Amazon: So entlarven Sie Fake-Bewertungen

Ein Insider berichtet von «gefälschten» Rezensionen auf Onlineverkaufsplattformen und liefert gleichzeitig Tipps, diese zu enttarnen.

von Luca Perler 20.03.2017

Auch in der Schweiz kaufen immer mehr Menschen online ein. Alleine im letzten Jahr bestellten Schweizerinnen und Schweizer laut dem Marktforschungsinstitut GfK Waren im Wert von 7,8 Milliarden Franken übers Internet. Das Problem beim Onlineshopping: Produkte können nicht getestet oder anprobiert werden. Abhilfe schafft dabei die Kommentarspalte. Kundinnen und Kunden bewerten dort Produkte, die sie über ein Onlineversandhaus gekauft haben.

Mit einigen Anhaltspunkten können Fake-Bewertungen entlarvt werden Mit einigen Anhaltspunkten können Fake-Bewertungen entlarvt werden © Screenshot / PCtipp

Wie ein Insider nun in einem Bericht auf «Business Insider Deutschland» schreibt, stammen diese Kommentare jedoch nicht immer nur aus der Feder von Käufern. «Viele Firmen manipulieren nämlich die Gesamtbewertung bewusst zu ihren Gunsten», berichtet der anonyme Autor des Textes, ein ehemaliger Schreiber von Fake-Bewertungen bei Amazon. Ganze Agenturen hätten sich inzwischen darauf spezialisiert, Fake-Bewertungen bei Verkaufsplattformen wie Amazon oder Ebay zu schreiben. «Das Ziel ist klar: So soll der Verkauf angekurbelt werden.»

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So entlarven Sie Fake-Bewertungen

Der Insider stellte anschliessend eine Liste mit elf Tipps auf, wie man sich vor einem Kauf richtig informiert sowie Bewertungen von Händlern und Agenturen erkennen kann:

  • Lange und detaillierte Beschreibungen, gemischt mit Anwendungsbeispielen, machen eine Rezension unglaubwürdig. Wer ein Produkt möge, halte sich in der Regel kurz.
  • Skepsis sei vor allem bei Profilen, die nur Bewertungen über eine Produktsparte schreiben, angebracht. «Wer nicht gerade einen Tech-Blog hat oder leidenschaftlich gerne über Bücher schreibt, macht das wohl gegen Bezahlung», meint der Insider.
  • Verdächtig seien auch Links oder Verweise auf ähnliche Produkte eines Herstellers, genauso wie ein allzu werblicher Schreibstil.
  • Fake-Bewertungen müssten zudem nicht immer nur positiv formuliert sein. «Händler und Agenturen schreiben auch Verrisse, um die Konkurrenz auszubremsen.» Deshalb soll man sich von schlechten Kommentaren nicht zu stark beeinflussen lassen.
  • Finden sich unter 100 schlechten Bewertungen jedoch nur 10 positive, sieht man laut dem Insider besser von einem Kauf ab. Die Mischung aus positiven und kritischen Bewertungen mache es aus.
  • Wenige Bewertungen sind hingegen auch kein gutes Zeichen. Vor allem beim Kauf eines teuren Produkts verlasse man sich besser nicht auf einen einzelnen Kommentar.
  • Meist steht auch der Kommentar zuoberst, der am besten bewertet wurde. «Wer sich auf den Top-Kommentar verlässt, hat schon fast verloren.» Agenturen und Firmen wüssten ganz genau, wie sie ihre Kommentare ganz oben positionieren können.
  • Das Datum einer Bewertung liefert ebenfalls Hinweise auf deren Echtheit. «Erscheinen Rezensionen direkt am Tag der Veröffentlichung eines Produkts oder sogar davor, sind diese mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht.»
  • Sogenannte «verifizierte Käufe» sind gemäss dem Kenner hingegen gute Anhaltspunkte für legitime Kommentare. Denn das bedeutet, dass der Rezensent das Produkt tatsächlich gekauft hat.
  • Hilfreich sei auch ein Blick in die Liste der Bewertungen eines Rezensenten. Werden unterschiedliche Produkte kommentiert, weist das darauf hin, dass ein echter Käufer am Werk ist.
  • Schliesslich empfiehlt der Insider, dass man sich nicht nur auf die Rezensionen beim Onlinehändler verlassen, sondern auch andere – bestenfalls unabhängige – Bewertungsportale zu Rate ziehen soll.