0,5 Terabyte Speicherplatz, der sich dynamischer nutzen lässt als das Backup. Das Top-Angebot umfasst 1 Terabyte Speicher sowie fünf Backups für 15 Franken monatlich.

Diese Preise sind vergleichsweise günstig. Bei dem Dienst gibt es aber einen kleinen Wermutstropfen, zumindest für Leute, die ihre Daten in der Schweiz abgespeichert wissen wollen. Laut Angabe auf der Webseite von Filesync.ch stehen die Server des Dienstes in der EU.

4. Speicherbox

Speicherbox wirbt besonders mit seiner Swissness Speicherbox wirbt besonders mit seiner Swissness

Mit seiner Swissness wirbt dagegen der neue Dienst Speicherbox.ch. Auch hier gibt es nichts gratis. 25 Gigabyte schlagen mit 108 Franken jährlich zu Buche. Dieser lässt sich bis auf 1 Terabyte erweitern, was dann 1370 Franken jährlich kostet.

5. Ist das alles?

Wie schon eingangs erwähnt, können die präsentierten heimischen Dienste in Sachen Preis, Umfang und Komfort nicht mit entsprechenden US-Services à la Dropbox mithalten. Ob die NSA-Abhöraffäre dazu führt, dass grosse Schweizer Cloud-Anbieter auch Angebote für Privatkunden lancieren, bleibt zu hoffen. Gedacht haben wir da etwa an Swisscom.

Schliesslich hat der Fernmelderiese eine grosse Kundenschar und zumindest auf Business-Seite auch die nötige Infrastruktur. Auf Anfrage konnte Mediensprecher Olaf Schulze denn auch nur sagen, dass man bei Swisscom an Cloud-Diensten für Privatkunden arbeite. Es sei aber noch nichts spruchreif. Auch der Zeitpunkt eines möglichen Launches sei noch nicht definiert worden.

6. Und was ist mit Wuala?

Eine weitere Alternative zu Dropbox ist sicherlich auch Wuala. Der Dienst bietet 5 Gigabyte Gratisspeicher, wobei die Dateien vorgängig verschlüsselt werden. Aber: Der Online-Speicherdienst hat zwar Schweizer Wurzeln, wurde aber unlängst von der französischen Lacie aufgekauft. Immerhin: Rein rechtlich ist der Dienst Lacie Schweiz unterstellt. Ob dies genug Swissness ist, muss jeder User selbst für sich entscheiden. Darüber hinaus muss zwingend ein Client - und sei es ein Java-Client - installiert werden. Nur mit einem reinen Webinterface lässt sich Wuala nicht bedienen. Grund dafür ist, dass der Dienst die Daten vor dem Speichervorgang verschlüsselt.