Test: Sonic Mania

Segas Sonic-Hommage ist wie ein Nostalgie-Trip in die 1990er-Jahre und beweist, dass der rasende Igel noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

von Ulrich Wimmeroth 16.08.2017

Kann heutzutage ein 2D-Runner in Pixeloptik noch Begeisterungsstürme hervorrufen? Wenn es sich dabei um eine derart liebevoll gemachte Hommage wie Sonic Mania handelt, dann lautet die Antwort: Auf jeden Fall! Nach einigen spieltechnischen Nullnummern kehrt Sega zu den Wurzeln des rasanten Stacheltiers mit den roten Turnschuhen zurück und mischt munter kräftig aufpolierte Level aus Klassikern wie Sonic, Sonic 2, Sonic CD und Sonic & Knuckles mit nagelneuen Herausforderungen im Retro-Stil. Massgeblich zuständig für den nostalgischen Ausflug in die Blütezeit des Sega Mega Drive ist übrigens Christian Whitehead, der sich bei der Sonic-Community für seine Portierungen älterer Spiele einen sehr guten Ruf verdient hat, und Sonic Mania schon vor geraumer Zeit als reines Fanprojekt überhaupt erst ins Leben gerufen hat.

Interview with Takashi Iizuka, Leiter des Sonic-Teams:

Tipp: Erst mal gar nichts machen

Bevor Sie sich daran machen, die erste Zone in Angriff zu nehmen, sollten Sie sich nach dem Erscheinen des Hauptmenüs aber einfach mal gemütlich zurücklehnen. Nach einer Weile erscheint dann automatisch ein langes Intro, in dem Sonic, Knuckles und Tails in einem spassigen Zeichentrickfilm die Hauptrolle spielen, der Sie so richtig in nostalgische Stimmung versetzen wird. Es wäre doch schade, wenn Sie das verpassen würden. Aber genug des Wartens, jetzt geht es an den Start, und da wartet gleich eine altbekannte Umgebung darauf, gemeistert zu werden. So bekannt die Green Hill Zone – das Spiel ist in zwölf Zones mit je zwei Acts aufgeteilt – auch auf den ersten Blick aussieht, schon nach ein paar zurückgelegten Bildschirmmetern wird deutlich, dass das Leveldesign jetzt erheblich komplexer ist als früher.

Wilde Achterbahnfahrten sind auch in Sonic Mania garantiert Wilde Achterbahnfahrten sind auch in Sonic Mania garantiert © games.ch

Es gibt beispielsweise weniger Beschleunigungsstreifen, bei denen Sonic in Höchstgeschwindigkeit durch aberwitzige Röhrenkonstruktionen und Half-Pipes rast, dabei über Abgründe voller tödlicher Stacheln fliegt und den fiesen Robotertieren von Erzfeind Doctor Eggman ausweicht. Die Design-Entscheidung nimmt Sonic Mania nicht das atemberaubende Tempo, erlaubt es aber, sich ein wenig länger umzuschauen und so alternative Routen zu entdecken. Die Neugier wird immer wieder belohnt, wenn sich neue Abschnitte eröffnen, die sich abseits des direkten Weges befinden und reichlich Extras, wie Schutzschilde oder Chaos-Diamanten, beinhalten.

Ringe sammeln, Ringe sammeln: sonst ... Ringe sammeln, Ringe sammeln: sonst ... © games.ch

Spieltechnisch ist ansonsten aber alles wie gewohnt. Es gilt, die immer schwerer werdenden Zonen zu meistern und dabei die goldenen Ringe einzusammeln, die beim Zusammenprall mit einem Bösewicht oder bei einem Absturz vor dem sicheren Bildschirmtod schützen. Nach jedem Abschnitt, Act genannt, wartet ein Miniboss darauf, bezwungen zu werden und nach jeder Zone gibt es einen knackigen Endkampf.

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Sonic, Tails oder Knuckles

Angehen können Sie das rasante Abenteuer aber nicht nur mit Sega-Maskottchen Sonic, sondern wahlweise auch mit seinen Freunden Tails und Knuckles. Neue Charaktere gibt es nicht, aber das Wiedersehen mit dem zweischweifigen Fuchs und dem roten Ameisenigel macht einfach Freude. Zumal sich auch durch die Wahl der Spielfigur das Gameplay erheblich ändert. Steht bei Sonic die Geschwindigkeit an erster Stelle, fliegt Tails dank seines Helikopterschwanzes durch die Level und Knuckles klettert und lässt die Fäuste sprechen.

Kletterpartie mit Knuckles Kletterpartie mit Knuckles © games.ch

Schön: Im Team Sonic und Tails, und auch nur in dieser Kombination, können Sie mit einem Freund gemeinsam antreten. Gerade bei den Bosskämpfen, die in den späteren Zonen ganz schön anspruchsvoll werden, erweist sich die Teamfähigkeit als echte Erleichterung. Denn Tails hat im Gegensatz zu seinem blauen Kumpel in der kooperativen Zusammenarbeit unendliche Leben, so kann sich ein Spieler auf Angriffe konzentrieren, während der andere Raketen, Kugeln oder riesigen Roboterarmeen ausweicht. Wenn Sie sich ganz gemütlich auf der Couch ein Duell gegen einen Freund liefern möchten, ist der Wettkampf im Splitscreen-Modus genau richtig. Hier geht es darum, einen Parcours zu meistern, möglichst viele Ringe zu sammeln und natürlich als Erster die Ziellinie zu erreichen.

Bei Bosskämpfen ist Teamgeist gefragt Bei Bosskämpfen ist Teamgeist gefragt © games.ch

Abwechslungsreiche Levels in schicker HD-Optik

Neben den klassischen Zonen, wie Chemical Plant, Flying Battery oder Hydrocity, die aufpoliert, aber mehr oder weniger unverändert übernommen wurden, gibt es auch brandneue Herausforderungen, die extra für Sonic Mania gestaltet wurden. Dazu gehören unter anderem der Mirage Saloon im Wildwest-Stil, der übrigens auf einer nicht verwendeten Zone von Sonic CD basiert, und das Fernsehstudio Studiopolis. Diese reihen sich wunderbar in das Retro-Gesamtbild ein, alles wirkt wie aus einem Guss und bildet einen umfangreichen Retro-Remix, der die Zeiten des Mega Drive auferstehen lässt, dabei aber die Action in knackscharfer HD-Grafik abliefert.

Scharfe Grafik mit hübschen Rasterfiltern Scharfe Grafik mit hübschen Rasterfiltern © games.ch

Unter der Haube wurde allerdings noch so einiges geschraubt. Die Figuren haben zusätzliche Animationen erhalten, was für butterweiche Bewegungen sorgt, die Hintergründe kommen erheblich detailfreudiger rüber und Sonic hat mit dem Drop Dash sogar einen neuen Angriff gelernt. Auch der schmissige Soundtrack wurde nur subtil aufgepeppt und liefert die gewohnt melodischen Klänge der Originale. Wenn Ihnen das dann aber doch zu modern sein sollte: In den Einstellungen kann ein CRT-Filter aktiviert werden, der einen Röhrenmonitor simuliert und die volle Pixelpracht des Jahres 1992 auf den Bildschirm bringt.

Nix geht über zahlreiche Bonuslevels Nix geht über zahlreiche Bonuslevels © games.ch

UFO in der Bonus-Stage gesichtet

Aufgelockert werden die wilde Hatz durch die Zonen und die Kämpfe gegen die Roboterarmeen des Doctor Eggman durch Bonus- und Special-Stages. Dabei sind Minispiele, bei denen Sie beispielsweise in der 3D-Ansicht einem UFO nachlaufen und dabei blaue Kugeln einsammeln, die Sonic einen Geschwindigkeitsschub verpassen, während Sie roten Bremskugeln ausweichen sollen. Haben Sie das unbekannte Flugobjekt in einem knappen Zeitrahmen eingeholt, gibt es reichlich Chaos-Diamanten zur Belohnung. Grundsätzlich sind die Stages unterhaltsam, leiden aber darunter, dass diese bei der grafischen Hochglanzpolitur sträflich vernachlässigt wurden und einfach nur hässlich sind. Eigentlich schade.

GOAL!! GOAL!! © games.ch

Fazit

Schicke HD-Grafik, präzise Steuerung und ein einfaches, aber gewohnt geniales, Spielprinzip: Sonic Mania bietet für knapp 20 Franken satte 24 umfangreiche Level puren Retro-Charme. Das Game stellt mit unzähligen Gags und Anspielungen nicht nur Nostalgiker vollends zufrieden, sondern erlaubt auch Neueinsteigern einen gelungenen Trip in die Welt des blauen Igels und seiner Freunde. Lediglich einige der Bonus-Stages wirken arg uninspiriert, was aber den durchwegs positiven Gesamteindruck kaum trüben kann.

Sonic Mania

Positiv:
Best-Of klassischer Sonic-Spiele, abwechslungsreiche und riesige Level, starke HD-Optik
Negativ:
Grafisch schwache 3D-Bonuslevel
Details:
Rasanter Retro-Spass für PS4, Xbox One, Nintendo Switch und PC
Strassenpreis:
Fr. 19.90
Info:
sega.com/games/sonicmania
PCtipp-Bewertung:
4.5 Sterne

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