Fünf alternative Tastatur-Apps im Test

Nicht jede Handy-Tastatur passt zu jedem Bedürfnis. PCtipp stellt Ihnen fünf alternative Tipp-Apps vor.

von Simon Gröflin 21.09.2015 (Letztes Update: 21.02.2018)

Während man in den Neunzigerjahren noch mit klassischer SMS-Tastatur drauflos hämmerte, geht vieles über den Smartphones-Touchscreen heutzutage doch ein wenig flinker. Bei der fast schon unüberschaubaren Menge an Keyboard-Apps bleibt nur ein Problem: Welche Tastatur passt zu mir? Viele Anwender dürften mit der vorinstallierten Standard-Tastatur Vorlieb nehmen und haben sich seither nie gefragt, ob die Art zu tippen überhaupt den persönlichen Vorlieben entspricht. Spätestens nachdem auch der populären Wisch-App Swype der Support-Stecker gezogen wurde, ist es vielleicht an der Zeit, sich den Umstieg auf eine andere Tastatur-App zu überlegen. Wir stellen Ihnen fünf Alternativen vor.

WRIO

Anders als die meisten anderen Tastaturen verwendet die Schweizer App WRIO Tasten in Form von Bienenwaben.

Eile mit Weile

Das Umgewöhnen an die andersartig angeordneten Buchstaben fällt zunächst schwer. Beibehalten hat WRIO das QWERTZ/QWERTY-Schema, weil sich das «P» oben rechts und das «Q» oben links befindet. Das Bedienkonzept: Für einen Grossbuchstaben wischt man auf dem jeweiligen Zeichen beispielsweise einfach kurz nach oben. Für einen Kleinbuchstaben mit Umlaut hält man einen Vokal kurz gedrückt, während man für einen Grossbuchstaben mit Umlaut diesen noch ein bisschen länger gedrückt hält. Ein Wisch nach rechts an beliebiger Stelle fügt einen Leerschlag ein, ein Wisch nach links löscht geschriebene Zeichen.

Fazit: WRIO erfordert eine lange Eingewöhnungszeit. Hat man sich jedoch einmal daran gewöhnt, geht es auf einmal schneller. Die App ist kostenpflichtig (3 Franken) und gibt es für iOS und Android. Mehr über die App lesen Sie in unserem Download-Tipp.

Nächste Seite: SwiftKey

SwiftKey

Für wen ist SwiftKey? Wer oft zwischen Geräten wechselt, sollte SwiftKey ausprobieren. Wer es dann auch noch stylish will, kann aus einer Riesenpalette an farblichen Themen wählen. Die Hauptversion hält eine Auswahl kostenloser Themes bereit, weitere Themes können kostenpflichtig heruntergeladen werden.

Alleskönner

Vor allem zwei Sachen kann SwiftKey gut: Das Tippen und Wischen geht ziemlich schnell von den Fingern, und Tastengrössen lassen sich beliebig anpassen. Startet man die App zum ersten Mal, ist die schiere Menge an Einstellungsmöglichkeiten zunächst fast nicht überschaubar. Als nützlich erweist sich das Wischen bei Wortabständen, indem man über das Leerzeichen streicht. Positiv: SwiftKey lernt vom Schreibverhalten seines Nutzers und sagt Wörter voraus. Das Angelernte kann man auch über die Google-Cloud abgleichen und so auf ein weiteres Gerät übertragen. Wer aber oft schweizerdeutsche Kurznachrichten tippt, hat wohl wenig davon.

Fazit: Lange war die Gratis-App SwiftKey nur für Android verfügbar, inzwischen gibt es die flinke Tastatur auch für iOS (Link zu beiden Apps). Jeder sollte SwiftKey einmal ausprobiert haben, wenn das Umgewöhnen beim Gerätewechsel schwerfällt. Und das Beste: Die App ist gratis! Es sei denn, man will noch mehr optionale Layouts herunterladen.

Nächste Seite: Fleksy

Fleksy

Für wen ist Fleksy? Wer doch lieber bei einer klassischen Tipptastatur bleiben will, findet mit Fleksy eine gute Alternative. Übrigens: Ein Schnelltipper hat es mit Fleksy sogar ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft.

Schnelle Eingewöhnungszeit

Besonders nett von Fleksy ist die Art, wie man in die neue Tastatur «eingeweiht» wird. Ein Assistent erklärt einem zuerst die wichtigsten Grundfunktionen, die man ihm nachmachen soll. Was bei Fleksy gleich von Anfang an überrascht, ist die schlichte Art des Keyboards und die Grösse der Tasten. Das Erfolgskonzept soll darin bestehen, durch grosse Tasten und einfache Layouts Fleksy simpel bedienen zu können. Auch Fleksy kann vorgeschlagene Wörter mittels Wischbewegung einfügen. Darüber hinaus soll Fleksy mit der Zeit die Tippgenauigkeit auf seinen Anwender abstimmen, um die Treffsicherheit zu erhöhen.

Fazit: Fleksy eignet sich für alle Anwender, die sich nicht lange an etwas Neues gewöhnen wollen. Besonders gefällt auch der «Nachblendeffekt» der soeben eingetippten Ziffern. So wird dem Anwender schon während der Eingabe einzelner Buchstaben deutlich, was er gerade tippt. Die Fleksy-Tastatur gibt es gratis für iOS und Android.

Nächste Seite: Gboard, «Kännsch»

Gboard

Für wen ist Gboard? Die Gboard-Tastatur für Android gibt es seit August 2016 auch gratis für das iPhone. Die App sieht wie eine normale Tastatur aus und hält dieselben Funktionen bereit. Nur beinhaltet die praktische App zusätzlich einen Google-Button, der die Google-Suche startet.

Die Hauptvorteile von Gboard: Die Ergebnisse werden Ihnen beim Tippen auch gleich als Info-Karte dargestellt. Wie die App im Detail funktioniert, sehen Sie in unserem Video:

«Kännsch»

Für wen ist «Kännsch»? Wer oft Kurznachrichten und E-Mails auf Schweizerdeutsch tippt, braucht natürlich eine Tastatur-App, die Mundart beherrscht! Im Rahmen ihres Elektrotechnikstudiums hat die Schweizer Entwicklerin Laura Peer an der ETH für ihre Masterarbeit ein Programm entwickelt, das auf einen linguistischen Wortschaft aus Facebook zurückgreift. Diese Wortfetzen bildeten die Grundlage, um in erster Linie ein Wörterbuch mit etwa 1000 Wörtern, die in allen Dialekten gebräuchlich sind, zu erstellen. Auf den ersten Blick ist «Kännsch» (Android, iOS) eigentlich nichts anderes als eine Erweiterung der Google-Tastatur.

Kännsch Kännsch © Screenshot PCtipp.ch

Forschungsprojekt

Beim Tippen macht «Kännsch» Wortvorschläge in allen Sprachen. Erst mit der Zeit, so scheint es, schöpft die Schweizer App aus dem helvetischen Wortschatz, spätestens dann, wenn der Anwender mehr Schweizer Wörter eintippt. Allerdings stammt das letzte Update im Google Play Store vom Juni 2016. Für Datenschutzfanatiker ist die App allerdings nichts: Man muss der App nebst Zugriff auf SMS-Kontakte unter anderem auch bei der Standortsuche zustimmen. Sinn dahinter soll eine empirische Auswertungsfunktion der ETH sein, um Dialektunterschiede auch nach Koordinaten ermitteln zu können.

Fazit: Man muss der ETH schon sehr vertrauen, zumal die App viele Zugriffsrechte von seinem Nutzer einfordert. Viel mehr als Wortvorhersage kann «Kännsch» aber nicht und bietet daher keine besonderen Vorteile eines andersartigen Keyboard-Layouts.