Kommentar: Das iPhone Xs ist nicht teurer

Die halbe Welt moniert Apples neue Preise. Doch diese Hälfte der Welt übersieht eine Kleinigkeit.

von Klaus Zellweger 14.09.2018

Apple hat den Verstand verloren … seit Steve Jobs … jetzt wechsle ich zu Android … die spinnen doch … alles Marketingopfer …

Die Netzwelt scheint sich einig: Apple hat den Bogen überspannt, die Preise für die neuen iPhones sind obszön. Und um diese Aussage zu untermauern, wird natürlich immer das neue iPhone Xs «Max» genannt. Dieses Luxus-Kreuzfahrtschiff unter den Smartphones kostet in der stärksten Ausführung 1739 Franken – und das kann ja nicht normal sein!

Die neuen iPhones geben zu reden Die neuen iPhones geben zu reden © Apple, Inc.

Allerdings ist der Preisanstieg nicht halb so dramatisch, wie man meinen könnte. Genauer: Es gibt ihn gar nicht.

Der direkte Nachfolger des iPhone X ist das iPhone Xs: Beide sind mit Dualkameras, 5,8-Zoll-Display und anderen, baugleichen Merkmalen ausgestattet. Das neue iPhone Xs kann natürlich alles besser und ist deutlich schneller, aber das ist ja auch die Idee bei Nachfolgern.

Preisvergleich

Hier die jeweiligen Preise für das 256-GB-Modell bei der Markteinführung. Wir rechnen:

  • iPhone X: Fr. 1389.–
  • iPhone Xs: Fr. 1389.–

Gleichstand. Aber dann ist das grössere iPhone Xs «Max» wenigstens viel zu teuer? Ganz im Gegenteil, dieses Modell ist im Vergleich zum kleinen Bruder fast schon zu günstig: Der Preisunterschied bei identischen 256 GB Speicher beträgt gerade einmal 100 Franken.

Doch natürlich möchten die Aufgebrachten lieber von den 1739 Franken reden, die für das iPhone Xs «Max» mit 512 GB fällig werden. Diese Zahl muss man sich tatsächlich auf der Zunge zergehen lassen. Nein, nicht den Preis – den Speicher, natürlich! Ein halbes Terrabyte superschnellen, voll verschlüsselten Speicher in einem Smartphone: Das bietet zurzeit nur Apple.

Ich bin überzeugt, dass Apple genau weiss, dass nur die wenigsten Käufer zu diesem Modell greifen. Doch jene, die hier zuschlagen, werden ihre Gründe haben – und die Summe gerne bezahlen. In zweiter Linie ist dieses Modell aber auch eine (mässig getarnte) Machtdemonstration der Kalifornier: Es ist Zeit, wieder einmal eine neue Marke zu setzen.

Die aktuelle Produktlinie

Und was ist mit den anderen iPhones für jene, die nicht so viel Geld ausgeben wollen? Tatsächlich hatte Apple noch nie eine so straffe und vor allem transparente Produktlinie wie heute. Jeder Topf findet seinen Deckel.

Im günstigsten Fall greifen Sie zum iPhone 7 – erst recht, wenn Sie kleine Geräte mögen. Das kostet zurzeit 529 Franken mit 32 GB, die (empfehlenswerte) 128-GB-Version gibt es für 649 Franken. Das iPhone 7 ist zwar schon zwei Jahre alt, doch es behauptet sich problemlos gegen die meisten neuen Android-Geräte – nur mit dem Unterschied, dass das iPhone 7 noch jahrelang die aktuellsten Systemversionen und Updates erhält.

Und so stehen im Oktober mit dem Erscheinen des ebenfalls neuen iPhone Xr sieben fein abgestimmte Modelle zur Auswahl. Vor allem aber muss sich niemand ein Smartphone für 1739 Franken kaufen, um dabei zu sein.

Fazit

Das iPhone Xs ist genauso teuer wie sein Vorgänger und das riesige iPhone Xs «Max» kostet gerade einmal 100 Franken mehr. Damit sind alle Bedingungen erfüllt, dass Apple diese Geräte aus den Händen gerissen werden. Und dass das grösste aller Modelle mit einem halben Terabyte Speicher 1739 Franken kostet, wird daran wohl nichts ändern.