Im Schatten des iPhone X

Die neuen iPhones sind da – doch die Rivalität unter den Geschwistern ist gross.

von Klaus Zellweger 13.09.2017

Wie erwartet hat Apple gestern drei neue iPhones vorgestellt: das iPhone 8 und iPhone 8 Plus als direkte Nachfolger des iPhone 7 (Plus). Dazu gesellt sich neu das iPhone X (sprich: zehn), das so ziemlich jede Aufmerksamkeit aufsaugt.

iPhone 8 (Plus)

Das iPhone 8 (Plus) ist das erwartete, solide Update zur 7er-Reihe. Die neue Rückseite besteht komplett aus Glas.

Bis auf die Glasrückseite ist das iPhone 8 Plus kaum vom Vorgänger zu unterscheiden Bis auf die Glasrückseite ist das iPhone 8 Plus kaum vom Vorgänger zu unterscheiden © Apple, Inc.

Dieser Verzicht auf Aluminium macht den Weg frei für das kabellose Laden. Dabei wird der bestens eingeführte Standard «Qi» (sprich: Tschi) unterstützt. 2018 wird Apple zusätzlich die AirPower-Matte anbieten, auf der bis zu drei Geräte gleichzeitig geladen werden. Namentlich sind das die neuen iPhones, die Apple Watch der Serie 3 sowie die AirPods. Letztere benötigen eine neue Ladeschale, über deren Preis sich Apple ausschweigt.

Alle neuen iPhones unterstützen den Qi-Standard, werden aber später auch durch Apples eigene proprietäre AirPower-Matte geladen Alle neuen iPhones unterstützen den Qi-Standard, werden aber später auch durch Apples eigene proprietäre AirPower-Matte geladen © Apple, Inc.

Für den Antrieb aller neuer iPhones sorgt Apples eigene CPU, der «A11 Bionic» mit sechs Kernen. Zwei dieser Kerne sind für die rechenintensiven Aufgaben vorgesehen und etwa 25 Prozent schneller die CPU im iPhone 7 (Plus). Die anderen vier Kerne sind vor allem auf Effizienz getrimmt und bis zu 70 Prozent schneller als der Vorgänger. Durch den neuen, selbstentwickelten Performance Controller sollen laut Apple insgesamt bis zu 70 Prozent mehr Leistung bei gleichbleibender Batterielaufzeit herausspringen.

Bessere Kamera

Die Kameras in beiden iPhone-8-Modellen löst weiterhin mit 12 Mpx auf. Der Sensor ist jedoch grösser geworden und verspricht mehr Bildqualität. Der Autofokus soll im Dämmerlicht besser arbeiten; durch den neuen 4fach-LED True Tone Blitz mit Slow Sync sollen geblitzte Aufnahmen ausserdem gleichmässiger ausgeleuchtet werden. Videos werden neu mit bis zu 60 fps in 4K-Auflösung gedreht, während Zeitlupen in Full HD 240 fps erreichen. Im iPhone 8 Plus werden jetzt beide Kameras von einem optischen Bildstabilisator unterstützt.

Das iPhone 7 Plus sorgte mit dem Porträt-Effekt für Furore. Dabei werden beide Kameras verwendet, um ein 3D-Modell des Objekts anzufertigen; Software sorgt automatisch dafür, dass der Hintergrund in der Unschärfe versinkt. Beim iPhone 8 Plus geht Apple einen Schritt weiter: Das neue Porträtlicht stellt das Gesicht nicht nur durch einen schwarzen Hintergrund frei. Darüber hinaus sollen neue Regler dafür sorgen, dass das bestehende Licht verändert werden kann, also zum Beispiel aus einer anderen Richtung kommt.

Das iPhone 8 kostet in der kleinsten 64-GB-Variante 839 Franken, das iPhone 8 Plus gibt es ab 959 Franken. Vorbestellungen sind ab Freitag, dem 15. September möglich, die Auslieferung und der Verkauf starten am Freitag, dem 22. September. 

iPhone X

Die ganze Aufmerksamkeit während der Keynote ruhte hingegen auf dem iPhone X (sprich: zehn). Es bietet alle Eigenschaften des iPhone 7 Plus und vieles mehr. So ist das iPhone X das erste iPhone mit einem OLED-Display. Die Diagonale misst 5,8 Zoll – das sind 0.3 Zoll mehr als beim iPhone 7 Plus. Durch das beinahe rahmenlose Display ist das Gehäuse jedoch etwa 15 Millimeter kürzer und 8 Millimeter schmaler als das iPhone 7 Plus.

Trotz grösserem Display ist das iPhone X kleiner als das  iPhone 8 Plus Trotz grösserem Display ist das iPhone X kleiner als das iPhone 8 Plus © Apple, Inc.

Zu den weiteren Neuerungen gehört die «Face ID», die den Fingerscanner «Touch ID» ablöst. Um das iPhone X zu entriegeln, wird das Gerät einfach von vorne angeschaut und der Bildschirm nach oben gewischt. Die Erkennung erfolgt über 30000 Infrarot-Punkte, die ein 3D-Abbild des Gesichts erzeugen. Ein Infrarotsensor sorgt dafür, dass die Entsperrung auch im Dunkeln funktioniert. Laut Apple erkennt das iPhone X seinen Besitzer auch, wenn sich das Aussehen ändert – sei es durch das Altern, Sonnenbrillen oder Mützen.

Rund 30000 Infrarot-Punkte erstellen eine 3D-Abbildung, die für die Entsperrung hinzugezogen wird Rund 30000 Infrarot-Punkte erstellen eine 3D-Abbildung, die für die Entsperrung hinzugezogen wird © Apple, Inc.

Das iPhone X lässt sich in der Schweiz ab dem 27. Oktober bestellen, verkauft wird ab dem 3. November. Das 64-GB-Modell kostet 1199 Franken, das 256-GB-Modell 1389 Franken.

Welches Modell für wen?

Es wird interessant zu sehen, wie sich die einzelnen Modelle verkaufen. Das iPhone X wirkt im Vergleich zum iPhone 8 Plus übermächtig. Der preisliche Unterschied beträgt ausserdem nur 250 Franken. Gerade in der Schweiz, wo das Geld für Apple-Produkte locker sitzt, dürfte das iPhone 8 Plus einen schweren Stand haben und vor allem von denen gekauft werden, die der Face ID misstrauen. Das iPhone 8 hingegen wird seine Käufer unter jenen Interessenten finden, denen das iPhone X trotz optimierten Platzverhältnissen immer noch zu gross ist.