Lycamobile im Visier von Drogenfahndern

Beim Bezirksgericht Zürich ist eine dicke Anklageschrift eingereicht worden: Die Prepaid-Karten, die es auch am Kiosk gibt, sollen von Drogenhändlern missbraucht worden sein.

von Simon Gröflin 09.03.2018

Beim Bezirksgericht Zürich ist eine dicke Anklageschrift eingereicht worden. Auf der Seite der Anklagebank steht Lycamobile Schweiz sowie deren Geschäftsführer, wie das «SRF» berichtete. Lycamobile Schweiz steht im Verdacht, Drogenhändlern zur anonymen Registrierung von SIM-Karten verholfen zu haben. In der Schweiz sind Anbieter von SIM-Karten verpflichtet, die angegebenen Personendaten zu überprüfen und zu registrieren. Zu den Anklagepunkten zählen mehrfache Urkundenfälschung sowie der Verstoss gegen das Fernmeldegesetz.

Gegenüber «10vor10» wollte sich der Prepaid-Anbieter nicht zu den Vorwürfen äussern. Der Marketingchef gab der Nachrichtensendung nur schriftlich zu Protokoll, dass man «daran arbeite», vor allem mit den Zwischenhändlern in Quartierläden die Registrierungen zu verbessern.

Von der Staatsanwaltschaft St. Gallen sagte der ermittelnde Jan Duttweiler, der jedoch nicht in das laufende Verfahren von Zürich involviert ist, dass bei 80 bis 90 Prozent aller Drogenermittlungen kein Name, ein falscher Name oder kein Ausweis hinterlegt sei. Gegen fehlbare Telekom-Unternehmen will der Dienst für Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr (ÜPF) ab März nicht nur Mahnungen, sondern erstmals auch Bussen aussprechen.

Bislang gilt gegen das Unternehmen Lycamobile und den Geschäftsführer die Unschuldsvermutung. Ab diesem Sommer soll der Prozess dann aufgenommen werden. Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich äusserte sich nicht zu Details. Da sehr viele Prepaid-SIM-Karten aufgetaucht sind, die falsch registriert waren, zählt auch nicht nur Lycamobile zu den verdächtigen Telekom-Anbietern.