Basler Trams surfen SBB um die Ohren

Immer mehr Privatbahnen, aber auch die Basler Verkehrsbetriebe, sind schon mit Gratis-Wi-Fi ausgerüstet. Bei den SBB hat man wohl etwas verpasst.

von Simon Gröflin 26.06.2013

Surfen in der SBB per WLAN –  wohl noch lange nicht Surfen in der SBB per WLAN – wohl noch lange nicht © PD / SBB CFF FFS/David Schweizer

Öffentliches WLAN wird immer mehr zum Standard. In den Basler Verkehrsbetrieben surfen zu Spitzenzeiten bereits gegen 5000 Personen. Die BVB wolle in naher Zukunft, zur Steigerung des Komforts und des Kundenservices, in allen Fahrzeugen WLAN anbieten, gibt Stefan Schaffner, Leiter Markt BVB, auf Anfrage zu verstehen. Der finanzielle und technische Aufwand sei dabei sehr überschauber gewesen. «Innert weniger Stunden kann ein Tram oder ein Bus mit Antenne, Verkabelung und Router ausgestattet werden», meint Schaffner.

Eine oft frequentierte Regionalbahn, die BDWM, die zwischen Bremgarten/AG, Dietikon und Wohlen/AG verkehrt, bietet ihren Kunden ebenfalls seit Anfang Jahr Gratis-WLAN: Auf Anfrage wurde sogar Einblick in die WLAN-Kosten gewährt: Der einmalige Investitionsaufwand für eine typische Regionalbahn wie die BDWM beläuft sich demnach auf etwa 50'000 Franken, während die jährlichen Swisscom-Gebühren weit mehr als ein Viertel der einmaligen Installation, ausmachen. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, kann Thomas Koch, Leiter Kundenservice der BDWM, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Das Echo der Kundschaft ist durchwegs positiv. In Spitzenzeiten surfen in dieser exemplarischen Privatbahn 600 Kunden.»

Für optimale WLAN-Abdeckung bedarf es auch optimaler UMTS-Netze: Schon nur die kontinuierliche Übertragung von Betriebsdaten (zum Beispiel Anzahl einloggender Kunden) erfordert eine ständige bidirektionale Verbindung zur Auswertungszentrale. Um dabei die Kosten im Griff zu halten, werden bei den mobilen Routern UMTS/LTE als Übertragungsprotokoll eingesetzt. In den jeweiligen Zügen kommen als Herzstück pro Wagen ebenfalls ein Mobile Router mit Access-Points zum Einsatz, da einzelne Wagen auch hie und da umgestellt werden und der Link zum Access Point gewährt werden muss. 

Die SBB hinkt der aktuellen Entwicklung noch hinterher, und zwar massiv. Drahtloses Surfen ist bis jetzt erst in gewissen Erstklasswagen möglich. Neulich wollte die BDP einen Vorstoss lancieren, damit der Bundesrat Druck auf die Verkehrsbetriebe ausübt. Bernhard Guhl, Nationalrat der BDP, meint: «Es geht nicht an, dass beispielsweise in den Zügen der SBB nur Kunden der 1. Klasse WLAN zur Verfügung steht.» Man zeigt sich allerdings bei den SBB bis jetzt noch unbeeindruckt. Christian Ginsing, Sprecher der SBB, meinte gegenüber der Tagesschau vor einem Jahr schon: «Alleine die Ausrüstungskosten könnten im zweistelligen Millionenbereich liegen.» Die SBB setzt bis jetzt eher auf den Einbau von (günstigeren) Repeatern, die einfach das Signal der Handy-Antennen verstärken. Andreas Uhl, Mediensprecher bei den VBZ, gab auf Anfrage zu verstehen, dass in der Stadt Zürich die Abdeckung mit 3G und höherer Technik perfekt sei und schon aufgrund der kurzen Tramstrecken das Einloggen einen Teil der Reisezeit in Anspruch nimmt. «Wir haben intern kein Projekt und keine finanziellen Mittel der ZVV zur Umsetzung von WLAN», meint Uhl abschliessend.

BDP-Nationalrat Guhl meinte gegenüber 20min.ch, dass bei den SBB sicher hohe Kosten entstehen durch die Aufrüstung, jedoch das Angebot zusätzliche ÖV-Kunden generieren würde. Bei den Basler Vekehrsbetrieben war die Realisierung von WLAN, gemäss Aussage der Medienstelle der BVB, im Rahmen eines Pilotprojekts mit Swisscom, Sunrise und Livesystems möglich. Nun werde die Datennetzabdeckung von zwei unterschiedlichen Telekomnetzen in der Praxis getestet, so Thomas Brunner von der BVB. Hatte demnach die SBB es verpasst, zumindest bei Langstreckenzügen frühzeitig Sponsoringanfragen von Mobilfunkbetreibern zu erwirken? Ob nun ausgereifte Kommunikationsprotokolle, intelligente Wireless-Router – oder politische Diskussionen auf Bundesebene: Auf jeden Fall werden mobile Vielsurfer und SBB-Kunden noch einige Zeit eher auf Mobile Flatrates ausweichen müssen.