Eine Woche mit Apples HomePod

Es wird Zeit für ein erstes Urteil, Kaufanleitung inklusive.

von Klaus Zellweger 05.03.2018

Der HomePod verkörpert Apples eigene Vorstellungen von einem intelligenten Lautsprecher mit Siri-Unterstützung. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass sich die Wörter «Intelligenz» und «Siri» im selben Satz kaum vertragen.

Kein Wunder, preist Apple den HomePod in erster Linie als hochwertigen Musik-Lautsprecher an und versucht damit, einem Duell mit Amazon Alexa oder dem Google Assistant aus dem Weg zu gehen. Dem schliessen wir uns für den Moment gerne an; ein Vergleich wäre zum aktuellen Zeitpunkt unfair, solange Siri auf dem HomePod nur Englisch versteht. Wir werden ihr stattdessen später auf den Zahn fühlen, wenn der HomePod offiziell in der Schweiz angekommen ist.

Garnspulen-Optik

Der HomePod hat das Zeug dazu, um vom Fleck weg zu einer Design-Ikone zu werden. Der ganze Lautsprecher ist von einem feinen Garn ummantelt, sodass der HomePod mit den meisten Einrichtungen harmoniert. Apple bietet das Gerät alternativ in dunklem «Space Gray» an. Vor einer weissen Wand wäre das meine bevorzugte Farbe, weil kontrastreicher – denn der HomePod ist ein Gerät, das man gerne herumzeigt.

Das schnörkellose Design passt zu praktisch jedem Einrichtungsstil Das schnörkellose Design passt zu praktisch jedem Einrichtungsstil © PCtipp / ze

Die Oberseite besteht aus einer Kunststoffplatte, die auf Berührungen reagiert und so zum Beispiel die Lautstärkeregelung ohne Stimme oder iPhone erlaubt. Ausserdem zeigt eine gediegene, bunte Animation, wenn Siri zuhört.

Die Kunststoffplatte reagiert auf Berührungen Die Kunststoffplatte reagiert auf Berührungen © PCtipp / ze

Sehr gut gefällt auch das Stromkabel, das nicht nur farblich passend, sondern ebenfalls in den passenden Zwirn gehüllt ist. Egal, von welcher Seite der HomePod betrachtet wird: Er sieht immer gut aus.

Stilecht: Das Netzkabel ist in den passenden Stoff gehüllt Stilecht: Das Netzkabel ist in den passenden Stoff gehüllt © PCtipp / ze

Die Einrichtung

… ist ein Kinderspiel. Der HomePod wird mit Strom versorgt und die «Home»-App auf dem iPhone gestartet. Das reicht, um den Assistenten auf den Plan zu rufen, der in wenigen Schritten durch die Installation führt. Details, wie zum Beispiel der Zugang zum WLAN, werden automatisch vom iPhone übernommen.

Der Assistent begleitet den frischgebackenen Besitzer in einer Minute durch die Installation Der Assistent begleitet den frischgebackenen Besitzer in einer Minute durch die Installation © Screenshot / ze

Do you speak Tschörmän?

Ein interessantes Detail zeigt sich bei der Sprachwahl, die zurzeit auf Englisch (USA, UK und Australien) beschränkt ist. Gleich darüber steht der Hinweis: «Wir melden uns, wenn Deutsch (Schweiz) unterstützt wird.» Oder anders ausgedrückt: Wer heute zu einem Importgerät greift, kann sicher sein, dass der HomePod später über ein Firmware-Update an die Schweiz angepasst wird.

Quasi bestätigt: Die CH-Version des HomePods ist nur ein Firmware-Update weit entfernt Quasi bestätigt: Die CH-Version des HomePods ist nur ein Firmware-Update weit entfernt © Screenshot / ze

Unser Testgerät war übrigens mit einem UK-Stecker ausgerüstet – also dem hässlichsten Stecker der Welt. Zusammen mit einem passenden Adapter wird daraus ein Klotz, der unbedingt versteckt werden muss, um den Gesamteindruck zu wahren. Wie das Internet weiss, lässt sich das Kabel mit einem unheimlich hohen Kraftaufwand abziehen – doch diese Möglichkeit betrifft scheinbar nur Reparaturen, da Apple (noch) kein einzelnes Kabel mit Stecker anbietet. Stattdessen wird es einfach für 29 US-Dollar getauscht. Es kann also sein, dass sich das UK-Kabel für diesen Betrag in ein CH-Kabel tauschen lässt – aber das ist zurzeit reine Spekulation.

iPhone-exklusiv

Für die Installation wird ein iPhone benötigt, und zwar ausschliesslich ein iPhone. Es gibt keinen Assistenten für ein Android-Gerät oder einen PC – und so viel wir wissen, ist in diese Richtung auch nichts geplant. Das unterscheidet den HomePod zum Beispiel von der App «Apple Music», die auch für Android angeboten wird oder von iTunes für Windows.

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Tonqualität

Und damit sind wir dort angekommen, wo der HomePod zeigen kann, was er draufhat. Im Innern kommen sieben Hochtöner zum Einsatz, jeder davon mit einem eigenen Verstärker und Wandler. Die Wiedergabe wird durch «Beamforming» automatisch an die räumlichen Umstände angepasst. Die Steuerung und die ganze Denkarbeit übernimmt dabei Apples eigener A8-Chip.

HomePod: viel Technik auf engstem Raum HomePod: viel Technik auf engstem Raum © Apple, Inc.

Zu den beeindruckendsten Eigenschaften gehört die hervorragende Stimmerkennung, genauer: der Zuruf «Hey, Siri!». Dieser wird auch dann erfasst, wenn der Bass wummert und mit normaler Lautstärke gesprochen wird. Der Unterschied zu einem Google-Home-Lautsprecher ist dabei enorm: Dieser muss während der Musikwiedergabe fast schon angebrüllt werden, nur um sich dann trotzdem taub zu stellen.

Die Musikqualität ist ebenfalls erstaunlich. Die kleine Garnspule bekundet nicht das geringste Problem damit, ein Wohnzimmer bis in die letzte Ecke zu beschallen. Die Bässe bleiben dabei kraftvoll, die Höhen kristallklar. Mehr kann man von einem Gerät dieser Grösse nicht verlangen.

Für den direkten Vergleich mit einem Mitbewerber verwendeten wir einen Sonos One, der nahezu dieselben Abmessungen aufweist. Und so sehr wir den kleinen Sonos-Lautsprecher bis heute auch geschätzt haben: Im Vergleich zum HomePod wirkt die Wiedergabe fast schon blutleer. Doch der Sonos One ist eigentlich nicht der direkte Konkurrent, sondern die grösseren Kaliber wie zum Beispiel der Google Home Max. Allerdings steigt der Preis für konkurrenzfähige Lautsprecher sprunghaft an, sodass der HomePod zum Teil wie ein Schnäppchen wirkt.

Gleiche Grösse, keine Chance: Der Sonos One klingt neben dem HomePad kraftlos Gleiche Grösse, keine Chance: Der Sonos One klingt neben dem HomePad kraftlos © PCtipp / ze

AirPlay, Multiroom und Stereo

Egal, wo der HomePod heute gekauft wird: Er kann sein ganzes Potenzial noch nicht ausspielen. Zurzeit dudelt er als einsamer Lautsprecher vor sich hin. Mit dem Übertragungsprotokoll «AirPlay 2» werden die Möglichkeiten massiv ausgebaut: Dann werden auf Wunsch zwei HomePods für die Stereowiedergabe gekoppelt. Ausserdem lassen sich Multiroom-Lösungen realisieren, um ein ganzes Haus mit derselben Musik zu beschallen. AirPlay 2 wird im Verlauf dieses Jahres veröffentlicht – vielleicht morgen, vielleicht aber auch erst in einigen Monaten.

Hier spielt die Musik

Zum Schluss noch ein paar Worte zu den Musikquellen. Der HomePod ist komplett auf Apples eigenen Streaming-Dienst «Apple Music» geeicht. Nur darüber lassen sich Songs, Alben oder Interpreten mit Siri finden. Eine Sprachsteuerung von Spotify ist zum Beispiel nicht möglich.

Allerdings kann der HomePod bereits heute durch AirPlay 1 bespielt werden. Dabei wird die Musikwiedergabe in einer App wie Spotify gestartet und der HomePod als Ausgabegerät definiert. Auf diese Weise lässt sich der HomePod sogar von einem Android-Gerät füttern, wenn eine App hinzugezogen wird, die ganz inoffiziell AirPlay unterstützt.

Bezugsquellen und Preis

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei unserem HomePod um ein UK-Gerät, das uns freundlicherweise von der Firma Digitrends zur Verfügung gestellt wurde. Der HomePod ist dort in Weiss oder Space Gray für 519 Franken verfügbar. Der Versand ist inklusive, zum Lieferumfang gehört ein Adapter für unsere Steckdosen.

Vorläufiges Fazit

Für eine abschliessende Wertung ist es noch zu früh. Klar ist hingegen, dass der HomePod nicht nur eine gute Figur macht, sondern auch einen hervorragenden Klang bietet. Leider ist überhaupt nicht absehbar, wann der HomePod in der Schweiz angeboten wird. Zur Erinnerung: Auf dem Apple TV ist Siri in der Schweiz immer noch nicht verfügbar – über zwei Jahre nach Verkaufsstart. Apple hat sich entschlossen, die Sprachsteuerung bei Apple TV einfach auszuklammern. Doch der HomePod wird ganz sicher nicht ohne Siri ausgeliefert.

Wenn Sie also auf Siri verzichten können (oder nur in Englisch mit ihr reden), dann greifen Sie schon heute bedenkenlos zur Importversion, die irgendwann später durch ein Firmware-Update eingebürgert wird.