IFA: Das sind die Trends fürs nächste Jahr

Mixed Reality, Smart Home, Gaming – PCtipp zeigt alle Trends der IFA und was man davon halten soll.

von Florian Bodoky 12.09.2017

Alexa hat bereits jetzt einen grossen Vorsprung bei digitalen Assistenten Alexa hat bereits jetzt einen grossen Vorsprung bei digitalen Assistenten © Amazon

Am 6. September ging nach einer knappen Woche die Internationale Funkausstellung, kurz IFA, in Berlin zu Ende. Insgesamt 253'000 Besucher haben sich die neusten Trends, Geräte und Visionen der rund 1800 Aussteller zu Gemüte geführt. Dabei stellte sich heraus, dass vier Themen die Messe beherrschten, die bereits im Vorjahr dominant vertreten waren: Virtual Reality, bzw. Mixed und Augmented Reality, Gaming, Mobilität und natürlich Smart Home.

Das Thema Smart Home öffnet den «unterhaltungsfernen» Elektronikherstellern zunehmend die Tür zu Consumer-Messen wie der IFA. So gab es mehr Aussteller aus der Weisswarenabteilung, die sich mit smarten und via App bedienbaren Geschirrspülern, Waschmaschinen oder Bügeleisen ins Gespräch bringen wollten. In aller Munde war aber vor allem Amazons Alexa. Kaum ein Unternehmen, das bei seinen Geräten auf Smart-Home-Technologie setzt, verzichtete darauf zu betonen, dass dieses und jenes Gerät mit Alexa koppelbar ist.

PCtipp meint

Generell hat die Akzeptanz digitaler Assistenten stark zugenommen. Der Sprung in die Haushalte ist teilweise geschafft. Dies zeigt auch die Anzahl solcher Geräte, die sich in den letzten zwölf Monaten mit Bixby, Cortana, Alexa oder dem HomePod von Apple vervielfacht haben. Der Gewinner ist aktuell sicher Amazons Alexa, die in Schweizer Onlineshops aber nur über Import zu haben ist. Es ist abzuwarten, ob sich Schweizer Konsumenten, bei denen Apple noch immer einen grossen Marktanteil geniesst, eher für den HomePod entscheiden. Da viele Smart-Home-Haushaltsgeräte nicht nur mit Alexa koppelbar sind, sondern auch ihre smarten Funktionen dementsprechend ausgerüstet sind (Amazon Fresh & Co.), dürfte der Erfolg in der Schweiz eher bescheiden sein.

Big Player auf der Gaming-Schiene

Grosse, traditionsreiche Unternehmen wie Dell, Asus oder Acer entwickeln verstärkt Gaming-Equipment. So zeigte Acer den neuen Predator Orion 9000, der einen 18-kernigen Intel Core i9, bis zu vier GeForce GTX 1080Ti und 128 Gigabyte RAM aufweist. In einer Testrunde mit aktuellen Spielen schaffte dieser jederzeit eine stabile 60er-Framerate.

Gaming wird bei vielen grossgeschrieben Gaming wird bei vielen grossgeschrieben © Acer

Zudem erweiterte Acer die Entwicklung von Gaming-Hardware um einige Peripheriegeräte, nebst Maus und Gaming-Bildschirm auch ein Headset namens Predator Galea 500. Dieses ist mit sogenanntem 3D-Sound ausgerüstet. Dieses Feature soll dafür sorgen, dass sich die In-Game-Geräuschkulisse den Kopfbewegungen des Trägers anpasst. Hört man im rechten Ohr ein Geräusch und dreht den Kopf in diese Richtung, erklingt das Geräusch frontal. Beide Geräte sind von Acer für den Schweizer Markt auf das vierte Quartal 2017 angekündigt, allerdings noch ohne Preisangabe.

Der Trend bei Tastaturen geht zurück zu Mechanik Der Trend bei Tastaturen geht zurück zu Mechanik © Razer

Bei den altbekannten Gaming-Routiniers, wie zum Beispiel Razer, macht sich das offenbar bemerkbar. Dort konnte man einen Schwerpunkt bei der Peripherie feststellen. Auffallend: Die Zeit der modernen, ergonomischen Tastaturen sind vorbei. Gefragt sind massive Tastaturen mit hochstehenden, mechanischen Tasten mit tiefem Druckpunkt wie die BlackWidow X Chrome von Razer – die Rückkehr der Schreibmaschinentastatur.

PCtipp meint

Die Zeit, in der Gaming belächelt wurde oder eine Nische darstellte, sind vorbei. Die Ernsthaftigkeit bei Dell, Acer & Co. ist beeindruckend. Damit sind nicht nur Entwicklung und Sortiment gemeint – auch den Platz, der dem Equipment am IFA-Stand eingeräumt wurde, ist ein Statement.

Virtuelle Realität – wenig Interesse der Zuschauer, viel Interesse der Hersteller

Erstaunlich verhielt es sich mit dem Thema VR/MR. Wie eine Studie des IFA-Veranstalters GFU im Vorfeld der Messe ergab, ist das Interesse gering (19 Prozent) und die Anzahl Besucher mit einem VR-Endgerät ist sehr gering (4 Prozent). Als Gründe dafür wurden wenige Spieltitel und hohe Hardware-Anforderungen genannt. Dies hielt die Hersteller jedoch nicht davon ab, diverse VR/MR-Devices vorzustellen: Unter anderem zeigten Acer, Microsoft und Dell neue Brillen. Ein kurzer Testlauf von PCtipp ergab einen hohen Spassfaktor mit kleinen Abstrichen bei der Verwendung der Controller.

Das Marktpotenzial bei VR/MR ist riesig Das Marktpotenzial bei VR/MR ist riesig © Dell

PCtipp meint

Der Mangel an Filmen oder spielbaren Titeln wird vermutlich abnehmen – aber die hohen Anforderungen an die Hardware von VR-Endgeräten ist eine hohe Hemmschwelle. Zusätzlich entfällt z.B. gerade beim Schauen von Fussballspielen die soziale Komponente (die WM 2018 in Russland wurde an der Messe verschiedentlich als möglicher Durchbruch für VR genannt). Zwar schätzen Fachleute das Marktpotenzial als riesig ein, allerdings sahen diese bei 3D-Fernsehern ähnlich aus. Hier ist Skepsis angebracht.

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Samsungs Bewährungsprobe, Abkehr von Aluminium bei Notebooks

Nebst VR und Smart Home schaffte es auch das Evergreen-Thema, digital unterwegs, wieder an die IFA. So wurde der Nachfolger des «Skandal-Smartphones» Galaxy Note 7, das Galaxy Note 8, vorgestellt. Wie sich das Gerät mit der Dualkamera schlug, können Sie in unserem Test in Erfahrung bringen. Für Aufsehen sorgten die beiden Smartphone-Neuzugänge Xperia XZ1 und XZ1 Compact von Sony: Die nimmermüden Japaner spendierten ihren Geräten einen 3D-Scanner. Dieser ist in der Lage, Form, Mimik, Frisur etc. des Kopfes dreidimensional abzubilden. So soll es später möglich sein, diese Grafik z.B. in Games zu verwenden und den Protagonisten die Köpfe der Spieler aufzusetzen.

Der 3D-Scanner macht Spass, ist aber bis dato nur eine Spielerei Der 3D-Scanner macht Spass, ist aber bis dato nur eine Spielerei © Sony

Zu Weihnachten darf man sich wiederum auf eine ganze Ladung neuer Notebooks und Convertibles freuen. Dabei stellten sowohl Acer als auch Dell das «Handschriften-Feature» bei ihren Convertibles in den Vordergrund. Insbesondere die Inspiron-Serie von Dell überzeugte im Hands-on mit einer kaum wahrnehmbaren Verzögerung beim Benutzen des Stylus und der exakten Abbildung der Handschrift.

Aluminium ist nicht mehr Pflicht Aluminium ist nicht mehr Pflicht © Acer

Allgemein liess sich zusätzlich eine leichte Trendwende in der Beschaffenheit der Materialien feststellen. So ist Aluminium nicht mehr zwingend «Pflichtoberfläche» der Top-Modelle: Bei Acers Weiterentwicklung der Swift-Reihe, dem Swift 5, wurde das Alu durch eine Lithium-Magnesium-Oberfläche ersetzt, die gemäss Acer eine ähnliche Stabilität, aber eine erhebliche Gewichtsersparnis zur Folge hat. So wiegt das 14-Zoll-Gerät gerade mal 970 Gramm.

PCtipp meint

Im Smartphone-Sektor fehlt derzeit die ganz grosse Innovation. Abgesehen von Sony, die bei ihrem Rechteckformat bleiben, versuchen die Hersteller noch immer, möglichst schlanke Gehäuse und randlose Displays zu bauen. Zwar ist Sonys 3D-Scanner ganz nett, jedoch kaum mehr als eine Spielerei.

Sehen Sie die neuste IFA-Hardware in unserer Bildergalerie:

IFA 2017